"Entschädigung für Belästigungszeit?"

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Waldkraiburg - Seit Montagabend wird in Waldkraiburg gebohrt - die Anwohner sind deshalb teilweise sehr kritisch. Bürgermeister Klika: "Hier entsteht Infrastruktur".

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"Wir haben in Bayern eines der strengsten Emissionsschutzgesetze. Wir in Waldkraiburg machen alles, was möglich ist, um Belästigungen zu vermeiden", sagte Bürgermeister Siegfried Klika beschwichtigend zu den skeptischen Anwohnern beim Infoabend an der Bohranlage (wir berichteten). "Hier entsteht Infrastruktur, da muss man eine gewisse Beeinträchtigung hinnehmen."

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Geothermie Waldkraiburg

Ein besorgter Vater fragte nach einer möglichen Entschädigung für die Belästigungszeit - für den Fall, dass seine Kinder, oder etwa Schichtarbeiter nicht mehr schlafen können, aber am nächsten Tag Leistung bringen müssen. "Bekommen wir das Wasser in dieser Zeit umsonst von den Stadtwerken?", so seine Frage. Martin Auer aus der Johann-Sebastian-Bach-Straße, die direkt über der Bohranlage verläuft, fügte hinzu, man sei schon durch die Kläranlage nicht sonderlich begünstigt. Eine weitere Anwohnerin: "Wir hatten ja keine Wahl".

Stadtwerkechef Norbert Weigl und Dr. Norbert Baumgärtner, der das Projekt Geothermie in Sachen Marketing betreut, antworteten geduldig auf alle Fragen und sprachen von einer abstrakten Entschädigung für alle Waldkraiburger. Man werde für Jahrzehnte eine unabhängige Wärmeversorgung haben.

Die Belästigungszeit sei laut Baumgärtner relativ überschaubar - für den Preis, eine günstige und regenerative Energiequelle zu bekommen. "Geothermie-Wärme liegt unter dem Gaspreis und ist unabhängig von ausländischen Öl- und Gaslieferanten", so Baumgärtner. "Das ist Ihre Entschädigung. Und die Belästigung werden Sie als nicht mehr als normalen Baustellenlärm empfinden", versuchte er die Bürger zu von den Vorzügen des kommunalen Wärmeprojektes zu überzeugen.

Klika verspricht den Anwohnern: "Wenn es wirklich Probleme gibt, hocken wir uns zusammen." Damit gaben sich einige zufrieden. Nicht aber Martin Auer, der immer mal wieder in Kontakt mit dem Bergamt Südbayern stand, weil er der städtischen Infopolitik nicht so recht trauen mag, wie er auch beim Infoabend zeigte.

Er kritisierte, dass die Bürger nicht über den Unterschied zwischen Brutto- und Nettobohrzeit aufgeklärt wurden. Das Einrichten der Baustelle zur Vorbereitung der Bohrung in der Nacht oder an Wochenenden habe man nicht ausdrücklich angekündigt.

"Eine Rund-um-die-Uhr-Bohrung ist Zwang", sagte Baumgärtner und erklärte, dass man so ein Projekt nicht schon Jahre im Voraus bis ins Detail voraussagen und kommunizieren könne. Geologe Professor Goldbrunner erklärte, dass er an der Baustelle Verzögerungen gab, "die auch nicht un unserem Sinne lagen." Zur Infofahrt nach Zürich, die den Anwohnern im Winter angeboten wurde, bemerkte er, dort habe man lautes Arbeiten mitbekommen. "Da wurde Bohrgestänge gezogen, das ist eine verhältnismäßig laute Angelegenheit." Goldbrunner antwortete damit auf die Spitze Auers, in Zürich sei damals nicht gebohrt worden.

Bei der Abnahme am vergangenen Freitag durch das Bergamt Südbayern wurde bemängelt, dass die Handläufe an den Treppen der Bohranlage kantig waren. Mit dieser Anlage sei so aber schon zweimal gebohrt worden. "Jetzt sollten die Handläufe plötzlich rund sein, dadurch wurde auch nachts geflext, um das Zeitfenster einzuhalten", so der Professor.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © kla

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