Aufgeregt mit wackligen Knien

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Hier war Dominikus (rechts) noch ein Bub. Mit auf dem Bild sein Vater Joe und seine Geschwister.

Waldkraiburg - Sie wird mit großem Interesse erwartet: die Sonderausstellung des Waldkraiburger Stadtmuseums über die legendäre Artistenfamilie Stey.

Dokumente über ihre Arbeit und Geschichte sind bis September im Haus der Kultur zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 5. Juli, um 15 Uhr.

Vor einigen Jahren haben sich die einstigen Hochseilartisten hier angesiedelt. Heute sind sie hauptsächlich als Schausteller tätig und auch heuer wieder auf dem Waldkraiburger Volksfest präsent. Vor Eröffnung dieser Ausstellung sprachen wir mit Dominikus Stey, der mit seiner Mandelbrennerei „Die süße Linie 8“ ebenfalls auf dem Volksfest zu finden ist, über seine Zeit als weltweit gereister Artist.

Wann sind Sie das erste Mal als Artist auf das Hochseil in der Arena ihres Vaters Joe Stey gegangen?

Da war ich etwa fünf, sechs Jahre alt, als ich zum ersten Mal bei einer Vorstellung auf dem Maria-Hilfs-Platz in München mitarbeiten durfte. Völlig aufgeregt mit wackligen Knien, aber das kam daher, da ich eine viel zu weite Hose unseres Clowns als Kostüm angezogen hatte, die sich dauernd um meine Beine verheddert hatte. Vorher aber hatte ich schon mit vier Jahren beim Großvater auf einem niedrigeren Seil probiert. Völlig aufgeregt war bei meinem Debüt aber auch mein Vater, der mir dann vorerst das Selbstlaufen untersagte und mich zunächst nur noch als Obermann auf das Hochseil mitnahm. Dann aber war ich bis zum 21. Lebensjahr immer auf dem Hochseil tätig. Mit meinem Bruder und einer Schwester haben wir uns damals eine Luftnummer mit einer Leiter und eine Darbietung auf einem etwa zwei Meter hohen Drahtseil aufgebaut, mit der wir viele Engagements auf der ganzen Welt bekamen. Oft auch in München beim Circus Krone, mit dem wir auch 1949 auf die erste Sommer-Zeltsaison nach dem Krieg gegangen sind. Gerade rechtzeitig zum Saisonstart wieder genesen, denn während des Winters hatte ich mit der Luftnummer einen Absturz, der erhebliche Verletzungen brachte.

Ein ganzes Leben auf Reisen. Welche Erinnerungen haben Sie an die schönsten, interessantesten Engagements?

Es gab viele schöne Gastspiele. Aber sicher waren die Tourneen mit dem Circus Knie in der Schweiz für uns am angenehmsten. Ein schönes Land, ein ganz tolles Programm, wunderbares Publikum und vor allem eine ausgesprochene familiäre Atmosphäre in diesem Unternehmen. Über den Bruder meines Großvaters, der mit einer Knie-Tochter verheiratet war, waren wir mit dieser Dynastie verwandt. Sehr schöne Engagements aber gab es auch in Skandinavien bei den gepflegten Unternehmen von Schumann und Miehe. Gar nicht zu vergleichen mit dem Riesen-Zirkus Ringling in Amerika, der nur in Hallen ab 15.000 Zuschauern und mit Hunderten von Artisten in seinem Drei-Manegen-Programm spielt. Unser überall besonders aufgenommenen Höhepunkt, der gleichzeitig auf zwei Drahtseilen gesprungene Vorwärtssalto, kam da oft in diesem Gewühl nicht richtig zur Geltung.

Mehr als 40 Jahre Artist und jetzt Schausteller. War die Umstellung schwer? Haben Sie noch Kontakte zur Artistenwelt?

Ja, die ersten Jahre, die waren schon sehr schwer. Vier, fünfmal habe ich aufgehört und … wieder angefangen. Spontan eine Offerte an mir bekannte Varietés gemacht und ein neues Engagement angenommen. Mit der Zeit aber hatte man sich mit der Umstellung abgefunden, aber immer wieder alte Freunde beim Zirkus aufgesucht. Heute nicht mehr so oft, aber gute Programme bei Krone oder bei Roncalli besuchen wir immer noch. Auch der kürzlich in Waldkraiburg gastierende Circus Crocofant konnte mit einem sehenswerten Programm aufwarten.

Ihre Kinder, auch die Ihres Bruders, Ihres Cousins und Ihrer Cousine sind die erste Generation in der Geschichte der Stey-Familie, die nicht mehr als Artisten arbeitet, haben sie nichts mehr vom Blut ihrer Vorfahren mitbekommen?

Als Artisten arbeiten sie nicht mehr, aber das Künstlerische auf vielen Ebenen, das schlägt weiter bei Ihnen durch. Meine Kinder haben Ballett-, Gesangs- und Musikunterricht erhalten. Meine Tochter Renate ist mit dem Sohn meines Cousins Alex mehrfach bayerischer und deutscher Meister im Latein-Tanz in ihren Klassen gewesen. Renate gestaltet mit ihrem Bruder Rudi eine erfolgreiche Musical- und Varieté-Schau. Und das Interesse am Beruf ihrer Vorfahren ist stark ausgeprägt, hat doch mein Sohn Rudi auch den Anstoß für die jetzige Ausstellung im Haus der Kultur gegeben.

kha

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