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Eines der ersten Zugänge im Depot ist dieses Feuerwehrfahrzeug aus den 60er-Jahren.

Waldkraiburg - Immer wieder kommen Neugierige vorbei, um im ehemaligen Krone-Garten- und Baumarkt die Feuerwehrfahrzeuge zu sehen, erzählt Harald Stanko. Doch er muss sie vertrösten.

Denn die Halle ist bislang nur ein Depot. Erst 2012 soll an dieser Stelle ein Feuerwehrmuseum eröffnet werden. Schon im Februar sind die ersten Fahrzeuge in Waldkraiburg eingetroffen. 35 Einsatzautos stehen schon in der Halle, Fahrzeuge mit 50-Meter-Drehleiter oder der RW-Öl, der Rüstwagen Öl, eines der ersten Umweltschutz-Spezialfahrzeuge aus den 60er-Jahren, als die Feuerwehr zunehmend mit Unfällen mit Mineralöl, Säuren, Chemikalien konfrontiert wurde. Rund 70 weitere historische Einsatzfahrzeuge aus den Beständen der Berufsfeuerwehr München, darunter Handdruckspritzen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und die ersten Feuerwehrkutschen, sollen bis Ende Juni hinzukommen. Das berichtet Harald Stanko, der jetzt erstmals in einem Pressegespräch über die Museumspläne informierte.

Dabei handelt es sich um ein Projekt, das der Verein "Historische Magirus Feuerwehrtechnik" seit seiner Gründung vor einigen Jahren verfolgt. Harald Stanko aus Prien zählt zu den treibenden Kräften des Vorhabens, ist Mitglied im Vorstand, so wie der Waldkraiburger Johannes Rahnsch. Vorsitzender ist Friedrich-Volker Habenicht aus Traunreut.

Harald Stanko zählt zu den treibenden Kräften im Verein "Historische Magirus Feuerwehrtechnik", die hinter dem Museumsprojekt stehen.

"Von Anfang an wollten wir ein spezielles Technikmuseum aufbauen", erzählt Stanko, der selbst 20 Jahre bei der Feuerwehr aktiv war. Ein "Technikmuseum mit moderner Konzeption", wie Stanko sagt. Darunter versteht er, dass nicht nur die Geschichte der Fahrzeuge in Texten dokumentiert ist, sondern dass die Besucher bei Vorführungen erleben können, wie sie funktionieren. Dass sie einzelne Gerätschaften selbst ausprobieren können. Dass sie auch eine Vorstellung bekommen, welchen Situationen Feuerwehrleute bei Einsätzen ausgesetzt sind, wie hart dieser Dienst ist. Zum Konzept des "Aktivmuseums" gehört eine "gläserne Werkstatt", in der die Oldtimer hergerichtet und - soweit möglich - einsatzfähig gemacht und ausgestattet werden. Auch Hilfsorganisationen wie das THW oder das Rote Kreuz sowie die Polizei sollen sich im historischen Fuhrpark widerspiegeln.

Als Zielgruppe sieht Stanko nicht nur die aktiven Feuerwehrleute aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland, sondern auch Familien, die zum Beispiel im Chiemgau Urlaub machen. Ihnen soll das Feuerwehrmuseum ein attraktives Schlechtwetterprogramm anbieten. 40- bis 50.000 Besucher im Jahr will er erreichen. Kritiker sehen dieses Ziel als nicht realistisch an, angesichts der Tatsache, dass zum Beispiel das nationale Feuerwehrmuseum in Fulda jährlich knapp 25.000 Besucher zählt. Vor allem für die ersten Jahre ist Stanko aber optimistisch. Danach werde es erfahrungsgemäß neue Ideen brauchen, um die Besucherzahl zu halten, räumt er ein.

Etwa 70 Personen unterstützen nach seinen Worten das Museum, darunter auch aktive Feuerwehrleute. Private und öffentliche Leihgeber stellen Fahrzeuge zur Verfügung. Die örtliche Feuerwehr sei dem Projekt freundschaftlich verbunden. Auch der bayerische Landesfeuerwehrverband stehe dahinter, so Stanko. Wer sich im Verein und für das Museum engagieren will, ist hoch willkommen. "Wir sind weiter auf der Suche nach Mitgliedern, die mithelfen." Interessenten können sich jeden Samstagvormittag melden.

Zunächst werde man den täglichen Museumsbetrieb mit ehrenamtlichen Kräften bestreiten, so Stanko. Neben dem Ticketverkauf soll vor allem der geplante Museumsshop die Einkünfte bringen, die nötig sind, um den Museumsbetrieb zu finanzieren. Ein monatlicher Zuschuss von der Stadt, zu dessen Höhe Stanko nichts sagen möchte, ist beantragt. Schließlich sei das Museum ja auch werbewirksam für die Stadt, gehen Besucher in Waldkraiburg einkaufen und Kaffee trinken. Allerdings, so stellt er klar, "würde das Projekt auch ohne städtische Mittel nicht scheitern".

Eröffnet soll das Museum im Frühling 2012 im ehemaligen Krone-Baumarkt werden, den der Verein angemietet hat. Für die geplante Erweiterung um das benachbarte ehemalige Aldi-Gebäude sieht Stanko gute Chancen. Den Verbindungsbau zwischen den beiden Gebäuden will die Betreibergesellschaft, eine gemeinnützige GmbH, die sich in Gründung befindet, mit Hilfe eines privaten Investors errichten.

Das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst muss die Stadt die baurechtlichen Voraussetzungen für das Museumsprojekt schaffen und entsprechende Änderungen im Flächennutzungsplan und Bebauungsplan vornehmen, was - wie Bürgermeister Siegfried Klika signalisiert hatte, keine große Hürde darstellt. Einen Antrag auf Umnutzung des Baumarktes werde man noch im April einreichen, kündigt Stanko an.

hg/Mühldorfer Anzeiger

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