Mit Biomittel gegen den Holzwurm

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Mitarbeiter der Restaurierungswerkstätten Neubauer bringen die Relieftafeln nach der Restaurierung wieder in der Pürtner Kirche an.

Waldkraiburg-Pürten - Über ein wahrlich "großes Geschenk" konnte sich die Pfarrei Pürten jetzt kurz vor dem Weihnachtsfest freuen:

Die spätgotischen Relieftafeln der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sind restauriert worden und haben ihren Platz oberhalb der Sakristeitüre wieder eingenommen.

Vor etwa acht Jahren, als das "Große Kreuz mit Schmerzensfrau" nach dessen Restaurierung wieder im Altarraum angebracht wurde, sind die Relieftafeln - sie stammen aus der Zeit um etwa 1500 - abgenommen worden.

Es war eine umfangreiche Maßnahme notwendig, die nun in den letzten Jahren in den Restaurierungswerkstätten Reiner Neubauer in Bad Endorf realisiert wurde.

Die Relieftafeln nehmen nach jahrelanger umfangreicher Restaurierung wieder ihren angestammten Platz ein.

Eine "lange Prozedur" war laut Kirchenpfleger Done Brunnhuber, dass die alten aggressiven Holzschutzmittel, die früher gegen Wurm- und Holzschädlingsbefall verwendet wurden, durch Entgasen aus den Tafeln herausgebracht werden konnten. Zudem wurde eine mikroskopische Holzsubstanz-Untersuchung vorgenommen. Dabei ging es mit einer Mikrokamera in die Tiefe, um festzustellen, in welchem Zustand sich das Objekt befindet. Weiter wurden das Holz und die Fassung gefestigt. In einem neuen Verfahren wurden die Relieftafeln mit einem Biomittel gegen den Holzwurm behandelt. Eine komplette umfangreiche Restaurierung des spätgotischen Kunstwerkes hat stattgefunden - unter Beibehaltung des Original-Zustandes.

Laut Stadtarchivar Konrad Kern haben sich die vier Flügelreliefs mit Szenen aus dem Marienleben aus einem spätgotischen Schreinaltar erhalten. Es werden darauf die Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Jesu sowie die Anbetung der Weisen dargestellt. Die Krönungsdarstellung ist am jetzigen Hochaltar in Pürten zu sehen.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Reliefs etwa vor 1670 zusammen mit der Marienfigur, die sich jetzt als Gnadenmadonna am Marienaltar befindet, den prunkvollen Hochaltar gebildet haben, so Kern. Die dann abgenommenen Altartafeln waren den Bürgern damals wertvoll und so wurden sie mit einem Barockrahmen umfasst und an die Wand gehängt.

Nun sind diese wieder an ihren angestammten Platz zurückgekommen.

Die Kosten der Restaurierung belaufen sich auf 210.000 Euro. Davon wurden 21000 Euro von der Pfarrei bezahlt. Dieser Eigenanteil wurde bereits von der vorherigen Kirchenverwaltung unter Kirchenpfleger Johann Brunnhuber sowie Georg Kißlinger, Franz Harrer und Martina Schmidhuber als Rücklage für die Relief-Restaurierung geschaffen. Den Großteil der Finanzierung übernimmt das Kunstreferat des Ordinariats; zudem gab es für diese Maßnahme Zuschüsse von Gemeinde und Landkreis.

bac/Waldkraiburger Nachrichten

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