Die Beschwerdeführer kamen nicht

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Einen Blick auf die Geothermie-Baustelle aus der Luft bot die Fahrt mit einem Heißluftballon. Dabei zeigte sich der 30 Meter hohe Bohrturm mit aller notwendigen Technik dahinter, aber auch die Lärmschutzeinrichtungen.

Waldkraiburg - Das Projektteam Geothermie wartete vergebens auf Beschwerden bei der zweiten Informationsveranstaltung im Infocontainer.

Kein Betroffener oder interessierter Bürger kam, obwohl einige Entrüstete dies ankündigten.

955 Meter hat sich der Bohrkopf mittlerweile ins Erdreich gefressen. "Es läuft alles nach Plan", sagte Norbert Weigl bei der zweiten Informationsveranstaltung in Sachen Geothermie am Dienstagabend in dem Infocontainer neben der Bohrstelle an der Kläranlage.

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Geothermie

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadtwerke dort in rund 2600 Meter Tiefe heißes Wasser erwarten, das sie als neue Energiequelle nutzen wollen. 100 Grad warmes Thermalwasser wird in dieser Tiefe erwartet; und bisher hat es keine geologischen und bergmännischen Überraschungen gegeben. "Das Feld ist gut bestellt", lobte Matthias Schöler von der ausführenden Firma Daldrup die Vorbereitungen.

Die Stadtwerke haben sich bereits im Vorfeld bemüht, alle Bürger und Betroffenen über mögliche Beeinträchtigung durch Baulärm und ähnliches zu informieren. "Wir haben ein dreistufiges Informationssystem aufgebaut", so Norbert Weigl. Die erste Stufe sind die Informationsveranstaltungen in dem Infocontainer neben der Bohrstelle. Sie finden seit Bohrbeginn alle zwei Wochen statt.

Bei der ersten Veranstaltung waren zwei Bürger gekommen, um sich grundsätzlich über die Geothermie zu informieren. Bei der zweiten Veranstaltung am Dienstagabend war zwar die gesamte Projektgruppe Geothermie vor Ort, um alle Fragen und Kritik fachmännisch beantworten zu können. Allerdings kam kein einziger Bürger.

Das Projektteam Geothermie mit Stefan Munding, Herbert Lechner, Norbert Weigl, Matthias Schöler, Projektleiter Franz Gams, Wolfgang Weinbauer, Christian Erdösi und Bernd Schott (von links): Es wartete vergebens auf informationshungrige Bürger, oder solche, die sich beschweren wollten.

Zwar liegen der Redaktion Beschwerden über "unerträgliche Zustände durch Lärm und Vibrationen" vor, doch die Gelegenheit, den Verantwortlichen zu begegnen, wurde nicht genutzt. Wir begleiteten kürzlich den Stadtwerkechef bei seiner Tour in der Johann-Sebastian-Bach-Straße (wir berichteten). Die angetroffenen Anwohner hatten keine Beschwerden, andere waren nicht daheim, manche fühlten sich in der Berichterstattung unterrepräsentiert, erschienen nun aber auch nicht am Infocontainer

Weigl machte deutlich, dass es vier Häuser gebe, bei denen es sicher zu Beeinträchtigungen komme. Die nützen auch sehr fleißig, so Weigl, die zweite Informationsmöglichkeit: die 24-Stunden-Hotline um sich zu beschweren. Vielfach werde die Nummer aber auch gewählt, um sich nach Anschlussmöglichkeiten zu erkundigen, so der Leiter der Stadtwerke.

Er könne die Beschwerden über Lärm oder Vibrationen nicht ganz nachvollziehen. Eine hohe Lärmschutzwand schirme die Geräusche der Baustelle weitgehend ab. Lärmmessgeräte überwachen und dokumentieren, dass es nicht lauter wird als die erlaubten 50 Dezibel.

Zum Vergleich: Als gestern Inzell Sieger beim B3-Dorffest-Wettbewerb wurde, lautete eine Aufgabe, welcher Ort am lautesten schreien konnte. Jeweils zehn Personen traten an und die Sieger brachten es auf 120 Dezibel.

Bei der Geothermie-Baustelle wurden zudem alle Geräte und Aggregate, die Lärm verursachen, eingehaust. Lauter kann es normalerweise nur werden, wenn beispielsweise geflext oder gehämmert wird. Doch diese Arbeiten werden nur unter Tags erledigt, versichert Matthias Schöler. Zudem läuft das Bohrgestänge in der Nacht nur mit halber Kraft. Dadurch verlängert sich aber auch die Zahl der Bohrtage auf 65, obwohl ursprünglich nur sechs Wochen geplant waren. Das liegt auch daran, dass die Regierung von Oberbayern einen entsprechenden Verrohrungsplan aufgestellt hat.

Jetzt haben sich die Verantwortlichen zusätzlich ein Verfahren erdacht, um den Lärm beim Rohreinbau zu reduzieren. Dabei werden die Rohre von einem Kran zu einem anderen Kran freischwebend in das Bohrloch eingeführt. Weigl sagt aber auch, dass sie extra ein Hotel angemietet haben, um Anwohnern bei zu starker Lärmbelästigung eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu bieten.

Gar nicht nachvollziehen können die Mitglieder der Projektgruppe den Vorwurf, dass es durch die Bohrung zu starken Vibrationen kommt. "Der Wasserglastest zeigt, dass hier nichts vibriert", so Weigl. Auch bei einem Rundgang durch die Baustelle sind keine Vibrationen feststellbar. Die dritte Informationsstufe sind im übrigen die Hausbesuche, die die Stadtwerke weiter regelmäßig machen.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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