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Buben sind ganz anders

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Sozialpädagoge Wolfgang Wenger bei seinem Vortrag über die "Jungenwelten" in der Volkshochschule.

Waldkraiburg - Buben werden öfter und schneller wütend als Mädchen. Warum ist das so? Die Antwort des Sozialpädagogen Wolfgang Wenger aus Rosenheim ist einfach:

Sie wissen nur nicht, dass sie eigentlich traurig sind.

Wenn Wolfgang Wenger eine Gruppe Buben zum Reden bringen möchte, hat er einen Trick. Er knipst das künstliche Lagerfeuer in seinem Büro an, schaltet die Nebelmaschine ein und verspricht jedem, der etwas erzählt, ein Gummibärchen. "Sie glauben gar nicht, was da manchmal rauskommt."

Anekdoten wie diese aus Wengers Arbeitsalltag lockerten seinen Vortrag "Jungenwelten" in der Waldkraiburger VHS auf. Sie bildeten ein Gegengewicht zur teils recht theoretischen Klärung der Frage, warum Buben so sind wie sie sind und wie man sie erreichen kann.

Der Sozialpädagoge ist mit den "Jungenwelten" vertraut. 2003 richtete er in Rosenheim die Männer- und Jugendzentrale ein, bietet unter anderem Kurse und Workshops für "starke Jungs", Vater/Sohn-Programme und Scheidungscoachings für Männer an.

Ein Fehler moderner Jungenpädagogik sei, dass sie vor allem als indirekte Mädchenförderung verstanden werde, so Wenger. Es sei gut möglich, Buben zu fördern, ohne damit gleich Mädchen anzugreifen.

Man sollte vor allem niemanden in ein Rollenbild drängen. Werde ein Heranwachsender mit einem Klischee konfrontiert, das auf ihn nicht zutrifft, stelle er sich in Frage und "gibt auf oder passt sich den Erwartungen an einen 'Mann' an." So könne auf keinen Fall eine Persönlichkeit aufgebaut werden. Dem gesellschaftlichen Aspekt im Bild und der Erziehung des typischen Buben misst der Sozialarbeiter also eine genauso große Rolle bei wie dem biologischen.

Buben würden von klein auf daran gewöhnt, dass sie immer etwas mehr aushalten müssten um zu gewinnen. "Es gibt nur einen Sieger." Dies, und das Bedürfnis, in irgend einer Weise herauszustechen, lasse sie viel mehr Risiken eingehen als Mädchen. Im Spiel und in der Schule genauso wie später im Beruf. Wenn man schon nicht der Beste ist, dann schreibt man wenigstens den bombigsten Sechser aller Zeiten.

Für die vielen "Jungenmütter" unter den Anwesenden war besonders interessant, als Wenger auf das Gefühlsleben von Buben zu sprechen kam. Er riet von einem Auge-in-Auge-Gespräch über Probleme vehement ab: "Machen Sie zusammen etwas völlig anderes, dann fängt er irgendwann von selbst zu reden an."

Außerdem würden Buben erst einmal versuchen, alleine eine Lösung zu finden und diese dann zu diskutieren. Gefühle auszudrücken sei für junge Burschen generell schwieriger, da sie in ihrer Rolle den ganzen Tag damit beschäftigt seien, diese zu ignorieren.

Einfacher sei es mit einer Art "Gefühlsuhr", auf der man seine Stimmung einstellen und auch wieder ändern könne. Diese Scheibe kam bei den Müttern gut an, genauso wie das umfangreiche Artikel- und Büchermaterial und Wengers praktische Tipps. Einen gab es am Ende noch: "Wenn Sie sich in einer Sache durchsetzen möchten, dann eröffnen Sie Nebenkriegsschauplätze, auf denen Sie auch noch verlieren können. Aber die Mutter sollte in der Hierarchie trotzdem immer oben stehen."

ber/Waldkraiburger Nachrichten

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