Fachkräfte: Der Arbeitsmarkt ist leer

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Der Chemikant Elmar Gößl ist ein gefragter Mann. Die Firma Chemtura sucht händeringend nach weiteren ausgebildeten Chemikanten, die die Anlagen steuern und betreuen.

Waldkraiburg - "Im Handwerk herrscht Fachkräftemangel", sagte kürzlich Heinrich Traublinger, der Präsident des Bayerischen Handwerkstages. Gibt es diesen Mangel auch in den Betrieben in und um Waldkraiburg?

Seit einigen Jahren appelliert Jutta Müller, die Leiterin der Agentur für Arbeit, an die Betriebe, mehr auf die Ausbildung junger Menschen zu setzen. Damit könnten sie sich für den demografischen Wandel wappnen. Die Demografie sieht ganz deutlich vor, dass die Zahl der jungen Menschen abnimmt und sie daher in der Berufswelt bald heftig umworben sein werden, da es mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber geben wird. Das Gleiche gilt für die Zahl der qualifizierten Fachkräfte. Die Waldkraiburger Betriebe gehen bisher unterschiedlich mit dieser Problematik um.

Beispiel Chemtura Manufacturing GmbH: Das Chemie-Unternehmen, bei dem derzeit 143 Mitarbeiter beschäftigt sind, sucht dringend ausgebildete Chemikanten, jene Facharbeiter, die die Anlagen steuern und betreuen. Ohne Erfolg. "Der Markt ist wie leergefegt", sagt Evi Wollenweber, für Personal und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Firma ist deshalb dazu übergegangen, Mitarbeiter selbst weiterzuqualifizieren, beziehungsweise eine berufsbegleitende Ausbildung zu organisieren. "Wenn sich an der Migranten-Politik nichts ändert, haben wir auf Dauer ein Problem", fürchtet Wollenweber.

Derzeit keine Probleme haben das Gummiwerk und die Kraiburg TPE. "Wir haben unsere Mannschaft beieinand", sagt Fritz M. Schmidt und auch Franz Hinterecker hat keinen konkreten Personalmangel. Allerdings räumt er ein, dass es schwieriger wird, Stellen neu zu besetzen. "Das Werben um Absolventen von Fachhochschule oder Universität wird intensiver".

Wolfgang Schäftlmaier vom gleichnamigen Elektroanlagenbauer spürt einen Mangel noch nicht direkt. Doch er setzt auch bereits seit vielen Jahren auf die Einstellung von Auszubildenden. Aktuell bekommen sechs Auszubildende ihre Ausbildung als Elektrotechniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik oder Automatisierungstechnik sowie im kaufmännischen Bereich. "Wenn sie ausgelernt haben, gehen viele auf die BOS oder bilden sich zum Techniker weiter. Danach kommen die meisten aber wieder zurück".

Erhebliche Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern hat Peter Müller. "Wir suchen seit 1994 einen qualifizierten Elektromonteur mit guten Fachkenntnissen". Gute Monteure seien in ungekündigter Stellung und sehen auch keinen Grund zum Wechseln. Als kleiner Handwerksbetrieb hat er aber auch damit zu kämpfen, dass gute Mitarbeiter in die Industriebetriebe abwandern würden. Dort seien die Rahmenbedingungen angenehmer. Auch wenn Peter Müller selbst ausbildet, kann er die guten Mitarbeiter meistens nicht halten.

Auch wenn der Beruf des Bäckers kein Traumberuf ist, kann sich Hartmut Pötzsch nicht beklagen: "Ich leide nicht unter Fachkräftemangel". Das Gleiche gelte bei der Suche nach Auszubildenden. Allerdings kann die Bäckerei Pötzsch auch durch die Gestaltung des Arbeitsplatzes, der Arbeitszeiten und der Rahmenbedingungen punkten. "Keiner meiner Mitarbeiter ist kürzer als zehn Jahre im Betrieb", so Hartmut Pötzsch, der aber auch anmerkt, dass man hier als Unternehmer eben auch flexibel sein müsse.

Bei der Firma SGF hat man die Zeichen der Zeit erkannt und versucht gezielt gegenzusteuern. So hat man eine Statistik erarbeitet, die die demografische Entwicklung im Betrieb aufzeigt. Wo sich Defizite herauskristallisieren, wird man aktiv werden, sagt Kerstin Bottke, Leiterin Personalwesen. So setzt man weiter auf die gezielte Förderung von Mitarbeitern. Bei den Azubis - derzeit sind es 32 - möchte man auch alle übernehmen. Was in nächster Zeit forciert werden soll, ist das duale Studium. Dort bekommt ein Student eine Ausbildung, die stärker praxisorientiert ist. Die SGF möchte hier die Zusammenarbeit mit den umliegenden Fachhochschulen suchen.

Noch keinen Mangel, aber deutlich höheren Aufwand habe man, formuliert es Hans-Peter Rostan von der Firma Netzsch. Die gelte in erster Linie bei der Suche nach Metallfacharbeitern oder Ingenieuren. Bei den Facharbeitern sei der Arbeitsmarkt leer, bei den Ingenieuren gebe es nur wenige, die über Berufserfahrung verfügen. Die Firma Netzsch versucht auf drei Wegen, der Problematik zu begegnen. So habe man die Ausbildungsquote erhöht, setze mehr auf interne Weiterbildung und hole sich qualifizierte Mitarbeiter aus Netzsch-Standorten im Ausland.

Händeringend sucht die TRW Airbag System Mitarbeiter im technischen Bereich. Ingenieure, Techniker oder Automatisierungsfachkräfte, präzisiert Christine Stefan, verantwortlich für das Personalwesen, die Anforderungen und fügt an, dass dies derzeit sehr schwierig sei. Da es eine absehbare Entwicklung war, habe die TRW rechtzeitig auf die Ausbildung gesetzt. Trotz Krise wurden weiter in gleicher Zahl Lehrlinge ausgebildet, die jetzt alle übernommen werden. "Erst gestern machten drei ihre Abschlussprüfung, heute haben sie ihren Arbeitsvertrag bekommen", so Christine Stefan. Zudem versuchen sie Studenten Praktika oder Diplomarbeiten zu vermitteln; natürlich auch mit dem Ziel, passenden Anwärtern auch eine Anstellung anzubieten.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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