"Demokratie" hat Gesicht bekommen

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Mit Schautafeln präsentierten die Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit. Sie hatten sich intensiv mit dem Begriff "Demokratie" auseinander gesetzt.

Waldkraiburg - Demokratie ist ein hohes Gut, das nicht selbstverständlich ist. Im Rahmen einer Projektwoche setzten sich 17 Schüler mit den demokratischen Werten auseinander.

"Es war eine sinnvolle Sache, wir haben viel gelernt und ein anderes Bild von Waldkraiburg bekommen." Das war eine der Aussagen der Jugendlichen nach der Projektwoche "Mehr-Wert-Demokratie". Unter dem Motto "Vom Krieg zum Frieden - Demokratie entwickeln" beschäftigten sich 17 Schüler des Gymnasiums Gars mit den Grundwerten der Demokratie. Dabei standen Themenbereiche wie "Nationalsozialismus", "Flucht und Vertreibung" und "Demokratie entwickelt am Beispiel Waldkraiburg" im Fokus. Die Ergebnisse stellten die Schüler im Haus Sudetenland vor. Dabei war ihnen der Stolz über ihre Arbeit anzumerken, aber auch, dass der abstrakte Begriff der "Demokratie" für sie durchaus ein Gesicht bekommen hat.

Staatsminister Dr. Marcel Huber, einer der Initiatoren des Wertebündnisses in seiner Zeit als Kultusstaatssekretär, sagte auf seiner kurzen Stippvisite, dass das friedliche Streiten um bessere Lösungen ein Wesen der Demokratie sei. In der Politik, so Huber, wollen alle, dass es dem Land gut geht, doch der Weg dorthin wird unterschiedlich gesehen. Daher gibt es dort Auseinandersetzungen, die aber außerordentlich gut geregelt seien. Das war nicht immer so und der Staatsminister erinnerte an die Zeit des Nationalsozialismus, der Folgen für alle Menschen, Orte und Städte hatte. "Nirgends kann man es besser sehen, als in Waldkraiburg." Deshalb setze er sich auch dafür ein, dass demokratische Werte erhalten bleiben. Huber gab den Schülern, aber auch den zahlreichen geladenen Gästen ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer mit auf den Weg: "Ihr tragt keine Verantwortung für das, was geschehen ist. Aber das so etwas nie mehr passiert, dafür schon."

Der Projektleiter Werner Paukner von der Fachschaft Geschichte des Waldkraiburger Gymnasiums zeigte den Weg von der Idee bis zum Projekt auf und meinte: "Wir haben uns in der Projektgruppe auch viel auseinander setzen müssen, bis der Rahmen stand." Doch die Begeisterung, mit der die Schüler bei dieser Projektwoche dabei waren, gab den Initiatoren recht. So fiel das Gesamtresüme der Schüler recht positiv aus: "Wenn wir den Stoff in der Schule gehabt hätten, hätte ich mir sicher nicht soviel merken können" oder "Es wurden viele kreative Wege zur Wissensvermittlung gefunden" waren zwei Aussagen.

Das zeigte sich auch, als die Schüler den Gästen die Inhalte des Projektes vorstellten. So berichteten sie von Übungen zum Teambuilding am ersten Tag, den umfangreichen Informationen und Eindrücken, die sie bei dem Besuch des Bunkergeländes im Mettenheimer Hart und dem Waldlager von Peter Müller bekommen hatten. Dabei fiel ihnen auch auf, dass "nur eine kleine Gedenktafel und sonst nichts" an die Grausamkeiten dieses Ortes erinnert.

Stadtarchivar Konrad Kern erzählte den Schülern, die aus der neunten Jahrgangsstufe kommen und sich alle freiwillig zu dem Projekt gemeldet haben, viel über das Werk Kraiburg und besuchte mit ihnen das Bunkermuseum. Dabei stellten sie anhand eines Stadtplanes fest, dass Waldkraiburg und das Munitionswerk mit seinen Lagern ziemlich identisch sind.

Sie erfuhren aber auch vom Euthanasieprogramm des Naziregimes in der Behinderteneinrichtung Stiftung Ecksberg, das auf dem menschenverachtenden Weltbild der Nationalsozialisten beruhte.

Bei einer Befragung auf dem Waldkraiburger Wochenmarkt bekamen die Schüler einen Eindruck von der Bevölkerungszusammensetzung der Stadt.

"Flucht, Vertreibung und Ankunft" sowie die Gründung Waldkraiburgs beschäftigte die Schüler am Mittwoch bei ihrem Besuch im Stadtmuseum. Die teilweise bedrückenden Eindrücke wurden durch das Gespräch mit den beiden Zeitzeugen Erika Ransch und Altbürgermeister Jochen Fischer noch verstärkt. Zwei Jugendliche mit Migrationshintergrund wiederum versicherten, dass sie sich in Waldkraiburg sehr wohl fühlten.

Den Abschluss bildete am Donnerstag ein Besuch im Rathaus, wo Bürgermeister Siegfried Klika die Geschichte Waldkraiburgs beleuchtete, die Bedeutung der Bürgermeisterkette erklärte und mit den Schülern über die Kommunalpolitik sprach.

Ein Ergebnis dieser Projektwoche war auch, dass die Schüler ein Leitbild für ihr Gymnasium entwickelten. Mit dabei waren Grundsätze wie "Wir sind eine offene, tolerante und aufgeschlossene Schule", "Wir fördern soziale Projekte", "Wir fördern nachhaltiges Handeln", "Wir setzen uns für praxisnahen Unterricht ein". Dinge, die eins zu eins auch auf die Gesellschaft übertragen werden können. Darin waren sich die Gäste einig.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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