Der "Zwack" und seine große Leidenschaft

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Der "Zwack" bei der Arbeit: Seit 35 Jahren flickt, näht und schustert er für den EHC Waldkraiburg. Keiner weiß mehr über die Geschichte des Waldkraiburger Eishockeys als Ludwig Meisinger.

Waldkraiburg - Unter seinem richtigen Vornamen - Ludwig - kennt ihn im Eisstadion kaum einer. "Zwack" Meisinger ist dagegen fast allen Eishockey-Fans ein Begriff.

Seit 35 Jahren sorgt er dafür, dass Waldkraiburger Eishockeyteams nicht wie eine abgerissene Truppe daher kommen, bessert Trikots und andere Ausrüstungsgegenstände aus. Und keiner weiß mehr über die Geschichte des Waldkraiburger Eishockeys als der 74-Jährige.

Schon 1971, als in der Kreisliga die Stunde null für das Waldkraiburger Eishockey schlug, war der gebürtige Töginger als interessierter Zuschauer dabei. Bis heute habe er kein Heimspiel der ersten Mannschaft versäumt, sagt er, um sich dann doch zu korrigieren: Im Herbst 2001 musste er nach einem Unfall eine Auszeit nehmen, kam - sobald es ging - mit Krücken ins Stadion.

Selbst hat der 1,60 Meter große Waldkraiburger, den seit der 5. Klasse Volksschule in Töging alle nur "Zwack" nennen, nie zum Schläger gegriffen. Er kann noch nicht mal Schlittschuhlaufen, sagt er. Aber sein Sohn spielte mit, als Mitte der 70er-Jahre die Löwen begannen, eine Nachwuchsabteilung aufzubauen.

Wer so nah dran ist an einem Sport, für den fällt in der Regel rasch eine ehrenamtliche Arbeit ab, wenn er sich nicht duckt. Meisinger, der 40 Jahre lang bei der Bekleidungsfabrik Konen arbeitete, war geradezu prädestiniert dafür, die Trikots, Stutzen und Handschuhe zu flicken, wenn was gerissen oder kaputt gegangen war. Im Schnitt drei Stunden pro Woche ist er seitdem während der Saison hauptsächlich für die erste Mannschaft tätig - seit 35 Jahren. Macht mindestens 300 Tage je acht Stunden. Eine Schusternähmaschine und eine Betriebsnähmaschine von Konen leisten ihm dabei gute Dienste.

Seine Arbeit ist gefragt. Waldkraiburgs Eishockeylegende Rainer Zerwesz hat ihm sogar Trikots geschickt, als er grade zu Düsseldorf gewechselt war. "Da war ein Buchstabe falsch reingemacht", lacht der "Zwack". "Ich hab die Ärmel gekürzt und mit dem Stück den Fehler ausgebessert."

Bislang hat der "Zwack" im Eisstadion gewerkelt. "Jetzt haben's me aus meim Kammerl rausgschmissn", bedauert er. Im Zuge der Veränderungen aufgrund der Brandschutzauflagen und Umbauten durch die Stadtwerke war kein Platz mehr für ihn. Dank Elsa Laschützä hat sich eine andere Lösung gefunden. Und so kann er weiter für seinen EHC nähen und flicken. "Das mache ich, weil ich Spaß dran habe", sagt er und vielleicht auch weil man beim EHC zu schätzen weiß, was der Verein am "Zwack" hat. Neben der Saisonkarte gibt es Aufmerksamkeiten zu Geburtstagen und an Weihnachten. Und zu seinem 70. setzten sie ihm eine Krone auf und feierten ihn auf der Eisfläche. "Mein schönster Geburtstag", freut er sich noch heute.

Durch alle Höhen und Tiefen, von der 2. Bundesliga bis zum Zwangsabstieg und wieder nach oben, ist er dem Verein treu geblieben, über dessen Geschichte niemand mehr weiß als der "Zwack".

Seit 40 Jahren trägt er alles zusammen, was mit dem EHC zu tun hat. Fotos und Zeitungsausschnitte, Mannschaftsaufstellungen und Stadionzeitungen, sogar die Sterbebilder von Spielern und Fans hat er in Ordnern gesammelt, die er in einem Regal im Keller aufbewahrt. "Alles nur für mich privat", sagt er stolz.

Was er wohl in der neuen Saison alles sammeln wird, die den Fans am Sonntag, 9. Oktober, um 17.15 Uhr im Einsstadion gleich ein Heim-Derby gegen Dorfen beschert? Sicherlich auch gute Nachrichten, Berichte über Siege und vielleicht sogar über den 8. Platz, der für die Aufstiegs-Playoffs reicht. "Zwack" Meisinger ist Optimist, seit er das Waldkraiburger Eishockey begleitet.

hg

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