Diskussion um Ortsrandgrün

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Waldkraiburg - Fünf Meter Ortsrandeingrünung schreibt der Bebauungsplan westlich und nördlich des Baugebietes Erasmus-Ost vor.

Weil sie dadurch die Nutzung ihrer Grundstücke beeinträchtigt sehen, fordern Eigentümer die Streichung der Grün-Zone. Der Bauausschuss beschloss nach kontroverser Debatte, das Verfahren für eine Änderung des Bebauungsplanes einzuleiten.

20 der 32 Parzellen im Baugebiet "Erasmus-Ost" sind verkauft, 18 davon bereits bebaut. Und 17 der 18 Grundstücksbesitzer haben vor wenigen Wochen, nachdem ein städtischer Baukontrolleur auf sechs Parzellen beanstandet hatte, einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes gestellt. Ihr Ziel: Die darin vorgeschriebene Ortsrandeingrünung muss weg! Wie aus dem Schreiben hervorgeht, das Angela Hartinger-Hirn, die Leiterin der städtischen Bauabteilung, im Ausschuss vorlas, argumentieren die Anlieger mit der starken Einschränkung bei Nutzung und Gestaltung der Grundstücke. Diese führe zu einer Wertminderung. Und die Bewohner des Baugebietes fühlen sich durch die Zone vom Ort Erasmus abgegrenzt. Hartinger-Hirn erläuterte die Bedeutung von Ortsrandeingründungen. Diese haben die Funktion, Bebauung und landwirtschaftlich genutzte Fläche voneinander abzugrenzen, einen sanften Übergang zum Naturraum und eine Pufferzone zum Schutz der Gartennutzung zu schaffen. Eben darum ist es nach ihren Worten bei der Planung für das Baugebiet in St. Erasmus gegangen. Zwar sind innerhalb des fünf Meter breiten Grünstreifens, der noch bepflanzt werden muss, keine baulichen Anlagen erlaubt. Denkbar sei aber eine Gartennutzung, das Aufstellen von Sandkästen, Schaukeln, Rutschen, Spielhäuschen oder aufblasbaren Swimmingpools.

Wie die Abteilungsleiterin weiter ausführte, wird die Streichung der Ortsrandeingrünung von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt als "sehr negativ für Landschaft und Ortsbild eingestuft" und aus städtebaulichen Gründen grundsätzlich abgelehnt. Zumindest seien Ausgleichsflächen zu schaffen, die aber den Schaden für das Ortsbild nicht kompensieren.

Köhr: Eingrünung ist eine Posse

Die von der Verwaltung vertretene Position, den Antrag auf Bebauungsplanänderung aus den genannten Gründen abzulehnen, war im Ausschuss allerdings nicht mehrheitsfähig. Allen voran Stadträtin Eva Köhr unterstützt das Anliegen der Antragsteller. Mit dem Grünstreifen gehen den Eigentümern etwa hundert der 500 Quadratmeter Grundstücksfläche für die Nutzung verloren. Das Baugebiet trenne nur ein kurzes Stück Wiese vom Ort St. Erasmus. "Da braucht man keine Eingrünung." Aus ihrer Sicht sei dies "eine Posse", so Köhr wörtlich.

Ihr CSU-Fraktionskollege Anton Sterr erinnerte daran, dass nach den ursprünglichen Planungen links und rechts des bebauten Areals weitere Baugebiete entstehen sollten. Er verstehe, dass die Leute ihr Grundstück nutzen wollten. Sterr sprach sich dafür aus, den Bürgern entgegenzukommen, entweder in einem Kompromiss oder in der Freigabe. Georg Ledig verwies auf das städtische Ziel, junge Familien nach Waldkraiburg zu bringen, und forderte Flexibilität, um diesen jungen Familien gerecht zu werden. Gegen die Streichung der Begrünung ist SPD -Stadtrat Gerd Ruchlinski. Ganz bewusst habe man sich bei der Aufstellung des Bebauungsplanes für die Ortsrandeingrünung entschieden.

Ruchlinski: Eigentümer wussten Bescheid

"Die Grundstückseigentümer wussten darüber Bescheid." Und der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz setzte hinzu, das es "überhaupt keinen Sinn" mache, auf den Grünstreifen zu verzichten und woanders Ausgleichsflächen zu schaffen. Die Begrünung habe ja gerade die Funktion, die früher Feldhecken in der Landschaft hatten. Ruchlinskis Fraktionskollege Andreas Knoll regte an, sich die Sache vor Ort anzuschauen und erst in der nächsten Sitzung über den Antrag zu entscheiden. Eine Meinung, die auch CSU-Stadtrat Rainer Zwislsperger unterstützte.

Doch Bürgermeister Siegfried Klika wollte den Punkt nicht absetzen, sondern ins Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes eintreten. Auf dem Weg werden die Träger öffentlicher Belange abgefragt. "Dann hören wir die offiziellen Stellungnahmen und können sie diskutieren." Auch die Frage, wer gegebenenfalls die Kosten für die Ausgleichsflächen trägt, ist nach seinen Worten im Verfahren zu klären. Ein wichtiger Gesichtspunkt für Klika: Noch gibt es den vorgeschriebenen bepflanzten Grünstreifen nicht. "Gäbe es bereits eine schöne Eingrünung, dann wäre die Situation anders." Andreas Knoll fürchtet, dass mit dem Beschluss, ein Änderungsverfahren einzuleiten, nach allen Erfahrungen bereits die Weichen für die Änderung gestellt sind. Er stimmte wie seine beiden Fraktionskollegen im Ausschuss dagegen, die CSU-Mehrheit, UWG-Stadtrat Schenk und Bürgermeister Klika dafür.

hg/Mühldorfer Anzeiger 

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser