"Altes Gelumpe"erhalten?

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Altes Gelumpe oder erhaltenswert? Unter dem Punkt "Stangl-Baracke" (unser Bild) diskutierte der Kulturausschuss über diese Frage. Fotos

Waldkraiburg - Stand sie nun einst in Waldkraiburg, oder nicht? Die Frage nach dem Ursprung der alten Stangl-Baracke, die 2007 am Bauhof eingelagert wurde und seitdem vor sich hin modert, beschäftigte den Kulturausschuss.

Und was soll damit geschehen? Schreddern sagen die einen, zumindest teilerhalten die anderen. Natürlich geht es ums Geld. Um wie viel, ist noch unklar, schließlich verursacht auch schon eine Kostenschätzung Kosten, wie Peter Hegwein, Leiter der Kulturabteilung erklärte.

Der Kulturausschuss beschäftigte sich mit der Frage, was mit der alten Stangl-Baracke, oder dem, was noch davon übrig ist, geschehen soll. Nach dem Bericht der Waldkraiburger Nachrichten vom 14. Januar meldete sich bei Stadtarchivar Konrad Kern, der anzweifelte, dass die Baracke ursprünglich in Waldkraiburg stand, Christine Riedl, geborene Stangl. "Sie konnte aus dem eigenen Erinnern aussagen, dass die Baracke tatsächlich aus Waldkraiburg stammte", berichtete Hegwein dem Gremium.

Stand Baracke neben Teistler-Haus?

Riedl habe weiterhin mitgeteilt, dass die Holzbaracke unmittelbar neben dem heutigen Teistler-Haus, ehemaliges Pförtnergebäude des Steinlagers, stand. Stadtarchivar Kern ermittelte daraufhin die Gebäudenummer 605 im Pulverwerk. Die Hütte soll als Unterkunft für Angestellte der Fabrik gedient haben. In einem Luftbild von 1958 ist auch deutlich eine Baracke zu erkennen. Ob es sich aber definitiv um die Stangl-Baracke handelt, sei nicht mehr zu klären.

Vermutlich sei, so Hegwein, die Baracke beim Verkauf der Liegenschaften der Bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) 1961/1962 in städtisches Eigentum übergegangen. Des Weiteren existiert im Stadtarchiv ein Bauplan, datiert "Februar 1943" von dem alten Holzgebäude.

Die Stadt veranlasste 2007 auf die Initiative von Peter Köhr eine "kurzfristige Sicherungsmaßnahme", wie es Bürgermeister Siegfried Klika in der Sitzung nannte. Andernfalls wäre das Gebäude, das im Verdacht stand, ein Stück Waldkraiburger Geschichte zu sein, der Abrissbirne zum Opfer gefallen.

Sachgemäß sei die Zwischenlagerung freilich nicht gewesen. Derzeit lagern die Teile auf dem Bauhof-Gelände, die Planen, die sie einst bedeckten, sind vom Wetter zerfetzt, die Fäulnis der Bretter schreitet voran.

"Wenn wir noch was retten wollen, müssen wir jetzt die Teile separieren und im feuchten Zustand wieder hinbiegen und dann regensicher lagern", so Klika, der dafür ist, zumindest einen Teil zu erhalten und wieder aufzustellen, schließlich handle es sich um eine der berühmten Reichsarbeitsdienst-Baracken. Dazu bräuchte es zuvor eine Sichtung und eine Kostenschätzung. Eine richtige denkmalhistorische Aufarbeitung schloss er aus Kostengründen aus.

Bretter sind angefault - Lohnt sich Erhalt?

Der Ausschuss diskutierte im Folgenden, ob sich das überhaupt lohnt. Getraud Kesselgruber, Kulturreferentin, stellte sich entschieden dagegen. Durch das Stadtmuseum sei gut dargestellt, wie das Leben früher war. Bei der Baracke fehlen ihr die endgültigen Herkunftsbeweise. "Wozu sichten, wenn man keine didaktische Aufbereitung vorhat?"

Klika sagte, er könne sich am "Weg der Geschichte" den Standort Holzlager vorstellen. Anton Sterr sagte, er sei gegen eine rigorose Entsorgung der Bretter. Allerdings will er eine Kostenschätzung sehen, um abwägen zu können, ob ein Erhalten sich lohnt.

Reinhard Babiak, Dritter Bürgermeister, warf ein, dass die Haushaltslage ohnehin schwierig sei. "Wenn die geschätzten Kosten zu hoch sind, ab damit in die Hackschnitzelanlage."

In diesem Haushaltsjahr seien keine Mittel dafür vorgesehen, sagte Hegwein, Leiter der Kulturabteilung.

Alexandra Reisegast bedachte, dass allein das Umlagern der Teile Arbeitszeit und somit Geld koste. "Außerdem haben wir ja auch noch den alten Bahnhof zu restaurieren."

Christine Blaschek würde am liebsten kurzen Prozess machen. "Weg damit, das Zeug ist so zerfleddert, altes Gelumpe", waren ihre Worte. Man hätte mit dem "Weg der Geschichte" doch genügend Kultur dieser Art. Ihr ist es dagegen noch zu wenig erhaltene Geschichte: Charlotte Konrad. Sie plädierte ebenfalls dafür, einen Teil zu erhalten.

Nun will der Ausschuss mit Stadtwerkechef Norbert Weigl klären, ob eine Umlagerung möglich ist. Dabei soll auch der Schaden am Holz angeschaut werden. "Wir brauchen eine Zwischenlösung und dürfen nicht konzeptionslos vorgehen", so der Bürgermeister.

kla/Mühldorfer-Anzeiger

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