"Eher gespaltenes Verhältnis zu Europa"

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Diskutierte beim Europatag mit Zehntklässlern aktuelle Punkte zur Europapolitik: MdB Stephan Mayer.

Waldkraiburg - Am Europatag machte sich Stephan Mayer auf den Weg ins Gymnasium und diskutierte dort mit Zehntklässlern über Europa. Nicht jeder sieht den Kontinent in einem guten Licht.

"Beim Grand Prix am Wochenende waren wir plötzlich alle Europäer. Ansonsten haben aber die Menschen ein eher gespaltenes Verhältnis zu Europa", sagte Lehrer Werner Paukner beim Europatag am Gymnasium, zu dem MdB Stephan Mayer eingeladen wurde.

Der Bundestagsabgeordnete brachten den Schülern der zehnten Klassen Fakten zum Thema Europa näher und diskutierte mit ihnen die aktuellen Nachrichten, etwa die Griechenland-Hilfe und die Rettungs des Euro.

Was bedeutet Europa eigentlich und wie viele gehören dazu? Letzteres glaubt eine Schülerin zu wissen. "Es sind 43 Länder in der EU", sagt sie und erklärt, das habe sie der Teilnehmerliste beim Eurovision Songcontest, dem Grand Prix, entnommen. Da schmunzelt Mayer und erklärt, dass beim Grand Prix viel mehr Länder mitmachten, als nur die, die in der EU sind oder zu Europa gehören und verweist auf den Gewinner Aserbaidschan.

Mayer: Aus ursprünglich sechs Gründungsländern seien nun 27 Mitgliedsstaaten geworden, nun wollen Kroatien, Island und etwa Marokko dazu gehören.

Das Europa-Parlament habe 736 Abgeordnete, rund ein Drittel davon seien Frauen. Meist gehe es um die Vertretung von nationalen Interessen, so der MdB, und sagt, dass sich die "häre Friedens- und Wertegemeinschaft" weiterentwickelt habe zu einer Interessensgemeinschaft. Jedes Land habe das Ziel, möglichst viel von Europa zu profitieren.

Beim Thema Euro-Rettungsschirm sagten die Schüler "Deutschland muss immer zahlen" und die Empfänger seien "Schnorrer" - etwa die Griechen. Schließlich tun die zu wenig, um sich zu sanieren. "Die Güte Europas ist irgendwann erschöpft", findet ein Zehntklässler.

Mayer stimmt zu, allerdings sei es im Interesse der Exportnation Deutschlands den Euro zu retten, 60 Prozent des Exports gehen in die EU. Bei der Rückkehr zu alten Währungen werde die D-Mark aufgewertet, andere Währungen abgewertet. Der Nachteil: diese Länder müssen für deutsche Exportgüter sehr viel mehr Geld bezahlen und das ist schlecht für den Export. Laut Mayer gibt es keinen "Königsweg". Griechenland habe ein Staatsvermögen von 150 Milliarden Euro, ein Teil davon müsse privatisiert und zur Tilgung verwendet werden.

Die Gefahr des Lohndumpings sehen die Schüler durch die neue Arbeitnehmerfreizügigkeit. Mayer gab ihnen Recht, verwies aber auch auf die Möglichkeiten. Etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich mangle es an Arbeitskräften, da sei die Facharbeitermigration aus dem Osten eine Chance für die deutsche Wirtschaft.

Uneins war man sich über die Frage, ob die Türkei Mitgliedsland werden soll. Mayer sagte, nur drei Prozent des Landes liegen auf dem europäischen Kontinent, 97 Prozent auf den asiatischen, was aber ein "kleinkariertes Gegenargument" sei.

Ein Schüler meinte, die Türkei wolle Zypern nicht akzeptieren und habe dort Truppen stationiert. Diesen Punkt hält Mayer für die Beitrittsverhandlungen "für nicht tragbar". Außerdem haben alle anderen EU-Länder eines gemeinsam: die christlich-abendländisch-jüdischen Wurzeln. Die Türkei habe das nicht.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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