Aschau und Waldkraiburg wollen zusammenarbeiten

Ist das gemeinsame Schwimmbad machbar oder nicht: "Darum geht es jetzt"

Aschau am Inn – Gibt es ein gemeinsames Schwimmbad zusammen mit Waldkraiburg? Diese Frage kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. In der Gemeinde gibt es Kritik an dem Projekt im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit.

Am Dienstagabend in der Gemeindehalle in Aschau am Inn: Rund 200 Interessierte waren zur Versammlung „Gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg“ gekommen. Zunächst informierte der Erste Bürgermeister Alois Salzeder (UWG) über den Ist-Stand des Projekts, den „Wunschzettel“, was das Bad alles haben könnte, den Stand der Planungen und er lieferte erste Zahlen, was der Badespaß kosten soll: von den Planungskosten über die für entsprechende Gutachten bis hin zum Bau. 10,6 Millionen Euro soll das gemeinsame Schwimmbad mit Waldkraiburg kosten. 1,6 Millionen Euro würden auf die Gemeinde Aschau entfallen. Die Projektgruppe rechne mit Fördergeldern in Höhe von 3,865 Millionen Euro.


Rund 200 Interessierte waren am Dienstagabend zum Thema "Gemeinsames Schwimmbad mit Waldkraiburg" in der Gemeindehalle in Aschau am Inn

Neubau vor Sanierung

Waldkraiburgs Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) erklärte den Hintergrund: Das Waldbad in seiner Stadt soll nur noch so lange betrieben werden, bis der Neubau steht. Es sei schlicht und einfach in die Jahre gekommen und der Betrieb hochgradig defizitär. Eine umfangreiche Sanierung sei darüber hinaus sehr teuer dafür, dass man ein Schwimmbad rettet, das nicht mehr zeitgemäß ist. 


Mitte Mai wurde das Schicksal des Waldbads besiegelt, ein Neubau soll kommen.

Diese „Rettung“ kann seinen Ausführungen nach nur von kurzer Dauer sein. „Nur was Neues ist was Gescheites“, sagte Alois Salzeder dazu. Viele Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge seien in die Jahre gekommen, so Pötzsch weiter. Von Schließung über Sanierung bis hin zum Neubau – Die letztere Lösung sei auf lange Sicht gesehen vor allem finanziell die bessere und im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit könnten beide Kommunen von dem gemeinsamen Schwimmbad-Neubau profitieren.

Warum sich in ein Defizit einkaufen?

Die „Work-Life-Balance“ ist die Antwort. Alle öffentlichen Einrichtungen wie etwa ein Schwimmbad machen – das ist bekannt – Defizite. Warum werden sie dennoch betrieben? Weil sie Teil der weichen Standortfaktoren sind. Nur eine attraktive Umgebung – und dazu gehört neben vielen Dingen wie Kinderbetreuungsangebote, Schulen, einem attraktiven kulturellem Angebot eben auch ein Schwimmbad – macht die Kommunen interessant für Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen

Ein Defizit wie etwa aus einem Schwimmbad, ist dieser Rechnung nach nichts anderes, wie den Steuerzahlern – ob Unternehmen oder Arbeitgebern – etwas zurück zu geben. Je besser die „Work-Life-Balance“ desto gut für die Region, so die Rechung. Ist das Stadtsäckl zu sehr belastet, müssten Abstriche gemacht werden und genau das wolle man in beiden Kommunen nicht.

Zwei Kommunen. Ein Schwimmbad?

Waldkraiburg geht es darum, das jährliche Defizit im Waldbad auf maximal 450.000 Euro zu senken. Das rechnet sich, wenn man von einem Zeitraum von rund 40 Jahren ausgeht, bis dann auch das angedachte neue Schwimmbad in die Jahre gekommen ist. „Wäre es nicht besser, Aschau würde sich an der Sanierung des Waldbades beteiligen?“, war eine Frage auf der Versammlung am Dienstagabend in der Gemeindehalle. 

Mit einem Neubau sind wir besser dran“, antwortete Alois Salzeder auch im Hinblick auf das in Aschau von einigen gern gesehene Naturbad in der eigenen Gemeinde. Ein Neubau eines gemeinsamen Schwimmbades würde auch ein Naturbad ermöglichen. Das Gelände würde für eine solche Erweiterung Platz bieten, das Waldbadgelände mit Umgebung nicht.

Das Grundstück an der Staatsstraße 2352, auf dem in interkommunaler Zusammenarbeit von Waldkraiburg und Aschau am Inn ein Schwimmbad neu gebaut werden soll.

Undurchsichtiger Kostenplan?

Gleich mehrere Fragen beschäftigten sich mit dem Thema der Kosten für das gemeinsame Schwimmbad. Der Plan sei insbesondere finanziell noch nicht durchsichtig genug, so die Begründung. Die Bürgermeister Salzeder und Pötzsch antworteten, dass man sich in der Projektgruppe eben noch in der Planungsphase befinde, man diese gerne abschließen würde. Ein negativer Bürgerentscheid würde alle bisherigen Arbeiten kippen

Das heißt, dass dann Waldkraiburg aber auch Aschau wieder auf sich allein gestellt sind, egal ob Schwimmbad oder Naturbad. Beide Bürgermeister bekräftigten mehrfach, dass mit einem Entscheid für ein gemeinsames Schwimmbad noch nichts in trockenen Tüchern sei. Stadt- und Gemeinderat müssten entscheiden, es werde Bürgerbefragungen und ausreichend Information der Öffentlichkeit geben, wenn - ja wenn - "es überhaupt machbar ist". Die Machbarkeit herauszufinden, darum gehe es jetzt.

Von links nach rechts: Die Bürgermeister von Aschau (Alois Salzeder/UWG) und Robert Pötzsch (UWG)

"Wir verkaufen hier nicht die Seele Aschaus"

Es scheint, als gebe es eine alte Fehde zwischen Aschau und Waldkraiburg. Es scheint eine derer zu sein, von der heute nur noch die wenigsten wissen, wann und aus welchem Grund sie angefangen hatte, so Alois Salzeder auf eine entsprechende Wortmeldung aus den Reihen der interessierten Besucher der Versammlung hin. Er gab zu verstehen, dass der Nachbar Waldkraiburg sehr wohl der richtige Partner sei für ein derartiges interkommunales Projekt.

Wasserverbrauch, "Aschau first" - ja oder nein?, die Jugend, die laut einer jungen Dame sehr für ein gemeinsames Schwimmbad als Treffpunkt wäre und nicht zuletzt die Waldbad-Nostalgie - Diese Versammlung war durchwachsen. Unterschiedliche Meinungen trafen aufeinander. Was dabei rauskommt, muss zuerst das Bürgerbegehren zeigen, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt.

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