Das Ende einer sadistischen Beziehung

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Mühldorf/Aschau - Eine "üble Geschichte" nannte Jugendrichter Heinrich Ott die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Angeklagten und seiner Exfreundin.

Der 22-Jährige stand unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht.

Warum die junge Frau, die als Nebenklägerin auftritt, fünf Jahre bei dem Mann blieb, der sie demütigte, schlug und wie Dreck behandelte, wird in der Verhandlung nicht klar. Jugendrichter Heinrich Ott will es gerne verstehen. Die kleine Blondine hat viel mitgemacht mit ihrem Exfreund. Wegen drei gravierender Vorfälle stand der jetzt 22-Jährige vor Gericht.

Teilnahmslos sitzt er neben seinem Verteidiger Jörg Zürner, ist wortkarg und quittiert manche Fragen Otts mit einem Schulterzucken. Nur eines stellt er klar: Nichts von dem, was man ihm vorwerfe, sei wahr. Es handle sich um einen Racheakt der Ex.

Der Aschauer soll seine gleichaltrige Exfreundin im Sommer 2008 brutal die Treppe in seinem Elternhaus runter gestoßen haben. Die junge Frau brach sich einen Lendenwirbel, musste wegen der Bewegungseinträchtigung ihre Lehre als Friseurin abbrechen und hat heute noch Schmerzen. Anstatt sich nach dem Vorfall richtig um sie zu kümmern und auf einen Besuch in der Notaufnahme zu bestehen, lieferte er sie auf ihren Wunsch - sie war völlig verstört - bei ihrer Mutter ab und fuhr seelenruhig mit Freunden in die Therme Erding zum Baden.

Er erzählt eine andere Sturzversion. Nach einem Streit sei sie aufdringlich gewesen und er habe sie von der Couch geschubst, wobei sie mit dem Rücken gegen einen Stuhl geprallt sei.

Ein anderes Mal wollte er von ihr Sex, sie wollte nicht. Da fesselte er sie mit einer Schnur an Hand- und Fußgelenken und damit sie nicht schreien konnte, stopfte er ihr eine Tennissocke in den Mund. Die junge Frau muss als Zeugin aussagen. Immer wieder wird sie von Weinkrämpfen geschüttelt, was die Vernehmung erschwert. Noch heute seien Narben an den Fesselstellen zu sehen, was der medizinische Sachverständige dem Gericht bestätigt.

"Ich bekam keine Luft und geriet in Panik", berichtet das Opfer unter Schluchzen. Durch das Adrenalin konnte sie die Fesseln zerreißen, die ihr schon ins Fleisch schnitten. Der Angeklagte soll nur dabei gestanden und gegrinst haben. Anschließend habe sie sich nur das Blut abgewaschen und er sei mit dem Auto weggefahren. Erst am nächsten Tag habe sie ihre Mutter gebeten, sie abzuholen und erzählte nur von einem Streit, nicht aber von der Fesselung. "Ich wollte nicht, dass sie die Polizei einschaltet."

Der dritte gemeldete Vorfall läuft unter Freiheitsberaubung. Beim Bikerfest in Taufkirchen im Sommer 2008, als schon Schluss war zwischen den beiden, hat er sie ins Auto gezerrt und im Wagen eingesperrt und mitgenommen, erst später soll er sie wieder frei gelassen haben. An diese Szenerie will er sich nicht mehr erinnern können.

Verteidiger Zürner versucht ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben, bis es Ott zu bunt wird. Die Verhandlung zieht sich fast sechs Stunden. In der Pause wird ziemlich unspektakulär einen Deal geschlossen. Der Angeklagte gibt den lebensgefährdenden Treppenstoß zu, der Rest fällt unter den Tisch. Keine Reue, keine Entschuldigung. Dabei hat er sie mit dem brutalen Stoß in "akute Lebensgefahr" gebracht, so der Gutachter.

Weil der 22-Jährige 2009 bei einem Einbruchsdiebstahl geschnappt wurde, gibt es eine Gesamtstrafe nach dem Erwachsenenstrafrecht: ein Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt und 1500 Euro muss er an das Franziskushaus Au zahlen.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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