Debatte in Aschau am Inn

Wie schwer ist es eine leerstehende Wirtschaft im Ort wiederzubeleben?

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Das ehemalige Gasthaus Pichlmeier in Aschau am Inn.
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Aschau am Inn - Der Gemeinderat entschied sich kürzlich, den ehemaligen Gasthof Pichlmeier nicht wiederzubeleben. Doch dagegen gibt es Widerspruch. Wir haben uns erkundigt, wie die Chancen stehen, eine Wirtschaft wiederzubeleben. 

Was soll aus dem ehemaligen Gasthof Pichlmeier werden? Diese Frage treibt derzeit die Gemeinde Aschau am Inn um. Im Gemeinderat wurde dort kürzlich diskutiert, wie die Zukunft der von der Gemeinde erworbenen Immobilie ausschauen soll. Neben einer Nutzung als Heimatmuseum oder zur Schaffung von Wohnraum wurde auch die Wiederaufnahme einer Gastwirtschaft diskutiert. 

Der Standort des ehemaligen Gasthaus Pichlmeier in Aschau am Inn.

Der Gemeinderat sprach sich dann jedoch mehrheitlich, mit drei Gegenstimmen, dagegen aus. Stattdessen soll nun ein Projektausschuss die Möglichkeit der Schaffung von Wohnraum prüfen. Heutige Anforderungen an Lärmschutz und die Schaffung von Stellplätzen könnten nicht erfüllt werden. Zudem gäbe es keine ausreichende Nachfrage mehr und es sei auch eigentlich schon ein ausreichendes Angebot vorhanden.

Forderung nach Fortführung der Gastwirtschaft

Trotzdem beharrte vor allem CSU-Gemeinderätin Daniela Reingruber darauf, dass zumindest ein Teilbetrieb einer Gastwirtschaft ermöglicht werden solle. Es brauche in dieser Lage, zentral und nahe des Friedhofs, weiter eine Wirtschaft mit großem Saal, um beispielsweise einen Leichenschmaus mit vielen Gästen zu ermöglichen. 

Auch in einer Umfrage auf innsalzach24.de sprach sich mit 62 Prozent die Mehrheit der Teilnehmer für eine Wiederaufnahme der Gastwirtschaft aus. Aber wie stehen die Chancen dafür?

Das Wirtshaussterben auf dem Land ist auch in Bayern inzwischen ein verbreitetes Phänomen. "Wobei es natürlich nicht so einfach ist, dass man sagen kann: Eine Wirtschaft auf dem Land lohnt sich heute generell nicht mehr", betont Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA Bayern). "Es gibt durchaus allerhand Erfolgsgeschichten, wo das noch wunderbar funktioniert, auch wenn die Rahmenbedingungen erstmal nicht danach aussahen." 

Kein Patentrezept

Ein Patentrezept für das Gelingen gäbe es genauso wenig wie eine Formel, wann sich eine Wirtschaft garantiert rechnet und wann nicht. "Es ist aber auf jeden Fall in der Regel wichtig, dass eine solche Wirtschaft auch viel von der einheimischen Bevölkerung besucht wird."

Das Gemeinden vor der Wahl stünden, sich zu überlegen ob und wie sie leerstehende Wirtschaften wiederbeleben sei ein bekanntes Phänomen, so John. Das wichtigste zur Wiederbelebung sei, das ein geeigneter Wirt gefunden wird. "Das muss ein Profi sein, der sein Fach und dessen Herausforderungen kennt."

Anforderungen an Wirte haben sich geändert

John gibt zu bedenken, dass die Aufnahme einer solchen Wirtschaft in der heutigen Zeit schwieriger sei, als man sich das als Laie möglicherweise vorstellt.Teils gäbe es sehr niedrige Gewinnmarge n. "87 Prozent aller Wirtschaften in Bayern machen unter 500.000 Euro Jahresumsatz, 36 Prozent sogar unter 100.000 Euro."

"Hinzu kommen sehr stark angestiegene Ansprüche, was die Bürokratie betrifft", führt John weiter aus, "Man muss heute außerdem eine ganze Menge Vorschriften beachten, beispielsweise was die Kennzeichnung von Allergenen betrifft und so weiter." 

John: Eingreifen der Gemeinde schwierig

Eine Teilbewirtschaftung, bei der das Gasthaus nur zu bestimmten Tagen offen hat, sei eine schwierige Sache. "Das kann erfolgreich sein, da müssen aber die Rahmenbedingungen und vor allem die Nachfrage passen." 

Als schwierig sehe er das Modell einer von der Gemeinde selbst mitfinanzierten Wirtschaft an. "Das führt dann natürlich zu einer Wettbewerbsverzerrung, da können dann bestehende Wirtschaften unter Umständen nicht mithalten." 

Wenig bewährt habe sich auch das Modell eines Betriebs durch Ehrenamtliche. "Das mag dann vielleicht für ein Jahr oder etwas mehr gut laufen, dann ist aber irgendwann die Begeisterung bei Kunden wie Betreibern verebbt und es schläft wieder ein." 

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