Eine Idee revolutioniert den Steinmetzberuf

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Steinmetzmeister Karl Paul mit seinem patentierten Transportroller. Er wird die Arbeit von Steinmetzen ziemlich erleichtern. Mühsames Schleppen von Grabsteinen gehört damit der Vergangenheit an.

Waldkraiburg - Die Idee von Steinmetzmeister Karl Paul kann den Steinmetzberuf revolutionieren. Seit 50 Jahren hat sich bei Steinmetzen an der Transporttechnik nichts geändert.

Wenn ein Grabstein fertig ist, muss der rund 400 Kilogramm schwere Stein mit viel Muskelkraft auf einen Transportwagen gehievt werden, dann zu der Grabstelle gefahren und mit ebenso viel Kraftaufwand dort aufgestellt werden.

Drei Mann sind im Normalfall nötig, um das zu bewältigen. Dieses Verfahren hat Karl Paul, Steinmetzmeister aus Waldkraiburg, schon immer gestört. "In Industriebetrieben wird überall modernisiert und technisiert, nur bei der Friedhofsarbeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert", so Paul. Schwerste körperliche Arbeit sei hier an der Tagesordnung.

Da Karl Paul davon auch selbst betroffen ist, war ihm das schon lange ein Dorn im Auge und er hat nach einer Lösung gesucht. Und er hat es geschafft: Beinahe zwei Jahre hat er getüftelt, konstruiert gebaut, wieder verworfen und erneut gebaut.

Doch jetzt ist er serienreif. Der Transportroller mit Elektroantrieb. Dieser Transportroller hat das Zeug, die Arbeit von Steinmetzen maßgeblich zu erleichtern. Er bietet aber darüber hinaus eine Vielzahl anderer Einsatzmöglichkeiten. Der Kreativität sind hier beinahe keine Grenzen gesetzt.

Die Idee hat auch die Handwerkskammer auf den Plan gerufen. "Eines Tages läutete das Telefon und ein Mitarbeiter der Handwerkskammer meinte, er hat gehört, dass bei mir etwas Ungewöhnliches zu besichtigen ist", erinnert sich der Waldkraiburger Steinmetz. Eine Delegation ist dann nach Waldkraiburg gekommen, hat sich hier den Prototypen angesehen und war "von der Idee mehr als begeistert". Das hat dazu geführt, dass Karl Paul bei der Handwerksmesse in München seinen Transportroller am Stand des Freistaates Bayern ausstellen durfte und darüber hinaus mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurde.

Wenn man den Transportwagen anschaut, sieht er nicht wie ein High-Tech-Gerät aus. Doch bei näherer Betrachtung birgt er so manche technische Schmankerl. Entwickelt hat ihn Karl Paul aus dem Transportwagen, den es schon immer bei den Steinmetzen gegeben hat. Er hat ihn, vereinfacht ausgedrückt, mit einer Hydraulik sowie einem Elektromotor ausgestattet. Dadurch kann der Steinmetz den senkrecht stehenden Grabstein aufnehmen und ohne große körperliche Anstrengung mit der Hydraulik in die Horizontale umlegen. Mit Hilfe des Elektromotors, der ein Antriebsrad vorwärts oder rückwärts antreibt, kann der Grabstein dann ohne Mühe transportiert werden. Die Hydraulik sorgt dann dafür, dass der Grabstein ohne Kraftanstrengung wieder aufgestellt werden kann.

Mit Hilfe von Fotovoltaik wird die Batterie für den Elektromotor wieder aufgeladen.

Was sich jetzt so einfach anhört, ist das Ergebnis von zahlreichen Überlegungen, Planungen, aber auch Rückschlägen. So war es beispielsweise eine große Herausforderung, das Antriebsrad so zu konzipieren, dass die Kraft auch dorthin übertragen wird. Hier saß Karl Paul oft nächtelang in seiner Werkstatt und hat mit Besenstiel, Meterstab und Wasserwaage ausprobiert und konstruiert.

Beinahe zwei Jahre waren es, bis sein Transportroller Serienreife hatte und vom TÜV abgenommen wurde. Beinahe genauso lange hat er aber auch gebraucht, um sich die dazugehörigen Patente zu sichern. In dieser Zeit hat er auch in etwa den Wert eines Oberklassewagens investiert.

Jetzt wird sein Transportroller in Serie in Österreich hergestellt. Karl Paul hat sich außerdem einen Partner aus Norddeutschland gesucht, der sich um den Vertrieb kümmern soll. Rund 12500 Steinmetze gibt es in Deutschland; und die gehören praktisch zu seinem potenziellen Kundenkreis.

Bei der Handwerksmesse sprach ihn aber auch ein großer Glaserbetrieb aus Bremen an, der eine Transportmöglichkeit für die großen und schweren Glasscheiben sucht. Hier hat Karl Paul auch kurzerhand eine Lösungsmöglichkeit gefunden. Sogar von der Bundeswehr hat er einen Anruf bekommen. Sie interessieren sich ebenfalls für seinen Transportroller; allerdings hat Karl Paul keine Vorstellung, für was er dort eingesetzt werden soll.

hsc/Mühldorfer Anzeiger

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