Der "Anwalt der Natur" braucht Hilfe

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Die Bund-Naturschutz-Kiesgrube zählt zu den wichtigsten Amphibienlebensräumen im Landkreis Mühldorf. Sie wurde vom Bund Naturschutz gekauft. Dabei wurden auch Kleingewässer angelegt. Wer sich auch für den Naturschutz ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich an die Geschäftsstelle des Bund Naturschutz unter 08638/3701 wenden. Infos gibt es auch im Internet unter www.muehldorf.bund-naturschutz.de.

Waldkraiburg - Der Bund Naturschutz ist "ein Anwalt der Natur". Doch der beste Anwalt kann nichts bewirken, wenn er keine Unterstützung hat.

"Da müsst ihr mal was machen". Mit solchen Anrufen werden Gerd Ruchlinski und seine Mitstreiter vom Bund Naturschutz häufig auf Missstände aufmerksam gemacht. Allerdings ist das nicht immer so einfach: Der Kreisgruppe Mühldorf mangelt es, wie vielen anderen Organisiationen auch, an ehrenamtlichen Helfern. "Wir würden die Arbeit gerne auf mehrere Schultern verteilen, doch das ist gar nicht so einfach", so Ruchlinski, der Vorsitzende der Kreisgruppe Mühldorf.

Gerd Ruchlinski und Dr. Andreas Zahn im Gespräch mit Landwirt Sondershauser beim Talprojekt bei Jettenbach.

Ein Anruf bei der BN-Geschäftsstelle in Waldkraiburg sei einfach. Aber wenn man jemand bittet, doch selbst aktiv zu werden, dann "hört man meistens nichts mehr". Rund 1800 Mitglieder hat der Bund Naturschutz im Landkreis, doch nur etwa 50 bis 60 Mitglieder, gebe es, die auch wirklich anpacken. Auch mit der Mitgliedschaft und dem Bezahlen des Mitgliedsbeitrages scheinen viele ihr Gewissen beruhigen zu wollen, vermutet Ruchlinski.

Dabei werden bei der aktiven Naturschutzarbeit wie dem Pflanzen von Gehölzen, dem Betreuen von Amphibienschutzzäunen und der Pflege von Lebensräumen viele Helfer benötigt. Oft finden Arbeitseinsätze in den Projektgebieten der Kreisgruppe statt. Die Kiesgrube bei Heldenstein und der Talraum bei Jettenbach werden vom Bund Naturschutz in Zusammenarbeit mit engagierten Landwirten durch Beweidung gepflegt.

Inzwischen sind Ziegen, Wasserbüffel, Rinder und Pferde im Einsatz. Bei der Betreuung der Gebiete sucht der Bund Naturschutz aber auch Helfer für die Kontrolle der Zäune, die Pflege von Kopfweiden und den Rückschnitt von Gehölzen.

Mike Pohlus, Betreuer der Kraiburger Kindergruppe Müpfe, beim Säubern der Nistkästen.

Dr. Andreas Zahn, der stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe, erzählt beispielsweise, dass bei der BN-Kiesgrube in der Nähe von Heldenstein eine Rosenhecke gepflanzt worden sei. "Doch jetzt fehlt es an ehrenamtlichen Helfern, die auch mal nachschauen, wie es der Hecke geht oder sie auch mal zuschneiden", bedauert Zahn. Gerd Ruchlinski ergänzt, dass beispielsweise auch Leute gesucht werden, die sich um Nistkästen kümern.

Beide berichten, dass es viele Beispiele gebe, wo ehrenamtliches Engagement gefragt wäre. Sie schieben dabei nach, dass die Mitgliedschaft beim Bund Naturschutz kein Muss sei.

Besonders wichtig wären Naturschützer, die Aufgabengebiete selbstständig übernehmen. Dr. Andreas Zahn ergänzt, dass Interessierte aber nicht nur vorgefertigte Aufgaben übernehmen können, sondern "gerne auch eigene Ideen einbringen können".

Auch für die Kinder- und Jugendgruppen sowie für Aktionen mit Kindern und Jugendlichen hätten sie gerne Unterstützung. Dankbar ist die Kreisgruppe auch für die Mitarbeit von Artenkennern, die beispielsweise die Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten melden, so dass gegebenenfalls Schutzmaßnahmen ins Leben gerufen werden können.

Was aber kann der Bund Naturschutz den Menschen bieten, die sich für Natur und Umwelt ehrenamtlich engagieren? Wer ein Thema im Natur- und Umweltbereich aufgreifen will, der findet beim Bund Naturschutz - in der Kreisgruppe oder einer der derzeit vier Ortsgruppen - geeignete Ansprechpartner. Zudem gibt es die Möglichkeit, über den Landesverband umfassende Antworten zu vielen fachlichen Fragen zu bekommen. Darüber hinaus kann man sich beispielsweise bei der ANL (Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege) in Laufen im Rahmen von Seminaren und Tagungen fortbilden.

Man findet hier Gleichgesinnte und hat eine gute Basis, etwas zu erreichen. Dank der seriösen Arbeit des Bund Naturschutz in den vergangenen Jahrzehnten werden Anregungen und Vorschläge auch wirklich ernst genommen und oftmals auch in Kompromisse eingearbeitet. Der Bund Naturschutz sieht sich durchaus als Anwalt der Natur.

So erinnert sich Gerd Ruchlinski noch gut an den geplanten Bau der Staatsstraße von Trostberg nach Waldkraiburg. Die Strecke von Waldkraiburg nach Kraiburg sollte "schnurgerade verlaufen". Der Bund Naturschutz hatte dagegen vorgeschlagen, die bestehenden Kurven beizubehalten. Zum einen, um den Verkehr etwas zu bremsen. Zum anderen, um den Hohlweg und die Lehmwand zu erhalten; und so kam es dann auch.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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