Aschau will mit Waldkraiburg zusammenarbeiten aber

Das Schwimmbadprojekt könnte kippen: "Dann fangen wir wieder von vorne an"

Das Projekt „Gemeinsames Schwimmbad für Waldkraiburg und Aschau am Inn“: Es könnte beendet sein, noch bevor es richtig begonnen hat. 
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Von links nach rechts: Die Bürgermeister von Aschau (Alois Salzeder/UWG) und Robert Pötzsch (UWG)

Aschau am Inn – Das Projekt „Gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg“: Es könnte beendet sein, noch bevor es richtig begonnen hat. Der Grund: Bei einigen Aschauer Bürgerinnen und Bürgern stößt das Projekt auf Kritik.

"Bevor die Leute ihre Unterschrift (im Bürgerbegehren) für einen Bürgerentscheid hergeben, sollten sie sich die Fakten bei dieser Versammlung anhören – und danach entscheiden“, hatte Aschaus Erster Bürgermeister Alois Salzeder (UWG) im Vorfeld zur Veranstaltung am Dienstagabend im Gemeindehaus in verlauten lassen. Rund 200 Interessierte waren dieser Einladung gefolgt. Die Stimmung: überwiegend pro „Gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg“.


Rund 200 Interessierte waren am Dienstagabend zum Thema "Gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg" in der Gemeindehalle in Aschau am Inn

Das soll das gemeinsame Schwimmbad haben:

Zunächst berichtete Salzeder über den aktuellen Stand des Projektes. In Fragen der Ausstattung des gemeinsamen Schwimmbades sei die Projektgruppe bestehend aus Vertretern beider Kommunen sei grundsätzlich übereingekommen. Es könnte haben: ein Sportbecken mit acht Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken, ein Babybecken, ein Sprungbecken (1, 3 und 5 Meter), einen Stromungskanal, Massageliegen mit Wasserdüsen, Rutschen, einen Kiosk mit Sitzmöglichkeiten, Liegewiesen mit Beleuchtung eine Eventarena, und öffentliches WLAN. Ausreichend Duschen und Umkleidekabinen wie auch ausreichend Parkplätze und entsprechend ausreichende Lagerräume stehen natürlich auch auf der Wunschliste.


Das könnte das neue gemeinsame Schwimmbad von Waldkraiburg und Aschau haben:

Das soll der neue Badespaß kosten:

Die Ausstattung unterliege freilich dem Kostenvorbehalt. Der Kostenrahmen für das gemeinsame Schwimmbad von Waldkraiburg und Aschau liegt laut Salzeder bei 10,6 Millionen Euro. 1,6 davon würden auf Aschau entfallen. Bei den Besuchen mehrer Schwimmbäder in der Umgebung habe die Projektgruppe einen guten Einblick bekommen, welche Ausstattung ein modernes Schwimmbad haben sollte, was bei den Gästen gefragt ist, so Salzeder.

Auch zu den Kosten wie etwa 80.000 Euro für eine Kinderrutsche sei die Projektgruppe informiert. So werde aller Voraussicht nach nicht alles realisiert werden können, werden Kompromisse gemacht werden müssen, wie etwa, dass das Springerbecken in das Sportbecken integriert werden könnte. Als Beispiel nannte Salzeder das Freibad in Burgkirchen.

Das sind die ersten/nächsten Kosten:

Die Gesamtkosten für Gutachten zur Erlangung von Baurecht auf den betreffenden Grundstücken würden sich netto auf einen Betrag von 35.000 Euro belaufen. 4.400 sollen dabei auf Aschau entfallen. Diese Gutachten seien bereits beauftragt. Zwischen Projektgruppe und Grundstückseigentümern herrsche grundsätzliche Einigkeit. Im Rahmen der Entwurfsplanung liege eine Kostberechnung vor für die Phasen 1 bis 3 (HOAI): 450.000 Euro netto. Davon würden 56.500 Euro auf Aschau entfallen. Die Projektgruppe rechne mit einer möglichen Förderung des Projektes in Höhe von 3,865 Euro.

Das ist der Plan hinter dem gemeinsamen Schwimmbad

Waldkraiburgs Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) erklärte in der Versammlung am Dienstagabend, dass die Kommunen viele Aufgaben der sogenannten „Öffentlichen Daseinsvorsorge“ nicht mehr alleine stemmen können würden. Einrichtungen wie ein Schwimmbad sind – das ist bekannt – defizitär. Heißt: Die Gemeinden und Städte zahlen drauf. Im Waldbad in Waldkraiburg seien es 800.000 Euro pro Jahr. Es gebe viele Beispiele in der Region, wo Kommunen die Reißleine gezogen hätten wie etwa Burgkirchen. Die Keltenhalle musste schließen, das Freibad wird jetzt von den Bädern Burghausen betrieben.

Warum dann noch ein Schwimmbad betreiben?

Wir haben Verantwortung für diese Leute“, erklärte Alois Salzeder dazu. Wolle man als Kommune nicht vergreisen brauche es attraktive Standortfaktoren gerade für die Leistungsträger der Gesellschaft. Dazu gehöre neben den attraktiven Arbeitsplätzen im Chem Delta Bavaria, der Nähe zu den Zentren wie München, etc. auch ein attraktives Freizeitangebot. „Work-Life-Balance“, heißt das in Neudeutsch. „Da müssen wir was tun“, sagte Salzeder.

Warum ein gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg?

Die Antwort auf diese Frage ist laut der Befürworter, zuvorderst Salzeder und Pötzsch, die Kostenersparnis. Soll wohl so viel heißen, wie „Gemeinsam sind wir stark“. Das Waldbad in Waldkraiburg läuft wie viele andere nicht nur defizitär. Es ist in die Jahre gekommen. Somit ergeben sich zwei Möglichkeiten für das Waldbad: Sanieren oder Neubauen.

Sanieren ist teuer. Der positive Effekt einer Sanierung ist offenbar fraglich. Dazu komme, dass die Lebensdauer einer solchen Einrichtung nur verlängert wird. Mit einem Neubau habe man die nächsten 40 Jahre wieder Ruhe. Weiter ist eine zeitgemäße Sanierung deswegen endlich, weil man aufgrund der Lage keine Möglichkeiten auf Erweiterung hat. Waldkraiburg hat sich für den Neubau entschieden. Ziel dabei: Das jährliche Defizit drücken. Der Vorteil für beide – Aschau und Waldkraiburg – ist dabei die gesteigerte Attraktivität.

Das Grundstück an der Staatsstraße 2352, auf dem in interkommunaler Zusammenarbeit von Waldkraiburg und Aschau am Inn ein Schwimmbad neu gebaut werden soll.

Worum es der Projektgruppe "Gemeinsames Schwimmbad (nicht) geht:

  • Mit der Befürwortung für ein gemeinsames Schwimmbad werden laut Salzeder und Pötzsch keine Fakten geschaffen, wie es aussehen wird. Letztendlich sei Stand jetzt noch nicht einmal sicher, ob das Vorhaben überhaupt machbar ist.
  • Um die Machbarkeit prüfen zu können, müsse man die Planungen weiter vorantreiben. Ein Bürgerentscheid in Aschau mit dem Ergebnis contra gemeinsames Schwimmbad verhindert dies. "Dann fangen wir wieder von vorne an", so Robert Pötzsch.

Lesen Sie am Donnerstag den Verlauf der Diskussion zum gemeinsamen Schwimmbad von Waldkraiburg und Aschau.

Mehr zum Waldbad in Waldkraiburg finden Sie auf unserer Themenseite.

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