Erste Messungen nähren Optimismus

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Eine Bohrtiefe von 2075 Metern war gestern nachmittag erreicht. Verlauf und erste Messegebnisse stimmen die Experten zuversichtlich, auf mehr als 100 Grad warmes Wasser zu stoßen.

Waldkraiburg - Der Verlauf der Bohrungen und erste Messergebnisse bei einer Tiefe von 2065 Metern stimmen Professor Johann Goldbrunner "sehr optimistisch".

Der Geologe, der das Waldkraiburger Geothermie-Projekt begleitet, ist überzeugt, dass man auf mehr als 100 Grad warmes Wasser stoßen wird.

In spätestens drei Wochen werde sich zeigen, ob die Geothermie-Bohrung erfolgreich war, so Goldbrunner bei einem Informationstermin für die Anlieger. Eine Tiefe von 2075 Metern war gestern Nachmittag erreicht. Bislang habe man die geologischen Formationen so angetroffen wie prognostiziert. "Wenn wir den Bohrfortschritt halten können, sind wir bis Freitag bei 2500 Metern."

Dann wird verrohrt und zementiert. "Und dann wird es richtig spannend", so der Geologe. Vier bis fünf weitere Bohrtage in eine Tiefe bis etwa 2750 Meter werden folgen, dann stehen die Tests an, die endgültig Aufschluss über das Ergebnis bringen. Bei 2065 Metern sind nach seinen Worten bereits 72 Grad gemessen worden. Dies gebe Anlass zu Optimismus, die Prognosen tatsächlich zu erreichen. Er rechnet mit "über 100 Grad, maximal 105 Grad. Das wäre ein wunderschönes Ergebnis."

Der heutige Donnerstag ist Bohrtag 49. Die für die erste Bohrung veranschlagten 60 Tage werden erreicht, wahrscheinlich sogar leicht unterschritten. Danach wird die Anlage für die zweite Bohrung um gut sieben Meter versetzt. Diese zweite, so genannte Reinjektionsbohrung wird etwas länger dauern. Goldbrunner: "Bei gutem Verlauf rechnen wir mit 70 Tagen." Und er setzte im Blick auf die Geräuschbelastungen (siehe Bericht unten), denen die Anlieger an der Hangkante ausgesetzt sind, hinzu: "Dann haben Sie uns los."

Waldkraiburg sucht in 2600 Meter Tiefe nach 100 Grad heißem Wasser

Zu der Frage, ob durch Bohrung oder Geothermiebetrieb Erdbeben und Schäden an Gebäuden auftreten können, meinte der Geologe: Es gebe Anlagen, wo Bodenunruhen aufgetreten seien. Allerdings gehe es dabei um eine Intensität, die Goldbrunner mit dem Vorbeifahren eines Lastwagens verglich. Gefährdungen von Menschen schloss er ebenso aus wie Einwirkungen auf Gebäude. Das vielzitierte Ereignis in Basel, bei dem es zu einer spürbaren Erschütterung, aber keinen Gebäudeschäden gekommen sei, dürfe nicht auf das Molassebecken übertragen werden und habe mit der Situation in Waldkraiburg nichts zu tun. Anders als in Basel "bohren wir hier in Gestein, das nachweislich Wasser führt".

Um auf der sicheren Seite zu sein, haben die Stadtwerke ein Beweissicherungsverfahren veranlasst. Laut Geschäftsführer Norbert Weigl hat der Großteil der Anwohner von dem Angebot Gebrauch gemacht.

Bergdirektor Ingo Tönniesmann vom Bergamt Südbayern empfahl der Stadt, in Zusammenarbeit mit dem Erdbebendienst beziehungsweise der TU eine Messstation einzurichten, schon aus eigenem Interesse. Der Grund: Bei einem Schaden weist das Bergrecht die Beweispflicht dem Betreiber der Geothermie-Anlage zu.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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