Automobilindustrie: Hightech aus Waldkraiburg

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Airbags für den asiatischen Raum liefert die Firma TRW Airbag Systems in Aschau, hier ein Test mit Dummys.

Waldkraiburg - Waldkraiburg hat nicht nur in Bayern einen guten Ruf: Heimische Automobilzulieferer liefern seit langem hochqualitative Hightech-Produkte - und das in alle Welt.

Ohne Autos wäre der Industriestandort Waldkraiburg-Aschau im wahrsten Sinne des Wortes ärmer. Von den heimischen Automobilzulieferern gehen Hightech-Produkte in alle Welt. Mehrere tausend hoch qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze, über eine halbe Milliarde Jahresumsatz hängen am Auto, und über Gewerbe- und Einkommenssteuer auch die Kommunen.

Welche Bedeutung die Automobilzuliefererfirmen in der Landkreismitte haben, das wurde - in negativer Hinsicht - im Krisenjahr 2009 deutlich, als in der Branche Kurzarbeit verordnet wurde und Stellenstreichungen im Raum standen, als Bürgermeister und Kämmerer über Steuereinbrüche klagten. Die Wirtschaft hat sich wieder erholt und seit vergangenem Jahr ist das Auto wie so oft ihr Motor.

Viele Firmen profitieren davon, dass vor allem im asiatischen Raum die Nachfrage angestiegen ist, auch die TRW Airbag Systems in Aschau, ein "global Player", der nahezu zu allen Fahrzeugherstellern Geschäftsbeziehungen hat, in Europa zu den "großen Zwei" der Branche gehört. Zu Beginn des Jahres ist die Zahl der Mitarbeiter inklusive Leiharbeiter in Aschau wieder über die Marke von 900 geklettert. Der Hersteller von Gasgeneratoren für Airbags ist einer der größten Arbeitgeber in der ganzen Region. Gut 100 Ingenieure sind laut Geschäftsführer Richard Stanzel in der Entwicklung beschäftigt. Am Standort Aschau befindet sich ein globales Entwicklungszentrum innerhalb des amerikanischen Großunternehmens. Knapp 20 Millionen Generatoren werden in Aschau hergestellt, etwa 25 Millionen in einem weiteren Werk in Laage bei Rostock. Von den rund 440 Millionen Euro Jahresumsatz der TRW Airbag Systems GmbH geht gut die Hälfte auf Aschau zurück.

Noch ein Marktführer in Sachen Automobilzulieferung: die Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik GmbH (SGF) in Waldkraiburg und Kraiburg hat bei qualitativ anspruchsvollen Antriebsgelenkscheiben und Abgasanlagenaufhängungen weltweit eine Spitzenposition. Hersteller wie Audi, BMW, Chrysler, Ford, General Motors, Mercedes, Skoda und VW setzen auf Produkte "made in Waldkraiburg". Rund 500 Beschäftigte hat das Unternehmen. Rund 90 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes von 90 Millionen Euro generiert das Unternehmen nach eigenen Angaben durch die Zulieferung an die Automobilbranche.

Gummiwerk liefert an Zulieferfirmen

Für Gelenkscheiben von SGF, aber auch für Benzinleitungen, Hochtemperatur-Dichtungen, Scheibenwischer, Tankdeckeldichtungen, Turbolader-Schläuche und vieles mehr liefert das Gummiwerk Kraiburg Kautschukmischungen an Automobilzulieferer, die für alle namhaften Autohersteller produzieren. Von den 390 Mitarbeitern am Standort Waldkraiburg wurde 2010 weltweit ein Umsatz von 90 Millionen Euro erwirtschaftet, etwa 40 Prozent trägt dazu nach Unternehmensangaben das Geschäftsfeld Automotive bei.

Auch das Schwesterunternehmen, die TPE Kraiburg, die ebenfalls zur "KRAIBURG-Holding" gehört, ist ein wichtiger Zulieferer der Zulieferer. Als Dichtungsmaterialien oder Scheibenumspritzungen, zum Beispiel für die 7er-Modelle von BMW und fast alle gängigen VW-Modelle, kommen leistungsfähige Kunststoff-Verbindungen des Unternehmens im Außenbereich von Autos zum Einsatz, als Oberflächenmaterialien, etwa für Armauflagen oder Schalthebel, im Innenbereich. Und sogar unter der Motorhaube, wo Ringe aus einem speziellen TPE-Gummi als Anschlagpuffer in Getriebesystemen dienen. Etwa ein Drittel des weltweiten Umsatzes von 95 Millionen Euro (2010) entfällt auf dieses Geschäftsfeld. 15 Prozent der 250 Arbeitsplätze in Waldkraiburg (weltweit 350) hängen am Automobil.

Die Nigu Chemie GmbH, ein weiterer Waldkraiburger Chemiebetrieb, der zur Trostberger "AlzChem" gehört, profitiert vom Auto. Die Firma, die 60 Mitarbeiter beschäftigt, liefert eine Komponente für den Airbag-Treibstoff, Nitroguanidin.

TRW: Partner im asiatischen Raum

Die TRW im benachbarten Aschau gehört zu den Kunden, vor allem aber Partner im asiatischen Raum. Etwa ein Zehntel des Jahresumsatzes von 25 Millionen Euro geht laut Vertriebs- und Marketingchef Dr. Siegmund Walz darauf zurück.

Produktionsmaterialen aus Waldkraiburg kommen auch bei der Firma MD Elektronik GmbH zur Verarbeitung. In über 140 aktuellen Fahrzeugmodellen finden sich laut Firmenangaben leistungsfähige, temperaturbeständige, störunempfindliche und belastbare Kabelleitungen und Module von MD Elektronik. 170 Millionen Euro Jahresumsatz macht die MD-Gruppe in Waldkraiburg. 80 Prozent der Arbeitsplätze im Unternehmen (2200 weltweit/220 in Waldkraiburg), das europaweit zu den führenden Kabelkonfektionären gehört, sind vom Auto abhängig.

Nicht unmittelbar, aber indirekt profitiert auch die Medi Kabel Handels GmbH vom Automobil. Die Firma mit mittlerweile über 60 Mitarbeitern beliefert "Unterliefereranten von Zulieferern". Laut Geschäftsführer Hans Zacherl machen sie etwa ein Viertel der Kunden aus, Firmen zum Beispiel, die mit Medi-Ware Motoren für Fensterheber bauen.

Ebenso wie die Firma Haldenwanger, die Keramikteile für Härteöfen liefert, in denen Teile für Autos gebrannt werden. "Insofern merken auch wir etwas von der starken Nachfrage Automobilen", sagt Geschäftsführer Joachim Mayer.

Am Auto hängt, zum Auto drängt fast jeder Betrieb, so scheint es. Sogar solche, die selbst auf dem zweiten Blick nichts damit zu tun haben. "Wir sind definitiv kein Automobilzulieferer", sagt Albert Tauschhuber, Vorstand der EMG Casting AG. Ein bisserl stolz ist er aber schon auf die Lieferantennummer bei BMW. Schließlich war es nicht irgendein Auto, für das die Gießerei vor knapp einem Jahrzehnt Spezialteile aus Aluminium für die Ablage hinter den Sitzen des Z8 entwickelte und produzierte. Also auch der legendäre Sportwagen von BMW, von dem nur einige tausend Exemplare in Handarbeit gefertigt wurden. Es gibt eben nur wenige Autohersteller und Modelle, die ohne ein Stück Waldkraiburg auskommen.

re/Waldkraiburger Nachrichten

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