"Engmaschiges Kontrollnetz"

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"Die meisten Menschen wollen Fleisch essen, aber viele wollen nicht wahrhaben, dass man dafür Tiere schlachten muss", sagt der amtliche Tierarzt Franz Hirl. Der Leiter der fleischhygienischen Untersuchungsstelle des Landkreises im Schlachthof kontrolliert mit seinen Kollegen auch die Einhaltung des Tierschutzes, der im Waldkraiburger Betrieb ein hohes Niveau habe...

Waldkraiburg - Die amtlichen Veterinäre des Landkreises, das interne Qualitätsmanagement und Kontrollen durch externe private und staatliche Prüfer garantieren im Südfleisch-Schlachthof in Waldkraiburg ein hohes Tierschutzniveau.

Das betont das Unternehmen, das zur Vion-Food- Gruppe gehört. Vorwürfe, die bei einer Demonstration von Tierschützern vor dem Schlachthof erhoben wurden (wir berichteten), werden scharf zurückgewiesen.

"Die meisten Menschen wollen Fleisch essen, aber viele wollen nicht wahrhaben, dass man dafür Tiere schlachten muss", sagt der amtliche Tierarzt Franz Hirl. Der Leiter der fleischhygienischen Untersuchungsstelle des Landkreises im Schlachthof kontrolliert mit seinen Kollegen auch die Einhaltung des Tierschutzes, der im Waldkraiburger Betrieb ein hohes Niveau habe...

"Entsetzliche Tierquälerei" in Schlachthöfen hatte ein Demonstrant, der früher unter anderen im Waldkraiburger Schlachthof beschäftigt war, bei der Demonstration angeprangert, von Schweinen gesprochen, die noch lebendig in Brühmaschinen sterben, und Rindern, die am lebendigen Leib aufgeschlitzt würden, wenn der Bolzenschuss nicht funktioniere.

"Die Behauptungen sind in jeder Hinsicht falsch. Wir weisen sie aufs Schärfste zurück", sagt Gunnar Rohwäder, Pressesprecher von Vion Süd. Das Unternehmen behalte sich rechtliche Schritte gegen die "diffamierenden Äußerungen" vor.

Als nicht zutreffend weist auch der amtliche Tierarzt Dr. Franz Hirl, Leiter der fleischhygienischen Untersuchungsstelle im Schlachthof, die Vorwürfe zurück, die bei der Demo laut wurden. Bei einem Pressetermin informierte er zusammen mit Amtstierarzt Dr. Johann Maier, Leitender Veterinärdirektor am Veterinäramt im Landratsamt, über Tierschutz im Schlachthof und die Arbeit der amtlichen Tierärzte.

Mit fünf Kollegen und 24 Fleischkontrolleuren, die alle beim Landkreis angestellt sind, ist Hirl nicht nur für die Gewährleistung der Fleischhygiene zuständig. Diese Untersuchungsstelle hat ebenso zu überwachen, dass die Belange des Tierschutzes erfüllt werden.

...Sichergestellt werde dieses Niveau neben dem internen Qualitätsmanagement durch externe Kontrollen von Kunden und staatliche Stellen, so laut Klaus Erber, Leiter des Schlachthofes.

Das beginnt bei der Ankunft und beim Abladen der Tiere. Bei der Lebendbeschau wird auch kontrolliert, ob der Tiertransport ordnungsgemäß durchgeführt wurde, ob Rinder und Schweine "tierschutzrelevante Probleme" aufweisen, Knochenbrüche etwa. Verstöße werden an die Zuständigen Veterinärämter gemeldet und gegebenfalls weiterverfolgt, bis hin zur Einleitung von Ordnungswidrigkeits- oder gar Strafverfahren, wie Veterinäramtsleiter Maier erklärt. Das ist allerdings die Ausnahme. Durchschnittlich alle zwei, drei Monate komme es zu Fällen, die weiterverfolgt werden, schätzt Hirl.

Auf vergleichsweise kurze Transportwege verweist Klaus Erber, der Leiter des Schlachthofes. "70 bis 75 Prozent unserer Tiere kommen aus einem Umkreis von 130 Kilometern", von der VVG Oberbayern/Schwaben und der Erzeugergemeinschaft Mühldorf-Pfaffenhofen, der Rest von Viehhändlern, vor allem aus der Oberpfalz, so Erber. Der größte Anteil des ausgelieferten Fleisches - durchschnittlich rund 2000 Tonnen in der Woche - wird nach seinen Worten nach dem Gütesiegel "Qualität in Bayern" vermarktet. Transportzeiten unter vier Stunden sind dafür die Voraussetzung. Erber: "Je schonender die Tiere transportiert werden, umso höher ist die Fleischqualität."

Schonend und möglichst stressfrei sollen die Tiere auch nach ihrer Ankunft am Schlachthof behandelt werden. Bei Schweinen, die aufgeregt und unruhig ankommen, ist eine Ruhezeit von bis zu zwei Stunden vorgesehen, ehe sie in die Schlachtung gehen. Schon seit mehr als zehn Jahren wird im Waldkraiburger Betrieb die heute gängige Betäubungsmethode mit Kohlendioxid praktiziert.

