Benes Vision: Blühendes Orchester

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Der neue Dirigent der Orchestergemeinschaft: Ferenc Szelim Bene freut sich auf die künftige Aufgabe und setzt auf eine gute Zusammenarbeit mit den Orchestermitgliedern und mit der Musikschule.

Waldkraiburg (WN) - Nach der Ära Ertelt gibt er den Takt an in der Orchestergemeinschaft Waldkraiburg: Ferenc Szelim Bene. Auf den 40-jährigen Flötisten und Musikschullehrer werden große Hoffnungen gesetzt.

Das traditionsreiche Waldkraiburger Laienorchester ist im Umbruch. Es braucht dringend Nachwuchs. Ferenc Szelim Bene weiß um die große Herausforderung, vor der er mit seiner Wahl zum neuen Dirigenten steht. Im Moment dominiert aber nicht dieser Erwartungsdruck, sondern die Vorfreude auf die Aufgabe. "Es gibt kein schöneres soziales Miteinander unter den Menschen als das gemeinsame Singen und Musizieren."

Mit dieser "beglückenden Erfahrung" ist der Musiker groß geworden. Seit er elf Jahre war, hat er in Sinfonieorchestern gespielt, mit 14 zusammen mit Mitstudenten ein Kammerorchester gegründet. "Wir haben versucht, die Brandenburgischen Konzerte zu spielen", lacht er und erzählt wenig später begeistert von der "Faszination" des Orchesterspiels, die regelrecht "süchtig" machen könne.

Als Sechsjähriger war der Sohn einer deutschstämmigen Familie in Ungarn in die Musikschule gekommen. Sein Talent wurde bald erkannt. Ferenc spielt im Fernsehen und machte bei Rundfunkaufnahmen mit. Mit 14 wechselte er an eine Spezialschule, um sich aufs Studium vorzubereiten. Eine Orchestertournee durch Deutschland nutzte er, um sich im 1986 in den Westen abzusetzen.

Wenig später nahm der 17-Jährige ein Studium am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium auf, das er 1990 abschloss. Seitdem arbeitet er als Lehrer für Querflöte an der Sing- und Musikschule Waldkraiburg. Selbst als er Anfang der 90er als Stipendiat der Herbert-von-Karajan-Stiftung bei den Berliner Philharmonikern an Schallplattenaufnahmen und Konzerten, etwa bei den Salzburger Festspielen, mitspielte, unterrichtete er weiter.

Der Flötist wirkte als Aushilfe bei den Bamberger Symphonikern und im Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks mit. Orchestermusik auf hohem und höchstem professionellen Niveau - doch Bene entschied sich gegen dieses, sein ursprüngliches Berufsziel. Äußerst kritisch sieht er den heutigen Konzertbetrieb. "Entgegen aller anderslautender Beteuerungen sind nicht die Werke, sondern der Interpret das Wichtigste." Der Beliebigkeit sei damit Tür und Tor geöffnet.

Ferenc Bene will nicht "der Star" sein. "Ein Dirigent ist für das Orchester und das Werk da", sagt er. Als "Koordinator und Unterstützer" sieht er seine künftige Rolle. Keine Frage: Der Neue am Pult geht mit Erwartungen an die Aufgabe heran, mit dem Anspruch an die Orchestermitglieder, "gezielt an den Werken zu feilen, ans Detail zu gehen".

Bene: "Meine Aufgabe ist es, dabei zu helfen." Seine eigenen Erfahrungen als Orchestermitglied, ob als Schüler oder Profi, spielen da für ihn eine wichtige Rolle. "Ich habe es von der leidtragenden Seite erlebt."

Wie im Musikunterricht will der 40-Jährige "die Latte immer höher hängen", dabei aber behutsam vorgehen. "Der musikalische Anspruch muss mit den technischen Möglichkeiten einhergehen."

Die Literaturauswahl muss darauf Rücksicht nehmen. "Es macht keinen Sinn, mit Tschaikowski-, Bruckner- oder Strauss-Symphonien zu kommen." Frühklassik, Barock, auch Romantik und das ein oder andere moderne Werk - daraus wird sich das Programm im Wesentlichen zusammensetzen.

Das wird schon mit Planungen für das erste Jahr deutlich: Das Jahreskonzert am 20. November 2010 will er unter das Motto "Kinder in der Musik" stellen. Die Kindersinfonie von Leopold Mozart, die 1. Sinfonie, die Wolfgang Amadeus mit neun Jahren komponierte, und Georges Bizets "Jeux d'enfants" hat er ausgewählt. Die Tatsache, dass er für ein Doppelkonzert für zwei Celli von Händel auf Solisten von der Musikschule baut, gibt eine Richtung an: Die Zusammenarbeit mit der Musikschule soll intensiviert werden, auch mit einem zweiten Projekt: der Aufführung der Kinderoper von Cesar Bresgen, für die er aber noch keinen Termin nennen kann.

Beide Seiten werden davon profitieren: die Musikschule, der bisher ein Sinfonieorchester sehr gefehlt habe; die Orchestergemeinschaft, die "ohne Aushilfen im Moment nicht mehr spielfähig ist". Drei weitere langjährige Orchestermitglieder werden nach Benes aktuellem Kenntnisstand aufhören. Bislang ungelöst sind die Probleme bei den Mangelinstrumenten Bratsche und Oboe. Davon abgesehen ist er sehr zuversichtlich, Lücken schließen und Nachwuchs aus der Schule begeistern zu können. Bene vertraut da auf die "tatkräftige Mitarbeit" der Schule und der Kollegen.

Gute Voraussetzungen sieht er auch für eine "projektweise Zusammenarbeit" mit der Blaskapelle des Musikvereins, die er ebenfalls leitet. Nicht nur weil Aushilfen für die Orchestergemeinschaft kostspielig sind, will der neue Dirigent langfristig ohne sie auskommen. Er sieht auch ein anderes Problem: Die Aushilfen stoßen erst kurz vor dem Konzert dazu. "Sie haben vom Probenprozess nichts mitbekommen."

Anfang Januar wird das Orchester die Proben aufnehmen, mit einer Änderung: Der neue Dirigent legt Wert auf wöchentliche Proben, auch wechselnd mit Bläsern und Streichern, um die Mitglieder nicht zu stark zu belasten. Er ist zuversichtlich, dass die Musiker mitziehen und sich auf diesen Weg einlassen, damit sich Benes Vision erfüllt: "Ein blühendes Orchester, wo alle Altersgruppen miteinander musizieren, Schüler der Musikschule wie Mitglieder reiferen Alters, und die unendliche Fülle an wunderbaren Werken zur eigenen und gemeinsamen Freude erkunden können.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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