Ist die Baracke schon verfault?

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So sah die Baracke, die bis 2007 der Stangl AG als Aufenthaltsraum diente, früher aus. Sie soll aus Traunreut stammen und enstpricht dem Barackentyp, der auch im ehemaligen Holzlager in Waldkraiburg zu finden war.

Waldkraiburg - Die ehemalige Stangl-Baracke wurde vor der Abrissbirne bewahrt, weil sich das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet hatte. Doch nun faulen die alten Bretter auf dem Bauhof vor sich hin.

Als die Firma Stangl AG das Holzgebäude in Niederndorf 2007 abreißen wollte, schaltete sich der Denkmalschutz ein. Die Stadt Waldkraiburg erklärte sich bereit, die Baracke fachgerecht abzubauen und einzulagern. Man wollte sie an einer geeigneten Stelle wieder aufbauen.

Die Holzteile wurden auf dem Bauhof eingelagert. Doch weil sie im Freien liegen und die Witterung die Abdeckung leiden ließ, fault das alte Holz nun vor sich hin, bemängelt Peter Köhr, der auch 2007 dafür sorgte, dass die Baracke in den Focus der Stadtverwaltung geriet. Er trug damals Exponate für das Industriemuseum Bunker 29 zusammen und informierte Bürgermeister Siegfried Klika über die beiden alten Baracken der Firma Stangl. Die besser erhaltene wurde dann eingelagert.

Der Betrieb hatte sie im Jahr 1964 von der Stadt Traunreut gekauft. Dort wurde sie in der Nachkriegszeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Bei der Stangl AG war sie Archiv und Aufenthaltsraum, heißt es in einer aktuellen Presseerklärung der Stadtverwaltung.

Das klingt nun ganz anders, als noch 2007. Damals ging man noch davon aus, dass diese Baracke ursprünglich im sogenannten Holzlager Pürten stand. Dort waren seit 1940 Zwangsarbeiter für das Pulverwerk der Deutschen Sprengchemie, seit 1946 Heimatvertriebene untergebracht. Als Erinnerung an die Geschichte Waldkraiburgs wollte Klika sie später wieder aufstellen lassen, eventuell in Zusammenhang mit einer Erweiterung des Bunker 29 oder an einem Alternativstandort in Waldkraiburg-Süd.

Mitte 2007 hatte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die sogenannte Denkmaleigenschaft des Gebäudes aufgrund seines geschichtlichen Kontextes mit dem Dritten Reich festgestellt, heißt es in der Pressemeldung der Stadt. Laut Denkmalamt seien diese Baracken weit verbreitet gewesen, allerdings wenige seien erhalten. Vergleichbare Baracken, wie die eingelagerte, standen auch in Waldkraiburg.

"Die Baracke stammt zweifelsohne aus dieser Zeit", sagt Stadtarchivar Konrad Kern. Ihm fehlte 2007 schon der historische Beleg, dass sie in Waldkraiburg stand, die Provinienz sei nicht gegeben. Er selbst habe recherchiert, sogar im Staatsarchiv München. Dach und Fußboden seien nicht mehr Original, allerdings die Wandaufbauten. Die sogenannten RAD-Baracken (Reichs-Arbeits-Dienst-Baracken) seien alle nach einer einheitlichen Systembauweise errichtet worden. Allerdings wäre ein Wiederaufbau laut Kern sehr teuer, vor allem die Rekonstruktion von Details. Die Idee, den Bürgern heute zu zeigen, wie man dort vor 70 Jahren gehaust hat, sei grundsätzlich gut.

Die Stadt bestätigt, dass das Holzhaus schon beim Abbau 2007 in einem eher schlechten Zustand war; Teile der Grundschwelle und angrenzende Partien waren stark verfault. Dennoch wolle man sie auf jeden Fall erhalten. Fragt sich nur, wie lange die alten Holzteile der Witterung noch standhalten, oder ob sie schon total verfault sind.

kla/Mühldorfer-Anzeiger

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