Ein Discountmarkt zu viel?

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Früher ein Autohaus, künftig ein Discountmarkt? Die Pläne des Grundstückseigentümers für das gut 4000 Quadratmeter große Areal an der Aussiger Straße sieht Bürgermeister Siegfried Klika skeptisch. Er fürchtet eine Überversorgung und neue Leerstände.

Waldkraiburg - Seit Jahren steht das ehemalige Autohaus an der Aussiger Straße leer. Jetzt will "Netto" dort einen Einkaufsmarkt betreiben.

Bei der Stadt rennt Grundstückseigentümer Leonhard Weinberger mit diesem Vorhaben aber keine offenen Türen ein. Bürgermeister Klika befürchtet eine Überversorgung und in der Folge neue Leerstände.

Das gut 4000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem viele Jahre ein Autohaus betrieben wurde, liegt seit längerer Zeit im Dornröschenschlaf. Nur kurz war der von einem Küchen-Studio unterbrochen worden, das aber ebenfalls wieder absiedelte. Seitdem stehen die Gebäude leer und werden davon nicht ansehnlicher. Wie Eigentümer Leonhard Weinberger mitteilt, habe es deshalb bereits Beschwerden von Nachbarn gegeben.

Gemeinsam mit der Stadtmarketing Waldkraiburg GmbH habe er versucht, das Grundstück zu entwickeln und nach anderen Nutzungsmöglichkeiten gesucht. Diese Kooperation sei aber ohne Erfolg geblieben. Jetzt hat der Geschäftsmann selbst einen Interessenten aufgetan.

Die Discountkette Netto will an dieser Stelle einen 800 Quadratmeter großen Einkaufsmarkt betreiben. Das bestätigt das Unternehmen gegenüber der Zeitung. Weil sich südlich der Graslitzer Straße kein Markt befindet, sehe Netto für einen Nahversorgungsmarkt ein Einzugsgebiet von bis zu 5000 Einwohnern im Umfeld, sagt Weinberger nach Gesprächen mit der Expansionsabteilung der Discountkette. Gerade für die vielen Senioren im Umfeld sei ein Markt dieser Art in der Nähe von Vorteil. Der Flächennutzungsplan, der das Areal als Gewerbegebiet ausweist, steht einer Ansiedlung eines Netto-Marktes nicht entgegen. Laut Weinberger könnten 68 Parkplätze ausgewiesen werden.

Bei Siegfried Klika, den Weinberger von den Plänen informiert hat, stößt das Vorhaben allerdings auf Skepsis. Der Bürgermeister fürchtet eine Überversorgung mit Lebensmittelmärkten im Stadtgebiet. Derzeit gibt es neben dem Kaufland und dem Edeka im Super 2000 einen Aldi-, vier Pennymärkte, einen Norma- und einen Netto-Markt in der Stadt. "Wir haben bereits eine hervorragende Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs in Waldkraiburg", sagt Klika. Er verweist auf die Kritik, die es im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Marktzentrums auf dem Kaufhallen-Areal gab, weil dort auch ein Edeka und eine Norma einziehen. Zudem gebe es an der Bayernbrücke ebenfalls Baurecht für einen Einkaufsmarkt. Klika erinnert in diesem Zusammenhang auch an ein Vorhaben im Industriegebiet nördlich der Daimlerstraße, das die Stadt aus den genannten Gründen abgelehnt habe.

"Irgendwann hält die Kaufkraft nicht mehr mit", meint der Bürgermeister und fürchtet in der Folge Leerstände an anderer Stelle im Stadtgebiet. "Wir werden uns die Sache genau anschauen müssen", so Klika, der die Bauanfrage im nichtöffentlichen Teil der Bauausschuss-Sitzung am kommenden Mittwoch behandeln will.

Leonhard Weinberger ist von der skeptischen Haltung Klikas enttäuscht. Er will die Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich trage das Unternehmen das wirtschaftliche Risiko. Die Stadt könne doch nur froh sein, dass ein unschöner Leerstand auf diese Weise beseitigt wird. Nach seinen Worten will Netto den bestehenden Markt an der Adlergebirgsstraße nicht aufgeben und durch den neuen Standort ersetzen. Der Mietvertrag für den bestehenden Markt laufe noch bis 2015.

hg/Mühldorfer Anzeiger

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