"Black Jackets" wollen Waldkraiburg nicht teilen

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"Black Jackets"-Mitglieder in Stuttgart vor Gericht

Waldkraiburg - Wenn die Polizei Schlägereien aufzuklären hat oder Wohnungen mit Waffen und Drogen aushebt, steckt oft mehr dahinter. Wie auch bei kürzlich dokumentierten Vorfällen in Waldkraiburg. Es geht um Bandenrivalität.

Hinter dem brutalen Überfall Ende Oktober auf einen 32-Jährigen versteckt sich mehr als eine Körperverletzung. Mehrere Personen hatten ihn zusammen geschlagen und liegen gelassen. Das Opfer wurde von Passanten gefunden und kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Eine Woche darauf nahm ein Sondereinsatzkommando (SEK) sieben Tatverdächtige fest. Die Polizei ging von einem gezielten Anschlag auf das Opfer aus. In den gestürmten Wohnungen in Waldkraiburg und Mettenheim wurden Waffen und Drogen sichergestellt (wir berichteten). Am Abend wurden die Männer wieder auf freien Fuß gesetzt.

Mittlerweile ist klar, dass es sich um Bandenrivalität handelt, konkret zwischen "Bandidos", genauer deren Unterstützergruppe "X-Team", und den "Black Jackets". Insiderinformationen zufolge geht es um eine Etablierung der rivalisierenden Gruppierungen in Waldkraiburg, um Gebietsansprüche. Das Opfer ist ein "Black Jacket" und schweigt gegenüber der Heimatzeitung zu den Vorfällen.

Die "Bandidos" gehören zu den größten Rockergruppen Deutschlands, die vom Bundeskriminalamt (BKA) als kriminell eingestuft werden. Die großen Clubs sind nach Aussagen des BKA international organisiert, sie seien in Waffen- und Drogenhandel sowie das Rotlichtmilieu verstrickt. Und sie wollen sich weiter etablieren, auch in ländlichen Strukturen, weil die großen Städte längst aufgeteilt seien, wie ein Waldkraiburger Informant aus der Szene berichtet. Die Niederlassungen seien in "Chapters", Ortsverbände, aufgeteilt.

"Waldkraiburg ist ein strategischer Punkt, der verteidigt wird", sagt einer der "Black Jackets", die sich langfristig hier niederlassen wollen. Die "Black Jackets" gründeten sich nach eigenen Angaben 1985 in Heidenheim in Baden-Württemberg in einem Jugendzentrum und bestehen seitdem hauptsächlich aus Mitgliedern mit Migrationshintergrund. Man wollte damals eine Gegenkraft zu rechtsradikalen Gruppierungen bilden, so die "Black Jackets".

Ihr Erkennungszeichen sind schwarze Jacken (Deutsch für "Black Jackets") und das Zeichen der Bulldogge, die rund 900 Mitglieder nennen sich "Brüder" und sind kein Motorradclub. Sie pochen auf einen gemeinsamen Ehrenkodex. Die Stuttgarter Polizei stuft die Schwarzjacken nicht als harmlos ein, sie stehen unter Beobachtung. Das dortige Landeskriminalamt (LKA) spricht von einer "inhomogenen Gruppierung". Kriminalrat Sigurd Jäger referierte im August in der "Eßlinger Zeitung" über deren Struktur. Er ist beim LKA zuständig für die Kriminalitätsauswertung. Er bezeichnet sie als männerdominierte "Streetgang", die hierarchisch und in "Chapters" organisiert ist. Nicht jede Gruppe sei gleichermaßen gewaltbereit. "Im Internet tauchen ,Chapters auf, die die Polizei vor Ort gar nicht kennt, weil sie noch nie negativ in Erscheinung getreten sind", so Jäger.

"Klar gibt es bei uns auch schwarze Schafe. Aber man kann uns nicht über einen Kamm scheren, und wir gehören nicht zur organisierten Kriminalität", betont ein Mitglied der "Black Jackets", das nicht genannt werden will.

Bisher seien die deutschen "Black Jackets" hauptsächlich in Baden-Württemberg vertreten gewesen, nun sei eine Ausweitung auf Bayern geplant. In Rosenheim gibt es bereits das "Chapter" der "Big House Crew". Langfristig wollen sie sich auch in der Industriestadt etablieren.

Waldkraiburg liege, so berichtet ein "Bruder", strategisch günstig zwischen München und Passau und sei noch nicht zwischen den rivalisierenden "Hells Angels" und "Bandidos" aufgeteilt. Letztere hätten hier lediglich eine "Supporter-Gruppe", also Anwärter. Sie nennen sich "X-Team". Daher wollen die "Black Jackets" hier Fuß fassen - auch aus dem Grund, um den "Bandidos", die nach seinen Worten vor allem junge Türken rekrutieren und kriminalisieren, nicht das Feld zu überlassen.

Weiter berichtet der Informant, die "Bandidos" wollten personell aufstocken, sammelten junge Leute, schüchterten andere ein, erteilten "Stadtverbot" und gingen auch mit körperlicher Gewalt vor, was der brutale Überfall von Ende Oktober beweise. Vorausgegangen sein soll ein Vorfall im Industriegebiet.

"Bandidos-Supporter" sollen zwei junge türkische Männer ins Auto gezerrt haben, einem den Arm gebrochen und ihn anschließend gezwungen haben, das spätere Opfer, den befreundeten 32-Jährigen, zum Penny-Parkplatz in der Graslitzer Straße zu bestellen. Dort wurde der Mann, der den Schwarzjacken angehört, von sieben Tätern übel zugerichtet.

Die Polizei-Pressestelle in Rosenheim wollte damals auf Nachfrage der Redaktion keine Details bestätigen, auch nicht, dass es sich um eine Tat mit Bandenhintergrund handelt. Die Staatsanwaltschaft in Traunstein machte ebenfalls keine Angaben darüber. Die Männer, die wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes von einem SEK verhaftet wurden, sind wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen laufen laut Oberstaatsanwalt Volker Ziegler noch.

Vor einigen Wochen waren 20 "Black Jackets" in Waldkraiburg, um sich in einem Dönerladen zusammenzusetzen. Das Polizeiaufgebot in der Innenstadt war auffällig groß. Am vergangenen Sonntag wollten sie sich hier erneut treffen, was verhindert wurde - der Gegenwind von behördlicher Seite soll zu heftig gewesen sein. Daher trafen sich die rund 100 Männer, die zum Teil aus Baden-Württemberg angereist waren, in einem Wasserburger Lokal. Die Polizei war auch hier erneut stark vertreten.

Auf Nachfrage bestätigte Pressesprecher Andreas Guske vom Polizeipräsidium Süd in Rosenheim, dass sich die Beamten wegen der "Black Jackets" dort aufgestellt hatten, um etwaige Störungen zu verhindern. "Manche Mitglieder der ,Black Jackets sind dafür bekannt, dass sie sich nicht immer an Recht und Ordnung halten", so Guske.

Mittlerweile sind "Rockerbanden" auch auf die Themenliste der Innenministerkonferenz aufgenommen worden.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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