Erstmals Frauen in der Vorstandschaft

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Sie übernehmen schon seit vielen Jahren Verantwortung in der türkisch-islamischen Gemeinde Waldkraiburg: der alte und neue Vorsitzende Gökay Tastan (links) und sein Stellvertreter Yussuf Imrenk.

Waldkraiburg - Gökay Tastan bleibt Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Waldkraiburg. Erstmals sind allerdings auch zwei Frauen in der Vorstandschaft.

Ohne Gegenstimme wurde er mit seinem Vorstandsteam in einer Versammlung in der Moschee gewählt. Erstmals gehören dem neunköpfigen Vorstandschaft auch zwei Frauen an.

Frauen im Führungsteam, auch für die Waldkraiburger Gemeinde, die als sehr offen gilt, ist das etwas Neues. Seda Tastan, die Tochter des Vorsitzenden, ist künftig Schriftführerin und auch, aber nicht nur für die Belange der Frauen in der Gemeinde zuständig. Zudem gehört dem Gremium eine zweite Frau an, die Vertreterin der Frauenunion in der Gemeinde.

Wie Gökay Tastan und sein Stellvertreter Yussuf Imrenk mitteilen, gibt es in Taufkirchen bei München bereits die erste Gemeinde, die eine Frau zur Vorsitzenden gewählt hat. So weit ist es in Waldkraiburg noch nicht. "Aber schon bei den nächsten Wahlen könnte sein, dass mehr Frauen als Männer im Vorstand sitzen", so Imrenk.

Die Satzung des Dachverbandes Ditib, die der Waldkraiburger Verein jetzt umgesetzt hat, schreibt neuerdings vor, dass den Führungsgremien mindestens eine Frau angehören muss. Es ist nicht die einzige Änderung, die die Wahlversammlung mit sich brachte. Die Amtszeit wurde von zwei auf drei Jahre verlängert, und die Muslime in Waldkraiburg sind nicht mehr als Moscheeverein, sondern als registrierte muslimische Gemeinde organisiert.

Einer von zehn Koordinationsvereinen in Oberbayern

Auch für die Mitgliedschaft hat das Auswirkungen. Bislang hatte die Waldkraiburger Gemeinde, neben Rosenheim die größte Ditib-Gemeinde Südostoberbayerns, 244 wahlberechtigte männliche Mitglieder. Diese Zahl entsprach der Zahl der Familien. Künftig werden auch Familienangehörige als Mitglieder eingetragen. Sofern sie einen Mitgliedsbeitrag zahlen, sind sie auch stimmberechtigt. Als monatliche Mitgliedsbeiträge für Beschäftigte wurden mindestens zehn Euro beschlossen, für Frauen, Schüler, Rentner, Arbeitslose fünf Euro.

Seit 2009 gibt es einen Landesverband von Ditib in München. Die Gemeinden, die zuvor im Bundesverband in Köln ihren Ansprechpartner hatten, orientieren sich nun nach München. Knapp 90 Gemeinden gibt es laut Gökay Tastan in Oberbayern. Zehn Koordinationszentren übernehmen für sie organisatorische Aufgaben, eines davon ist Waldkraiburg, das diese Funktion für die Gemeinden in Schwindegg, Mühldorf, Trostberg, Garching, Massing, Burgkirchen und Dorfen innehat.

Ein Thema, das die Arbeit der alten Vorstandschaft geprägt hat und auch die Arbeit der neuen Vorstandschaft bestimmen wird, ist der geplante Bau einer repräsentativen Moschee. Im Sommer wurde dieses Vorhaben gestoppt, weil der Bauausschuss auf Antrag der CSU das Bauleitplanverfahren aufgrund von Bedenken gegen die Gestaltung der Moschee und die Größe des Kulturzentrumseingestellt hatte, noch ehe es begann.

Neue Moschee bleibt wichtigstes Projekt

Die Gemeinde will dennoch ihre Pläne weiterverfolgen. Auch am Standort, dem alten Haldenwanger-Gelände an der Reichenberger Straße, will man festhalten. Daran lassen die Vorstände keinen Zweifel. In Gesprächen mit Vertretern der Kirchengemeinden und politischen Mandatsträgern haben sie für ihr Projekt, eine Moschee mit einem Kulturzentrum, geworben.

Zunächst geht es ihnen dabei vor allem um den Bau einer Moschee, und zwar mit einem Minarett. In vielen Städten Bayerns werden mittlerweile Minarette bei Neubauten zugelassen, sagt Tastan. Sie gehörten dazu. Bei Besuchen von Schulklassen in der bestehenden Moschee mache er die Erfahrung, dass "die Kinder als Erstes fragen: Wo ist euer Minarett?" Erst in einem zweiten Schritt werde man an die Verwirklichung eines Kulturzentrums gehen.

Der Gesprächsfaden mit der Stadt war vorübergehend abgerissen, zwischenzeitlich habe es aber wieder ein Gespräch mit Bürgermeister Siegfried Klika gegeben. Dieser habe einen Termin mit der CSU-Fraktion in Aussicht gestellt. Die Vertreter der gemeidne freuen sich darüber. Sie werten dies wie "einen Neuanfang".

Bürgermeister Klika macht Gemeinde keine Hoffnungen

Bürgermeister Klika bestätigt Gespräche, macht der Gemeinde aber keine Hoffnungen. "Es gibt unverändert Vorbehalte. Die Bedenken sind noch nicht ausgeräumt. Knackpunkt bleibt das Gemeindezentrum", sagt er auf Anfrage der Zeitung und setzt hinzu: "Ich gehe davon aus, dass das Haldenwanger-Gelände nicht mehr zur Debatte steht und sich die Gemeinde einen neuen Standort suchen muss." hg

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