Entlastung für pflegende Angehörige

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Viel Einfühlungsvermögen braucht es bei der Betreuung von Demenzkranken. Diese Erfahrung machen auch Brigitte Pröger und Helga Schieb (von rechts) vom ehrenamtlichen Betreuerkreis der Caritas, hier im Gespräch mit Kreisgeschäftsführer Herbert Späth.

Waldkraiburg - Ältere Menschen, die dement sind, bringen pflegende Angehörige oft psychisch und physisch an ihre Grenzen. Da ist es gut, wenn die Angehörigen die Möglichkeit haben, sich auch Mal eine kurze Auszeit zu gönnen.

Engagierte Ehrenamtliche besuchen die Demenzkranken zu Hause und sorgen dafür, dass sie ein bisschen Abwechslung haben und ihre Angehörigen entlastet werden. Es ist eine Aufgabe, die nicht immer einfach ist. Der Umgang mit Demenzkranken erfordert viel Einfühlungsvermögen. "Man muss sich selbst ganz und gar zurücknehmen", berichtet Brigitte Pröger. Sie war bis zu ihrer Rente bei der Stadtverwaltung tätig und wollte auch im Ruhestand "gebraucht werden", wie sie sagt. Dass die Betreuung von Demenzkranken auch noch "eine sehr sinnvolle Beschäftigung ist", macht die Sache einfacher. Helga Schieb ist gelernte Altenpflegerin und hat sich ebenfalls der Betreuung von Demenzkranken "verschrieben". Für sie ist es "das schönste Geschenk", wenn sie "die kleinen Fortschritte sieht, die die Betreuten machen".

Die beiden engagierten Damen gehören zu einer Gruppe von zwölf Frauen, die vor zwei Jahren von der Caritas für diesen ehrenamtlichen Helferkreis ausgesucht wurden. 20 Interessenten habe es damals gegeben, erinnert sich Kreisgeschäftsführer Herbert Späth. 13 seien dann ausgewählt worden. Sie bekamen zunächst eine 40-stündige Ausbildung, bevor sie sich im Rahmen des Betreuungsdienstes um "Personen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer, Zustand nach Apoplex" kümmern sollten. "Wir haben einiges über das Krankheitsbild gelernt, über den Umgang mit Demenzkranken, was man tun kann", erinnert sich Brigitte Pröger. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass "man ganz unvoreingenommen an die Betreuten herangehen muss". Sie brauchen sehr viel Zuwendung, sich selbst müsse man ganz und gar zurücknehmen. Sonst reagieren die Patienten ängstlich oder sogar aggressiv. Das haben die beiden Damen bereits erlebt. Doch wenn man den Zugang zu dem Betreuten gefunden habe, dann gebe das ein tiefes Gefühl der Befriedigung. Man bekomme Dankbarkeit und Zutrauen zurück. Allerdings sei viel Einfühlungsvermögen nötig, da man mit jedem Betreuten anders umgehen müsse. Durch diese ehrenamtliche Tätigkeit hätten sie auch noch viel dazugelernt. Darin sind sich Brigitte Pröger und Helga Schieb einig. So werde man dankbarer, lebe mehr im heute und lerne auch mit dem Tod umzugehen. Schließlich betreue man ja den jeweiligen Patienten bis zu dessen Tod.

Deshalb ist es wichtig, dass man einerseits ein gutes Verhältnis zu den Betreuten und ihren Angehörigen aufbaut, aber auch die nötige Distanz beibehält. Schließlich sollen die ehrenamtlichen Betreuer die möglichen Sorgen, Ängste und Nöte ihrer Patienten nicht in ihr eigenes Umfeld mitnehmen und auch noch ruhig schlafen können.

Deshalb trifft sich der gesamte Helferkreis auch einmal im Monat. "Dort gibt es immer einen intensiven Gedankenaustausch", berichtet Helga Schieb. Kreisgeschäftsführer Herbert Späth ergänzt, dass der Helferkreis zudem durch Maria Hauptfleisch professionell geleitet werde. Die Erfahrungen der ehrenamtlichen Betreuer zeigt, dass sich durch ihr Engagement die Lebensqualität für die Betreuten verbessert. Sie bedauern, dass nicht mehr Menschen ihre Dienste in Anspruch nehmen.

Informationen für Pflegebedürftige

Pflegebedürftige haben laut einer Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch das Recht, einen Antrag auf zusätzlichen Betreuungsaufwand bei der Pflegekasse zu stellen. Nach einer Begutachtung des Betreuten durch den medizinischen Dienst, der den Grad der Demenz feststellt, stehen dem Pflegebedürftigen und seinen Pflegepersonen zwischen 100 und 200 Euro zur Verfügung, um die Betreuungsstunden zu finanzieren. Die Betreuung kostet pro Stunde 16,32 Euro. Nähere Infos und Koordination bei Maria Hauptfleisch, Telefon 08638 / 2075.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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