Bohranlage am Festplatz geparkt

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35 Meter hoch wird der Bohrturm (hier liegend) sein, wenn er aufgestellt ist. Dann wiegt er 70 Tonnen und kann bis zu 200 Tonnen anheben.

Waldkraiburg - Das Geothermie-Projekt verzögert sich, weil eine Bohrfirma mit der Auftragsvergabe nicht einverstanden ist. Die Firma aus Norddeutschland, die nicht zum Zuge gekommen ist, will möglichweise klagen.

Die Bohrfirma Top Thermal, für die sich die Stadt entschieden hätte, muss den alten Bohrplatz in Unterföhrung räumen. Daher wird die komplette Bohrgerätschaft in Waldkraiburg zwischengelagert, um doppelte Transportkosten zu sparen. 27 Lkw-Fuhren und vier Schwertransporter brachten die komplette Bohranlage der Firma Top Thermal in drei Tagen von Unterföhring nach Waldkraiburg. Die Bohrarbeiten in Unterföhring sind abgeschlossen, die Baustelle musste geräumt werden. Seit Dienstag wurde die Ausrüstung nach Waldkraiburg gekarrt. Stadtwerkechef Norbert Weigl besichtigt den Lagerplatz zusammen mit Zweitem Bürgermeister Harald Jungbauer. Weigl kennt den Wert der Bohranlage nach eigenen Aussagen nur gerüchteweise: 15 bis 20 Millionen Euro.

Auf 2000 eingezäunten Quadratmetern auf dem Kiesbereich des Volksfestplatzes, bewacht von einer Sicherheitsfirma, wartet die Bohrausrüstung samt Bohrturm nun auf ihren Einsatz. Der verzögert sich, weil die Firma aus Norddeutschland, die nicht zum Zuge gekommen ist, möglichweise gegen das Vergabeverfahren klagt. Die Vergabekammer hat den Einspruch abgelehnt, die Firma hat nun die Möglichkeit zu klagen. Daher ist das formelle Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen, ob Top Thermal auch die Bohrung durchführt, ist also noch unklar, erklärt Weigl. Bernd Schott, Tiefbau-Ingenieur bei den Stadtwerken, erklärt, der unterlegene Bewerber müsse der Stadt und dem Oberlandesgericht ein Beschwerdeschreiben zustellen, die Einspruchsfrist laufe am kommenden Montag, 17. August, um Mitternacht ab.

Bohr-Mechaniker Friedrich Hermann von Top Thermal zeigt einen Bohrkopf mit Zähnen aus speziell gehärtetem Stahl.

Wenn nicht geklagt wird, könnte die Geothermie Waldkraiburg GmbH & Co. KG den Auftrag schon in der kommenden Woche vergeben. "Wenn er klagt, müssen wir wieder warten", so Weigl. Schott erklärt, dass es dann die Möglichkeit gebe, einen Antrag auf vorzeitige Vergabe zu stellen. "Das Gericht wägt dann im Vorfeld ab, ob die Klage Erfolgsaussicht hätte und hat dafür fünf Wochen Zeit." Dabei werden etwa wirtschaftliche Interessen abgewogen. Würde das Gericht allerdings eine Erfolgsaussicht sehen, würde das Projekt wieder warten müssen, wie lange, sei ungewiss. Allerdings hofft der Stadtwerkechef, dass es bald eine Lösung gibt und im Herbst mit der Bohrung losgehen kann. Die Ausrüstung stünde schon parat. Bekomme Top Thermal zwischenzeitlich einen Auftrag, werde die Bohranlage abgeholt.

Ohne Klage könnte es bald losgehen

Der Bohrturm liegt flach auf einem Tieflader, wenn er zum Einsatz kommt, erreicht er eine Höhe von 35 Metern und wird 70 Tonnen schwer. Bohr-Mechaniker Friedrich Hermann von der ungarischen Firma Top Thermal, die ihren Sitz in Ried im Innkreis in Österreich hat, erklärt, dass der Turm bis zu 200 Tonnen anheben kann. "Je tiefer es in die Gesteinsmassen des Erdreichs geht, umso schwerer geht die Bohrung voran, das Bohrloch, in das das Bohrgestänge geführt wird, wird immer enger, wie ein Teleskop", so der Ungar. Top Thermal hat eine eigene Kraftquelle und einen 20000-Liter-Dieseltank dabei. "So sind die Arbeiten unabhängig von jedem Stromnetz", erklärt Jungbauer. Die Arbeiten am Bohrplatz an der Kläranlage werden etwa ein halbes Jahr dauern, wobei nur zweimal sechs Wochen auch gebohrt werde. Die Bohrtiefe betrage laut Weigl mindestens 2500 Meter. Durch eine ständige Spülung werde das Erdreich, das herausgebohrt wird, gleich hochgefördert, so Weigl. Aber bis dahin könnte es noch eine schwere Geburt werden. Laut Weigl fehlt auch noch die Bohrgenehmigung der Regierung von Oberbayern.

kla/Mühldorfer Anzeiger 

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