Von der Bistumsleitung enttäuscht

Waldkraiburg - Mit einem Wortgottesdienst sollte am Sonntag, 18. März, die Bibelausstellung der beiden Kirchen eröffnet werden. Doch um 10.15 Uhr lässt die Bistumsleitung das nicht zu.

Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst um 10.15 Uhr sollte die gemeinsame Bibelausstellung der beiden Kirchen in Waldkraiburg am Sonntag, 18. März, eröffnet werden. Doch zur Hauptgottesdienstzeit lässt die katholische Bistumsleitung in München das nicht zu. Bei Christen beider Konfessionen stößt das auf Unverständnis.

Plakate, Flyer und Einladungen waren längst gedruckt beziehungsweise verschickt, als in der vergangenen Woche ein abschlägiger Bescheid vom Generalvikar bei Pfarrer Martin Garmaier einging. Schon im November hatte der Leiter des katholischen Pfarrverbands Waldkraiburg um eine Genehmigung ersucht, am Sonntag, 18. März, um 10.15 Uhr aus Anlass der Bibelausstellung ausnahmsweise zur üblichen Gottesdienstzeit in der Waldkraiburger Christkönigskirche einen ökumenischen Wortgottesdienst feiern zu dürfen.

Anlässlich des Stadtjubiläums im Jahr 2010 war ein ökumenischer Sonntagsgottesdienst akzeptiert worden. Er sei auch diesmal guter Hoffnung gewesen, so Garmaier, dass sein Anliegen zumal bei einem kirchlichen Anlass wie einer Bibelausstellung bewilligt wird.

Mit einem negativen Bescheid drei Monate nach seinem Antrag hatte er nicht mehr gerechnet. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx könne die Feier des ökumenischen Wortgottesdienstes zur üblichen Gottesdienstzeit "nicht mit seinem theologischen Gewissen vereinbaren", zitierte Garmaier aus dem Schreiben, als er am vergangenen Sonntag die Gläubigen informierte. In den katholischen und evangelischen Gemeinden wurde bekannt gegeben, dass entsprechend den katholischen Regularien zur üblichen Gottesdienstzeit um 10.15 Uhr in Christkönig nun eine Eucharistiefeier, allerdings ohne Predigt, stattfindet. Der ökumenische Gottesdienst wird auf 11 Uhr verschoben. Diese Lösung sei in Abstimmung mit der evangelischen Kirchengemeinde und in Absprache mit Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger gefunden worden, so der Pfarrer.

Aus seiner Enttäuschung macht Garmaier kein Geheimnis. "Ich bedauere das sehr." Auch sein Anliegen sei es, am Sonntag Eucharistie zu feiern, "wo und wann immer es möglich ist".

Im Pfarrverband gibt es an diesem Sonntagvormittag Eucharistiefeiern in Johann Nepomuk, Pürten und Ebing, sowie eine Vorabendmesse in Maria Schutz und eine Abendmesse in Christkönig. Es fehlt also nicht an Angeboten für katholische Christen in Waldkraiburg, ihre Sonntagspflicht zu erfüllen. Aus Sicht der Bistumsleitung ist das aber nicht der entscheidende Punkt.

Schon der Eindruck, dass der ökumenische Wortgottesdienst mit der Eucharistiefeier gleichgestellt wird und die Eucharistie entwertet wird, müsse vermieden werden. In diesem Sinn äußert sich Bernhard Kellner, Pressesprecher des Erzbistums. "Die Eucharistie ist Mittelpunkt unseres Glaubens. Wir wollen nicht, dass zur Hauptgottesdienstzeit am Sonntag ökumenische Gottesdienste gefeiert werden."

Aus diesem Grund gebe es in der Regel keine Ausnahmegenehmigung. "Das ist klare Linie."

Für die große zeitliche Verzögerung des Bescheids hat er keine Erklärung, er kenne den Ablauf nicht im Detail, so Kellner. Der Bistumssprecher wirbt aber um Verständnis: Das Ordinariat werde zurzeit grundlegend umstrukturiert.

"Mir ist nicht bekannt, dass Pfarrer Garmaier noch einmal vorstellig geworden ist, um auf die Dringlichkeit seines Antrags hinzuweisen", sagt Kellner und weist damit einen Teil der Verantwortung für die organisatorischen Unannehmlichkeiten dem Pfarrverbandsleiter zu.

Den abschlägigen Bescheid will er nicht als ein Zeichen gegen die Ökumene verstanden wissen. "Wir begrüßen ein gutes ökumenisches Klima und jede Form von ökumenischen Gottesdiensten." Der Kardinal habe wiederholt betont, dass ihm das ökumenische Miteinander am Herzen liegt.

Bei evangelischen und katholischen Christen in Waldkraiburg stößt die Entscheidung auf Unverständnis. "Da sieht man, wie weit es mit der Ökumene wirklich ist", sagt etwa Franz Hintereder, Mesner in St. Erasmus. Dabei komme man an der Basis doch so schön miteinander zurecht.

Auch Pfarrverbandsratsvorsitzender Alfred Hiermannsperger hätte es persönlich begrüßt, wenn "ganz unkompliziert ein ökumenischer Wortgottesdienst hätte stattfinden können. Als theologischer Laie hätte ich gedacht, dass die Zeiten der totalen Trennung eigentlich vorbei sind." Hiermannsperger äußert insoweit Verständnis für den Kardinal, dass es auch Gläubige gibt, die der Ökumene reserviert gegenüberstehen und zur Hauptgottesdienstzeit eine Eucharistiefeier erwarten. Auf diese müsse der Bischof Rücksicht nehmen. Schade sei aber, dass damit wieder Leute, die in der Kirche noch aktiv sind, "vor den Kopf gestoßen werden".

"Überhaupt kein Verständnis" für den negativen Bescheid der Kirchenleitung hat Eva Köhr. Die stellvertretende Landrätin, die bislang einen recht positiven Eindruck von Kardinal Marx hatte: "Man sollte mal ehrlich sagen, ob man die Ökumene will. Ich bin enttäuscht."

"Sehr geärgert" hat sich Lars Schmidt-Lanzerath. Der evangelische Pfarrer kann zwar "gut verstehen, dass die Eucharistiefeier hoch geschätzt wird". Traurig mache ihn, dass "nicht anerkannt wird, dass Christen die Bibel, unsere gemeinsame Grundlage im Glauben, gemeinsam feiern wollen". Sein Eindruck: "Das wird weniger geschätzt als das Kirchenrecht." Geärgert habe er sich vor allem über den Zeitpunkt. Auch im Ordinariat müsse doch klar sein, dass die Planungen für die Ausstellung längst stehen. Er empfinde die Antwort drei Monate nach dem Antrag und den Ablauf als "respektlos und Missachtung der Arbeit der katholischen Gemeinde vor Ort".

Dass die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde die Verschiebung des Gottesdienstes und der Ausstellungseröffnung "außergewöhnlich solidarisch mitgetragen haben", dafür hat sich Pfarrer Martin Garmaier ausdrücklich bedankt. Er glaube nicht, dass das ökumenische Klima in Waldkraiburg Schaden nehmen könnte. Diese Erfahrung schweißt "die Ökumene noch mehr zusammen".

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © dpa

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