Berufspaten geben Initialzündung

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Stolz zeigt Maxi Joschko (Zweiter von links) sein Praktikumszeugnis her. Mit auf dem Bild sein Berufspate Hermann Tischler (rechts), Projektleiterin Daniela Snajder und Serhat Arslan, der froh ist um die Hilfe der Berufspatenschaften.

Waldkraiburg - "Das Praktikum hätte ich ohne Herrn Tischler nie bekommen", berichtet Maxi Joschko über seinen Berufspaten. Die Paten unterstützen Jugendliche auf ihrem Weg ins Berufsleben.

Beim bundesweiten Aktionstag "zusammen wachsen" beteiligte sich der Kreisjugendring mit seinem Projekt "Berufspatenschaften" zusammen mit "Soulfood Music" am Mittwochscafé in der Schenkerhalle. Es geht um die Unterstützung von Jugendlichen - vor allem derer mit Migrationshintergrund - auf ihrem Weg ins Berufsleben. Das haben beide Projekte im Sinn - die Berufspaten sowie "Soulfood Music". Letzteres ist Streetworking "von der Straße für die Straße", berichtet Initiator Christian Miler, besser bekannt als "Coco".

Macht Streetworking auf seine eigene Art: Rapper Christian Miler (rechts). Er singt und jammt mit den jungen Burschen.

Der 38-jährige Rapper weiß, wie es am sozialen Abgrund aussieht und will jungen Leuten, denen die Gesellschaft wenig Chancen gibt, diese Erfahrungen ersparen. Das macht er mit Hip-Hop und Rap, singt und jammt mit ihnen, versucht, ihnen klar zu machen, wie wichtig eine Lehre ist. Und Respekt vor anderen Menschen. Er hat einen guten Draht zu den jungen Waldkraiburgern.

Das kommt dem Kreisjugendring (KJR) zu Gute. Denn Christian Miler bringt sich mittlerweile auch beim Mittwochscafé ein, das der KJR ins Leben gerufen hat und stark profitiert vom Engagement seiner FSJlerin Anna Wiebe. Die junge Frau, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, steht mit schwarz geränderten Augen und Misfits-Shirt hinter dem Tresen und verkauft an die Besucher des Mittwochscafés Apfelschorle und Spezi für 50 Cent. Alkohol wird natürlich nicht ausgeschenkt. Wer will, darf auf die Bühne ans Mikro und "Freestylen". Dabei rappen die jungen Leute. Sprechgesang frei von der Leber weg.

Heute gibt es ein paar Gäste, die ins Auge stechen. Etwa Berufspate Hermann Tischler im schicken Anzug und Daniela Snaijder, Projektleiterin der Berufspaten. Anlass ist der bundesweite Aktionstag "zusammen wachsen", wie Andrea Lübben, pädagogische Mitarbeiterin, in ihrer Begrüßung sagt. Beim "Zusammenwachsen" gehe es um die ehrenamtliche Unterstützung von Jugendlichen, damit diese ins Leben und in den Beruf finden.

Und genau das machen die ehrenamtlichen Berufspaten - Lübben hat ebenfalls eine Patenschaft übernommen. Ihr Schützling hat sich in mehreren Praktika hartnäckig eine Lehrstelle gesichert, obwohl er nur den Quali hat und sein Arbeitgeber die Mittlere Reife voraussetzt - normalerweise.

Hermann Tischler engagiert sich bereits seit sechs Jahren. Er erklärt, wie wichtig es sei, den Jugendlichen zu helfen, schon in der achten Klasse Praktikumsplätze zu finden, um herauszufinden, welches Berufsbild am besten passt - entsprechend der Möglichkeiten und Fähigkeiten. Je früher umso besser also, denn so könne die Berufswahl noch korrigiert werden und verhindere ein Abbrechen der Lehre. Als ehemaliger Bankchef habe er geeignete Kontakte zu Betrieben. Wichtig sei das Zusammenspiel. Die Bereitschaft des Schützlings und auch der Familie sowie der Schule müsse vorhanden sein, sonst habe das Engagement des Paten wenig Sinn, so Tischler.

In dieser Funktion gibt der Stadtrat Tipps für das richtige Verhalten, etwa beim Bewerben. Es komme im Berufsleben natürlich auf Tugenden wie Ehrlichkeit, Fleiß, Ausdauer und Pünktlichkeit an. Das will er den jungen Leuten mit auf den Weg geben. Geholfen hat er schon einigen. Etwa Maxi Joschko.

Der 14-Jährige durfte im Haus der Kultur in die Veranstaltungstechnik hineinschnuppern. Nun strebt er eine Lehrer als Elektriker an und will sich dann zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik weiterbilden. "Herr Tischler hilft mir bei allen Fragen und bei den Bewerbungsanschreiben", freut sich Maxi. Sein Kumpel Serhat Arslan ist 15 und trifft sich wöchentlich mit seinem Berufspaten Helmut Schleich.

"Er macht mit mir Bewerbungstraining und hilft dabei, mir ein Bild von verschiedenen Berufen zu machen", berichtet Serhat. Mittlerweile hat der Mittelschüler schon drei Praktika absolviert: bei der EMG, bei Elektro Ruppin und der Schreinerei Vetter. So hat er gemerkt, dass eine Lehre zum Elektriker nichts für ihn ist. Jetzt will er Schreiner oder Modellbauer werden.

Auch Raimund Schneider aus Mettenheim ist gekommen. Seit drei Jahren engagiert sich der Heizungsbaumeister im Ruhestand als Berufspate. Er bildete früher Lehrlinge aus und hat ein Händchen für diese Klientel. Mit dem Projekt hat er "sehr gute Erfahrungen" gemacht und hält es für eine "sinnvolle Sache".

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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