Bekenntnis zu Zielen der Vertriebenen

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Der Chor der Siebenbürger Sachsen gestaltete den "Tag der Heimat" musikalisch mit.

Waldkraiburg - Der "Tag der Heimat" sei ein Ausdruck dafür, dass man das kulturelle Erbe der Herkunftsgebiete bewahren will. Das betonte Professor Ortwin Schuster in seiner Festansprache im Haus der Kultur.

Ausführlich ging der stellvertretende Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, Professor Ortwin Schuster, auf die "Charta der Heimatvertriebenen" ein, die im August 1950 vom Bund der Vertriebenen unterschrieben wurde. Seitdem gebe es den Tag der Heimat, der nicht gefeiert wird, aber erinnern soll. "Die Erinnerung ist das Geheimnis der Versöhnung", sagte Schuster. Die Charta wurde vom ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss "ein Dokument der Weisheit" genannt. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete sie "als ein Ergebnis des Nachdenkens".

Der Redner richtete seinen Blick auch in die Zukunft. Ohne die kulturelle Vielfalt könne das europäische Haus nicht gelingen. Aus dem europäischen Blickwinkel sei wieder der Blick auf die Kultur im Osten Europas erlaubt. Dort könne man viele deutsche Kulturelemente wiederfinden. Gerade die Kultur sei die Seele Europas, auch wenn sie bereits viele Narben habe.

Schuster bekräftigte, dass die Heimatvertriebenen alles unwiederbringlich in der alten Heimat verloren haben. Aber sie hätten ihre Lebenskraft nicht verloren und tatkräftig mitgeholfen, Deutschland wieder aufzubauen.

Die Festansprache hielt Professor Ortwin Schuster.

Auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer, der vor kurzem in den Stiftungsrat der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" gewählt wurde, erinnerte an die "Charta der Vertriebenen". Sie sei ein historisches Dokument, das im Kern hervorhebt, dass die Heimatvertriebenen auf jegliche Rache und Vergeltung verzichten. Den "Tag der Heimat" nannte er ein klares, selbstbewusstes Signal, sich zu den Zielen des Bundes der Vertriebenen (BdV) zu bekennen. Die Ziele des BdV seien nichts Überholtes, sondern aktueller denn je. Er forderte, dass das Anliegen der Heimatvertriebenen das Anliegen aller Deutschen sein müsste. Zugleich lobte er die herausragende Lebensleistung Erika Steinbachs, ohne die die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" nicht denkbar sei. Mayer sagte, dass der BdV bewusst das Motto "Durch Wahrheit zum Miteinander" für diesen Tag in diesem Jahr gewählt habe. Das Zusammenleben der Menschen funktioniere nur durch die Wahrheit.

Er betonte, dass es unzweifelhaft sei, dass der Zweite Weltkrieg von Deutschland ausgegangen sei. Das dürfe aber kein Stoppschild sein, darauf hinzuweisen, dass andere Länder an Deutschen ebenfalls Verbrechen begangen hätten. Positive Ansätze seien durchaus erkennbar. Kreisobmann Heinz Hampel, der die Veranstaltung eröffnete, nahm ebenfalls zum Motto des Tages Stellung: "Nur ausgesprochene Wahrheit heilt Wunden."

Klika: Kritik an Bundesregierung

Für Bürgermeister und Schirmherr Siegfried Klika ist der Tag der Heimat eine Pflichtveranstaltung in Waldkraiburg, denn hier habe man mit dem Unrecht der Vertreibung unmittelbar zu tun. Er betonte, dass die Interessen der Vertriebenen heute noch mit Macht vertreten werden müssten. Gleichzeitig kritisierte er die Bundesregierung, die weltweite Menschenrechtsverletzungen mehr im Blick habe, als das Unrecht der Vertriebenen im eigenen Haus. Zugleich forderte er, dass die Schulen das Schicksal der Vertriebenen mehr und intensiver aufgreifen sollten.

Umrahmt wurde der Tag vom Chor und der Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen und der "Herzstürmer Band".

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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