Die erste "Waldkraiburg"-Platte

Waldkraiburg und die Welt - "Es muss nicht stets ein Schlager sein - schaltet doch mal Waldkraiburg ein."

Wie ein Verkaufsslogan klingt diese Zeile in einem Bericht, den die Zeitung einer brandneuen Schallplatte widmet, mit der sich die "bedeutungsvolle Industriesiedlung" vor 50 Jahren präsentiert.

Waldkraiburg erwartet das Fest des Jahres und das größte Fest, das 1959 im Landkreis Mühldorf stattfindet: Am letzten Juli-Wochenende stehen nicht weniger als vier Großveranstaltungen, Wettkämpfe und Festzüge der Sudetendeutschen auf dem Programm, unter anderem die Einweihung des Haus Sudetenland und der sudetendeutsche Turntag. Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet, österreich und Südtirol werden erwartet. Da kommt die Schallplatte aus dem Streer-Verlag genau zur rechten Zeit. Der Text für dieses "Lebensbild Waldkraiburgs" stammt von Hans Reisegast, die "flotten Weisen" auf der anderen Plattenseite spielt die Betriebskapelle der Graslitzer Musikinstrumenten-Erzeuger.

In diesem Zusammenhang berichtet die Zeitung auch über ein Prädikat, das eine "bedeutende illustrierte Zeitschrift" - der Name wird nicht genannt - der Industriesiedlung gab: "Bayerns interessanteste Stadt". Die Zeitschrift war ihrer Zeit um ein Jahr voraus, denn erst 1960 sollte Waldkraiburg zur Stadt erhoben werden.

Die Graslitzer sind nicht die einzige Kapelle: Die 20 Mann starke neue Trachtenkapelle ist der Stolz der

Eghalanda Gmoi z'Waldkraiburg. Auch beim Großtreffen Ende Juli werde sie "den Ton angeben", schreibt die Zeitung.

Einen Querschnitt durch das Werk Ferdinand Staegers zeigt eine Ausstellung in der Staatlichen Mittelschule: Mehr als hundert graphische Arbeiten, Illustrationen und Gemälde sind zu sehen. Der 79-jährige Künstler, der aus Mähren stammt, war einst ein in der Kunstwelt hoch anerkannter Maler und Graphiker, geriet nach dem Krieg aber in Vergessenheit. Seit Anfang des Jahres war Staeger in Waldkraiburg sesshaft.

Das Landgericht Traunstein verurteilt eine 55-jährige Bäckermeistersehefrau aus dem Landkreis wegen mehrfachen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis. Mit ihrem Mann, der mangels Beweisen freigesprochen wurde, hatte die Frau mit dem Bau eines 125000 Mark teueren Filmtheaters in Waldkraiburg Schiffbruch erlitten. 1952 musste das Gebäude verkauft werden. Das Ehepaar war in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die Frau setzte daraufhin ein "Schwindelkarussell" in Gang. Von den 90000 Mark Darlehen, die sie von zahlreichen Privatpersonen erhielt, zahlte sie kaum etwas zurück.

Fast 25 Millionen Mark hat die Finanzkasse Mühldorf im Rechnungsjahr 1958/59 an Steuern eingenommen, berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren. Die ertragreichste Steuer war die Umsatzsteuer mit 7,3 Millionen Mark.

Der Bauboom sorgt für Arbeitskräftemangel. Im Landkreis fehlen allein 300 Bauhilfsarbeiter. Geplante Bauvorhaben können nicht

fristgerecht abgeschlossen werden.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © dpa

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