"Das wirkte bedrohlich auf uns"

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Nicht sehr freundlich begrüßt wurden die Spieler des FC Ayyildiz Waldkraiburg an der Türe der Gästekabine in Mettenheim. Ein Unbekannter schmierte vermutlich mit einem Edding-Stift rassistische Schimpfwörter an die Innenseite. Der Zwischenfall wurde dem Bayerischen Fußballverband und dem Sportgericht gemeldet.

Waldkraiburg/Mettenheim - Der FC Ayyildiz Waldkraiburg und der TuS Mettenheim hatten in der Vergangenheit Probleme miteinander. Die schienen bereinigt.

Nach zwei Jahren trafen die beiden Mannschaften auf dem Spielfeld wieder aufeinander. Vorher gab es aber einen Zwischenfall. Ein Unbekannter schmierte an die Türe der Gästekabine die Worte "Ay-Hunde", "Kinderficker" und "Hurensöhne". Über die alten Probleme zwischen den Spielern von Ayyildiz und Mettenheim schien Gras gewachsen zu sein. Nun könnte ein alter Konflikt wieder hochkochen. Beim Spiel am vergangenen Sonntag wurden die Spieler von Ayyildiz mit rassistischen Schmierereien begrüßt. An der Innenseite der Kabinentüre für die Gästemannschaft standen die eindeutigen Schimpfworte.

Nach einem Vorfall bei einem Spiel im Sommer 2007 (wir berichteten) wurde der Verein wegen Verletzung der Platzordnung mit einem Punktabzug bestraft. Gegen zwei Spieler verhängte das Sportgericht wegen Verschuldens eines Spielabbruchs und Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter Geldstrafen und empfindliche Sperren. „Unser Verein musste eine saftige Geldstrafe zahlen, rund 1200 Euro“, berichtet Abteilungsleiter von Ayyildiz, Abdullah Aslim. „Von der Ruf- und Imageschädigung unseres Vereins brauchen wir gar nicht erst zu reden.“ Monatelang waren damals Spielbeobachter bei Spielen von Ayyildiz, erinnert sich Murat Akcay, stellvertretender Abteilungsleiter. Damals musste der Verein umstrukturieren und an seinem Image arbeiten. „Vergangenes Jahr sind wir zur A-Klasse aufgestiegen und haben uns den Meisterpokal geholt“, so Aslim. Und Spielleiterin Astrid Eimannsberger habe Ayyildiz bescheinigt zu den fairsten Mannschaften zu gehören. Alles lief also wieder gut für die türkischen Fußballfreunde.

Bis zu dem Vorfall am vergangenen Sonntag. „Ich war geschockt“, berichtet Aslim. Seit zehn Jahren habe er als Spieler und Vorstand so etwas noch nicht erlebt. Der Abteilungsleiter vom TuS Mettenheim, Peter Hermann, sei auf ihn und sein Team zugekommen und habe sich entschuldigt. „Aber das kann man so nicht auf sich beruhen lassen, das ist rassistisch“, finden Akcay und Aslim. Vor dem Spiel habe das Ganze bedrohlich auf die Abteilungsleiter gewirkt. Man überlegte, das Team nicht zum Spiel antreten zu lassen. „Wir haben junge Spieler dabei, die könnten sich von sowas provozieren lassen“, meint Akcay. Allen Bedenken zum Trotz sei das Spiel fair abgelaufen, Ayyildiz siegte mit 2:1. Im Sport sollte es um Fairness gehen, er soll zusammenführen und integrieren. „Da hat Rassismus nichts verloren“, sind sich die Abteilungsleiter einig. Sie wollen, dass mit dem TuS endlich Ruhe ist. Im Streit sind die beiden Mannschaften nach diesem Vorfall nicht auseinandergegangen. Niemand konnte sich erklären, wer die Schmierereien angebracht haben könnte, weder Schiedsrichter, noch Ordnungsdienst, noch die Verantwortlichen vom TuS Mettenheim.

„Wir sind tief betroffen und distanzieren uns als Verein von solchen Dingen“, sagt Rene Brandenburg, stellvertretender Abteilungsleiter. Nach dem Spiel gab es eine Sondersitzung der Vorstandschaft. Man habe die Spieler befragt, aber keine wisse, wer als Übeltäter in Frage komme. Der Platzwart habe nur die Türe der Kabine aufgeschlossen und geschaut, ob es sauber ist. Auf die Innenseite der Türe habe er nicht geachtet.

Vorfall schlägt nun Wellen

Kulanterweise hätten sich die Spieler von Ayyildiz während des Spiels diskret verhalten und die Emotionen nicht hochkochen lassen. „Unseren Männern haben wir es erst nach dem Spiel erzählt“, so der Mettenheimer. Nun schlägt der Vorfall Wellen. Laut Sportreferent Dietmar Heller habe Spielgruppenleiterin Astrid Eimannsberger die Sache dem Sportgericht und dem Bayerischen Fußballverband gemeldet. „Wir wollen keine rassistischen Parolen dulden“, so Heller. Damals, 2007, habe man Ayyildiz für das Fehlverhalten gerügt. „Und jetzt nehmen wir sie als Stadt in Schutz.“

kla/Mühldorfer Anzeiger

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