CCS-Methode: Klimaschutz oder unabschätzbares Risiko?

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Im Vattenfall-Versuchskraftwerk im Ortsteil Schwarze Pumpe im südbrandenburgischen Spremberg stehen zwei Mitarbeiter zwischen CO2-Speichertanks.

Waldkraiburg - Wohin mit dem Treibhausgas? Diese Frage beschäftigt Stromkonzerne und Wissenschaftler seit vielen Jahren.

Eine Möglichkeit wird darin gesehen, das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern in großen Kraftwerken und Industrieanlagen entsteht, abzuscheiden und dorthin zu verpressen, wo es herkommt, nämlich in den tiefen geologischen Untergrund. CCS heißt diese Methode. Das steht für "Carbon (Dioxide) Capture and Storage", also Abscheidung, Transport und Speicherung. Damit wäre es der Atmosphäre entzogen. Damit die Speicherung klimawirksam ist, müsste das Treibhausgas für mindestens 10.000 Jahre unter der Erde verbleiben.

Besonders aufwändig und teuer, teurer als Transport und Verpressung, ist laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (GBR) das Abscheiden des CO2. Die technischen Verfahren dafür sind noch nicht ausgereift.

Der Transport des CO2 zu den Injektionsbohrungen am Speicherstandort, die aus wirtschaftlichen Gründen in der Nähe von Emittenten liegen sollten, erfolgt in der Regel über Pipelines, auch ein Transport über mehrere hundert Kilometer ist denkbar.

Die Speicherung lässt sich am effektivsten im Porenraum von Gesteinen in mindestens 800 Meter Tiefe realisieren, weil das Gas aufgrund des Drucks in dieser Tiefe ein stark verringertes Volumen hat.

Das größte Speicherpotenzial für die Verpressung haben tiefe saline Aquifere, die wegen ihrer Tiefe und des hohen Salzgehalts nicht für die Trinkwassergewinnung geeignet sind. Diese Bereiche sind vor allem im Norden Deutschlands verbreitet, dort liegt auch der größte Teil der bislang von der Bundesanstalt geologisch bewerteten Standorte. Günstige Speichermöglichkeiten sind auch erschöpfte Erdgaslager und Erdöllagerstätten. Deren Deckschichten konnten über viele Millionen Jahre erwiesenermaßen Gase zurückhalten. Zu diesen Bereichen zählen auch die beiden in der Greenpeace-Liste genannten Standorte im Landkreis Mühldorf.

Während die Bundesanstalt davon ausgeht, zwischen sechs und 13 Milliarden Tonnen CO2 in diesen unterirdischen Speichern einlagern zu können, stellt die Umweltorganisation den Nutzen der Technologie in Frage. Womöglich reiche die Kapazität allein für die Emissionen der Kohlekraftwerke, auf die rund 40 Prozent des nationalen CO2-Ausstoßes zurückgehen, keine 20 Jahre, heißt es dort.

"Nur geringfügige, gut beherrschbare Risiken" sieht man für die CCS-Methode bei der Bundesanstalt. Ein Grund: Dabei könne man auf Erfahrungen aus Erdöl- und Erdgasproduktion zurückgreifen. CO2 sei ungefährlicher, weil es weder entzündlich noch explosiv ist.

Die BGR schließt Gefahren für das Trinkwasser, das aus oberflächennahen Schichten kommt und durch undurchlässige Gesteinsformationen von den Speichern abgetrennt sei, aus. Das Risiko von Erdbeben sei äußerst gering. Die Speichertechnik, die bei diesem Verfahren zum Einsatz kommt, sei seit Jahrzehnten in der Erdgasförderung erprobt.

Kritiker des Verfahrens befürchten dagegen, dass verpresste Kohlendioxid könnte Salzwasser nach oben in Trinkwasser-Schichten treiben. Gegner warnen davor, dass giftige Schwermetalle und radioaktive Stoffe freiwerden könnten, und fürchten Erdbeben.

Eine Regelung des CCS durch ein Bundesgesetz gibt es noch nicht. Das Gesetz ist seit Jahren in Vorbereitung und soll im Frühjahr verabschiedet werden.

Die Erprobung der Technologie scheiterte an einem Standort in Schleswig-Holstein am Widerstand der Bevölkerung. Derzeit wird die Technik in Ketzin in Brandenburg erprobt.

hg

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