20 Sekunden, nachdem die Tiere, jeweils zwei Schweine in einer Box, aus dem CO2-Bad kommen, muss der Entblutungsstich folgen, so die gesetzliche Vorgabe. Die zuständige Behörde, also das Veterinäramt im Landratsamt, kann davon unter bestimmten Voraussetzungen eine Abweichung zulassen und eine Verlängerung der Zeitspanne genehmigen.

Im Waldkraiburger Schlachthof wird laut Hirl das erste Schwein innerhalb dieser 20 Sekunden gestochen, das zweite wenige Sekunden später. Entscheidend sei, dass das Tier nach Betäuben und Entbluten nicht mehr zu Bewusstsein kommt, dass es weder Augenreflex noch Atmung zeige, so der Veterinär. Natürlich könne nicht jedes Tier daraufhin kontrolliert werden, räumt Hirl ein, bei durchschnittlich 600000 Schweinen, die im größten Schlachthof Bayerns jährlich in Akkordschlachtung verarbeitet werden. Aber es werde regelmäßig und stichprobenartig überprüft. Sämtliche Parameter, wie Bandgeschwindigkeit, Verweildauer der Tiere, CO2-Konzentration, werden zudem ständig angezeigt und automatisch aufgezeichnet.

Auf dieser Basis stellt der amtliche Tierarzt fest: "Wir haben kein fehlbetäubtes Schwein." Hirl kennt die Untersuchungen von Professor Klaus Tröger. Tröger ist kein militanter Tierschutzaktivist, sondern Leiter des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts für Sicherheit und Qualität bei Fleisch. Bis zu einem Prozent der Schweine sterben erst beim Überbrühen, schätzt der Experte nach seinen Untersuchungen. "Ich kann nichts über die Situation in anderen Schlachthöfen sagen", meint dazu Hirl. Für Waldkraiburg treffe Trögers Aussage definitiv nicht zu. "Wir sind bei Null Prozent angelangt."

Sogar bei bis zu sieben Prozent der Rinder, bei denen laut Gesetz höchstens eine Minute zwischen Bolzenschuss und Entblutungsschnitt vergehen darf, soll es laut Institutsleiter Tröger bei der Betäubung zu Fehlern kommen. "Fehlschüsse bei Rindern können passieren", sagt Franz Hirl. In diesen Fällen muss nachbetäubt werden. Zweifelsfrei lasse sich später am enthäuteten Kopf des Rindes feststellen, wenn es nicht ordnungsgemäß betäubt war. Hirl stellt klar: Ein offensichtlicher Verstoß gegen diese Vorschrift habe sich letztmals vor über zehn Jahren ereignet. Er habe damals ein Hausverbot für den Mitarbeiter erwirkt.

Der Veterinär, der seit 14 Jahren im Schlachthof arbeitet, hat den Eindruck, dass sich bei den Mitarbeitern die "Sensibilität" für diese Tierschutz-Problematik in den vergangenen Jahren "extrem erhöht" habe.

Das Unternehmen macht dafür nicht zuletzt spezielle Mitarbeiterschulungen verantwortlich. "Weit über die gesetzlichen Anforderungen zum Tierschutz am Schlachthof hinaus" stellen die Betriebe der Vion Gruppe laut Pressesprecher Gunnar Rohwäder "ein möglichst optimales Tierschutzniveau" sicher.

Rohwäder verweist auch darauf, dass der Konzern Vertretern des Rubner-Instituts an seinem Standort Crailsheim die tierschutzgerechten Betäubungsabläufe bei der Schlachtung präsentiert habe. Professor Tröger habe das Vion-System bei den gegebenen Bandgeschwindigkeiten als "gut bewertet".

Bei unangemeldeten Kontrollen durch eine erst vor wenigen Jahren gegründete Task Force des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sei der Schlachthof in Waldkraiburg, der dreimal begutachtet wurde, als "vorbildlich erachtet" worden, sagt der amtliche Tierarzt; dies gelte gerade auch im Hinblick auf die Betäubung der Tiere.

Auch Großkunden, wie etwa McDonalds, legen zunehmend Wert auf die Belange des Tierschutzes und überprüfen die Einhaltung der Standards in angemeldeten und nicht angemeldeten externen Kontrollen, berichtet Klaus Erber. Tierschutz werde groß geschrieben; so wie bei der Gewährleistung der Fleischqualität und -hygiene sei ein engmaschiges Kontroll- und Überwachungsnetz geknüpft worden.

Es geschehe alles, um den Schlachttieren vermeidbare Leiden zu ersparen, sagt Veterinär Franz Hirl. Und: "Die meisten Menschen wollen Fleisch essen, aber viele wollen nicht wahrhaben, dass man dafür Tiere schlachten muss."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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