Tier in Aschau/Inn mit Gegenstand missbraucht

Experte klärt auf: Kann ein Pferd so ein Trauma je bewältigen?

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Aschau am Inn - Anfang der Woche wurde ein Pferd das Opfer einer grausamen Misshandlung durch einen unbekannten Täter. Ein Experte erklärt, ob es dieses Trauma jemals wird bewältigen können.

"Man muss einmal grundsätzlich bedenken, dass ein Tier ein Fluchttier ist", erklärt der in Habach im Landkreis Weilheim-Schongau praktizierende Tierarzt mit Spezialisierung auf Pferde, Andreas Rakowsky. "Wenn so eine Tat im Stall geschieht, seinem sicheren Rückzugsort, wo es dann auch keine Fluchtmöglichkeit hat, ist das besonders schlimm für es." 

Rakowsky ist entsetzt von der Tat in Aschau am Inn. "Mir ist einfach unbegreiflich, wie jemand so etwas tun kann." Er hoffe sehr, dass der Täter gefasst wird. 

Tier wird Trauma vermutlich nie wirklich loswerden

Er kann auch erklären, warum das Tier seinen Peiniger nicht verletzt hat, auch wenn ein Pferd sich eigentlich durchaus mit Tritten wehren kann. "In so einer Lage schaltet ein Pferd dann auch einmal vollkommen ab, fährt jeden Abwehrmechanismus herunter", erläutert er. Er selbst habe es erlebt, dass ein Pferd in einem Moor bis zum Hals eingesunken war und dann einfach aufgegeben habe. 

"Das psychische Trauma davon wird es vermutlich nie wirklich loswerden", erläutert Rakowsky weiter. Auch wenn es viele Möglichkeiten dafür gäbe, dem Tier beispielsweise durch eine Haltung in einem offenen Stall die Bewältigung einfacher zu machen. "Oberflächlich mag es sich wieder erholen, aber darunter wird das eingebrannt bleiben." Sollte es sich beispielsweise beim Täter um einen Mann gehandelt haben, könne dies dauerhaft das Vertrauen gegenüber Männern stören.

Vertrauen zu Menschen kann dauerhaft gestört bleiben

"Ich habe das selbst bei Tieren erlebt, die beispielsweise von Züchtern oder Pferdehändlern rau behandelt wurden", berichtet er. "Auch noch viele Jahre danach haben die dann noch scheu reagiert, wenn ich mich ihnen genähert habe." Vor allem könne das Trauma ausgelöst werden, wenn das Pferd wieder eine vergleichbare Situation durchlebe. 

"Da kann es dann schon reichen, wenn spät nachts nochmal jemand durch den Stall geht, um nach dem Rechten zu sehen", erklärt er. "Sowas kann dann durchaus gefährlich für den Besitzer oder einen Stallburschen werden", mahnt er, "Wenn so ein 500-Kilo-Tier dann in Panik gerät und dann um sich tritt." 

Polizei ermittelt nach Tat

Eine 27-jährige Pferdebesitzerin machte am Dienstagmorgen eine erschreckende Entdeckung. Sie musste beim Versorgen ihrer Stute feststellen, dass eine bislang unbekannte Person das Pferd mit einem noch nicht definierbaren Gegenstand missbraucht hat. Dadurch erlitt das Tier schwerwiegende Verletzungen.

Die Leiterin des Reitstalls teilte unserer Redaktion mit, dass es dem Tier, den Umständen entsprechend, gut gehe. Wie die Waldkraiburger Polizei berichtet, liegt der Tatzeitraum zwischen Montag, 28.01.2019 20 Uhr und Dienstag, 29.01.2019, 9 Uhr. Die Ermittlungen der Polizei in diesem Fall dauern an.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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