Ein bisschen wie "Cool Runnings"

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Afrikameister Jessie Mweshipopya aus Namibia will zur WM nach Waldkraiburg kommen. Weitere Exoten haben sich angekündigt: Teams aus Israel, Australien und etwa Brasilien. Kenia hat sich mit einem Abgesandten des Sportministeriums angesagt.

Waldkraiburg/Windhoek - Ein Owambo vom Stamme der Kwanyama möchte mit seiner Mannschaft zur Eisstock-WM nach Waldkraiburg kommen: Jessie Mweshipopya aus Namibia.

Auch Kenia, Israel, Brasilien und Australien haben sich bereits angekündigt. Das wird eine bunte Weltmeisterschaft mit gut 20 Nationen - mit eiserfahrenen und weniger eiserfahrenen Schützen.

Wenn am 5. März in Waldkraiburg die neunte Eisstock-Weltmeisterschaft beginnt, will er mit seinem Team auch dabei sein: Jessie Mweshipopya aus Namibia. Er ist ein erfolgreicher Stockschütze mit Medaillen und Titeln.

Das erinnert ein bisschen an den Film "Cool Runnings", in dem eine Bob-Mannschaft aus Jamaica bei den Olympischen Winterspielen in Calgary teilnahm.

Hier wohnt der Afrikameister

Die Bobfahrer waren nicht gerade eis- und schnee-erfahren - so wie die afrikanischen Stockschützen aus Kenia und Namibia. "Die spielen auf Asphaltbahnen, ähnlich wie die Amerikaner", erklärt Ulli Maier vom WM-Organisationskomitee (OK-Team). In Deutschland sei das Eisstockschießen schon fast ein halbprofessioneller Sport. "Jeder, der auf Eis trainiert, wird bei der WM einen Wettbewerbsvorteil haben", so seine Einschätzung. Nach Afrika, Amerika und auch Australien sei das Eisstockschießen hauptsächlich durch Auswanderer gekommen.

In Namibia formierte sich die Nationalmannschaft folgendermaßen: Vor acht Jahren machten sich vier unerfahrene aber mutige Namibier auf den Weg zum "Abenteuer Eisstock-Weltmeisterschaft", berichtet Detlef Pierre Pfeifer, Präsident "Icestocksport Association of Namibia". Das waren Gerhard Mohrmann, Dave Brown, Chris Schubert und Klaus Schubert. Nur einige Wochen lagen zwischen den ersten Versuchen mit dem Sportgerät und der Teilnahme an der siebten Weltmeisterschaft in Graz.

Die Männer wussten gerade so, in welche Richtung man den Stock schubst und das Zielschießen entdeckte man unmittelbar vor dem Wettkampf, so Pfeifer. Sie erreichten den vorletzten Platz. Bei der gleichzeitig stattfindenden ersten Afrikameisterschaft schlug man die A-Liga-Mannschaft aus Tunesien und wurde Zweiter hinter Kenia.

Schon ein Jahr später gelang die erfolgreiche Revanche gegen Kenia beim ersten Afrika Cup, die das namibische Gründerteam gewann. 2007 und 2009 wurde der Titel erfolgreich verteidigt. 2008 war das Jahr der zweiten Weltmeisterschaftsteilnahme. Diesmal ging auch ein namibisches Damenteam an den Start.

Namibia: 24:0 - Sieg gegen Kolumbien

Die Herren legten los mit einem 24:0 Sieg gegen Kolumbien, mussten aber dann auf Grund der mangelden Spielerfahrung auf Eis wichtige Punkte abgeben. Dennoch verbesserte sich die Mannschaft auf den 7. Rang und ließ diesmal vier Manschaften hinter sich. Im Mannschaftszielschießen erreichte man sogar einen 12. Platz unter 25 Nationen.

Die Damen starteten bei ihrer ersten Weltmeisterschaft besser als erwartet. Zur Halbzeit lag man knapp hinter dem Bronzeplatz auf Rang vier in der B Gruppe, musste sich aber letztendlich mit einem 5. Platz begnügen.

"Besonders Stolz ist man hier auf den ersten Spieler des Owambostammes, Jessie Mweshipopya", so Detlef Pierre Pfeifer von der Association. Nach behutsamen Anfängen im Jahre 2006 mauserte sich der Spieler zum festen Bestandteil der Nationalmannschaft. Mittlerweile zählt zu seiner Medalliensammlung eine Gold- und eine Bronzemedaille beim letzten Afrika Cup und drei Landesmeisterschaften im Team. Bei den Landesmeisterschaften 2011, die seit 2006 ausgetragen werden, gewann Jessie zwei Silber- und eine Goldmedallie und war somit erfolgreichster Einzelspieler.

2010 konnte keine Meisterschaft ausgetragen werden, da der Eisstockverband sein einziges Spielfeld durch den neuen Belag in der Sporthalle des Deutschen Turn- und Sportvereins Windhoek verlor und bisher noch keinen Ersatz gefunden hat. Es sei das Bestreben des Verbandes in Verbindung mit ansässigen Vereinen und internationalen Institutionen die erste Eisstockbahn in Afrika zu errichten.

Für die Teilnahme von Jessie Mweshipopya und dem Damen- sowie Herren-Team bei der WM in Waldkraiburg sind die finanziellen Mittel noch nicht gesichert, sagt Detlef Pierre Pfeifer. Jessie verdiene nicht mehr als 300 Euro im Monat. Dennoch hat er bereits die Hälfte seines Flugtickets durch Spenden gesammelt. Es gibt auch organisatorische Probleme mit der Mannschaftsstärke, weil sich einige Spieler die Reise finanziell nicht leisten können. Daher wurden Gastspieleranträge beim IFI (International Federation Icestocksport) gestellt.

Im Landkreis Mühldorf haben die namibischen Spieler Freunde, die sich für sie einsetzen. Johann Patzelt aus Flossing ist einer von ihnen. Er wartet auf Nachricht von der IFI, ob auch Waldkraiburger Spieler als Gastspieler im namibischen Team antreten dürfen.

Patzelt war mit seiner Blaskapelle "Erhartinger Buam" mehrmals in Windhoek/Namibia beim Deutschen Turn Sportverein, um bei Festen aufzutreten. "Und so lernten wir auch die Stocksportfreunde dort kennen und bestritten sogar einige Spiele auf ihrer Anlage", berichtet Patzelt, der betont. wie ehrgeizig die Afrikaner diesen Sport betreiben.

Man habe sie dort wie Freunde empfangen. Und wolle sich nun revanchieren - etwa mit einer Unterkunft für die ganze Truppe und einem Rahmenprogramm. Gestern Abend trafen sich die "Erhartinger Buam", um dies zu besprechen. Weil die Namibier Schnee nicht gewohnt seien, will man mit ihnen vielleicht zum Biathlon nach Ruhpolding, auf die Kampenwand und nach Salzburg - vorausgesetzt die Finanzierung klappt und die IFI gibt grünes Licht für die Gastspieler.

Die bisher fest angemeldeten 20 Nationen sind mittlerweile auch gut untergebracht, berichtet Andrea Mittermaier, die die Unterkünfte und den Festbetrieb für das OK-Team koordiniert.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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