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Waldkraiburg - "Captain Pamphile" - den Roman von Alexandre Dumas gibt es derzeit als Bildroman in der Städtischen Galerie im Haus der Kultur zu sehen.

75 Exponate erzählen die fast vergessene Geschichte von Dumas Captain Pamphile Dicht an dicht hängen die Exponate. 75 Stück. So gesehen erinnert die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie Waldkraiburg an die Votivtafelsammlung im Umgang der Gnadenkapelle in Altötting. Eine Wallfahrt zur Kunst? Warum eigentlich nicht. Zwar verbirgt sich hinter „Captain Pamphile“ nichts für das eigene Seelenheil. Aber die Werkschau ist zweifellos ein beeindruckendes Dokument, ein bedeutender Querschnitt, der Auskunft über die Malerei von heute gibt. Und damit ist für jeden Besucher etwas dabei.

Es gibt mehrere geschichtliche Linien, die zum Entstehen der Ausstellung geführt haben. 2009 regten in Berlin die Künstler-Kuratoren Gunter Reski und Markus Weber mehrere Kollegen dazu an, zu vorgegebenen Textstellen des Dumas-Romans „Captain Pamphile“ Bilder zu malen. Anschließend haben sich Galerien aus Waldkraiburg und Hamburg für diesen Anlauf auf Dumas interessiert und eine Vielzahl von Künstlern gebeten, sich mit dem Stoff auseinander zu setzen. Das Echo: Über 50 Künstler lieferten 75 Exponate. So entstand eine fantastische Sammlung, ein Querschnitt durch die deutsche gegenständliche Malerei der Gegenwart.

"Captain Pamphile" in der Städtischen Galerie

Eben weil sich die Werke verschieden eng an die Textvorlage halten, entsteht einerseits eine Folge, die der Handlung grob entspricht. Andererseits lassen die Künstler viel von ihrer Fantasie einfließen und zugleich Bezüge zu unserer Zeit entstehen. Hervorragendes Beispiel: „Hunting Glory“ von Katrin Plavcak. Das erlegte Nilpferd wird von Typen umgeben, die eher unserer Film- und Fernsehwelt entstammen als der Welt des sagenhaften Kapitäns. Oder das große, ovale, blaugrundige Schild von Wawa Tokarski mit dem Titel: „Sorry, we‘re out of Fair Trade“ – „Wir bedauern, Fair Trade ist uns gerade ausgegangen“. Ein schöner Gag, der nachdenklich macht. Die andere geschichtliche Linie liefert Dumas selbst, in seinem Roman. 1831 brachte er dem Maler Descamps eine Schildkröte, um sie vor dem Kochtopf zu retten. Die Menagerie, die der Tierfreund unterhielt, inspirierte Dumas zu einigen Kurzgeschichten über den Affen, den Frosch, den Bären und andere Lebewesen. Irgendwann ließ er sich wohl auch von dem Lebenslauf des schottischen Kapitäns Gregor McGregor (geboren 1788) inspirieren. Der Dichter fügte schließlich alles zu einem fantastischen, abstrusen, verworrenen und makabren Abenteuerroman zusammen, der 1839 erschien. Darin wird der Held versklavt, erlebt Piraterie und Meuterei, stolpert durch einige Erdteile und Urwälder und begegnet eigenartigen Eingeborenen. Kurz, ein sattes Bündel Erzählkunst.

In der Ausstellung lassen sich die aktuellen Bezüge an einigen Stellen finden. So ist beispielsweise der Captain in einen betrügerischen Grundstücksverkauf verwickelt. Die Flächen sind von Moskitos verseucht, diese Wertminderung wird verschwiegen – und von Stefan Ettlinger illustriert. Weitere Schlaglichter sind die Urwalddarstellungen von Nikolaus List und Piotr Nathan, die gute Beispiele für fantastische Kunst im Jetzt darstellen. Die Geschichte hat schon früh eine Illustration erfahren, die etwa 1878 veröffentlicht wurde. Im Gegensatz dazu will die umfangreiche Werkschau aber keine handlungsgetreue Illustration sein. Der Auftrag an die Künstler war vielmehr ein Impuls, der Kreativität provozieren sollte. Das ist gelungen. Und wie.

Am 17. Oktober findet eine Führung durch die Ausstellung statt. Sie ist außerdem noch bis zum 21. November geöffnet.

ha

Rubriklistenbild: © amu

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