Altbürgermeister als Namensgeber?

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Eine Namensänderung der beiden Waldkraiburger Mittelschulen schlägt der Förderverein Stadtmuseum vor, um die ersten Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadtgeschichte zu würdigen.

Waldkraiburg - Viele Kommunen würdigen ihre ehemaligen Bürgermeister durch die Benennung von Straßen. In Waldkraiburg ist das bislang nicht geschehen. Doch das könnte sich bald ändern:

Der Förderverein Stadtmuseum regt deshalb an, die beiden Mittelschulen nach den ersten Bürgermeistern der Stadtgeschichte zu benennen: Hubert Rösler und Dr. Josef Kriegisch.

In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, wendet sich der Vorsitzende des Fördervereins, Altbürgermeister Jochen Fischer, mit diesem Anliegen an Bürgermeister Siegfried Klika. Anlass dafür war eine Ausstellung zum 30. Sterbetag von Altbürgermeister Hubert Rösler im Rathaus.

Fischer verweist in seinem Brief auf mehrere Nachbarorte und auf die Schwesternstädte Geretsried, Traunreut und Neutraubling, die Straßen nach Ehrenbürgern und ehemaligen Bürgermeistern benannt haben. In Waldkraiburg war in der Amtszeit Fischers die Initiative gescheitert, nachträglich einen Teil des Grünen Wegs und der Von-der-Tann-Straße nach den beiden ersten Bürgermeistern der Stadtgeschichte zu benennen. Wegen der damit verbundenen Kosten wollten viele Anlieger der Straßen der Namensänderung nicht zustimmen.

Die Franz-Liszt-Schule, so die Anregung, sollte nach Dr. Josef Kriegisch benannt werden, in dessen Amtszeit die Schule gebaut wurde, die Diesel-Schule, in der seit 1983 eine Bronze-Büste Hubert Röslers steht, sollte auch den Namen ihres Planers und Bauherrn tragen.

Die Vorstandschaft des Fördervereins schlägt nun alternativ die Umbenennung der Mittelschulen vor. Die Schule an der Dieselstraße wurde nicht nur in der Amtszeit Hubert Röslers gebaut, der Architekt war zugleich ihr Planer. Seit 1983 steht im Foyer der Schule eine Bronzebüste Röslers aus der Hand von Hermann Brunotte. Fischer: "Die Geschichte dieses Gebäudes kann man symbolisch für den Aufbauwillen der Gründergeneration unserer Stadt bezeichnen." Entsprechend stehe die Mittelschule an der Franz-Liszt-Straße "symbolisch für den weiteren Ausbau beziehungseise das Wachstum Waldkraiburgs". Das Gebäude wurde in den 70er-Jahren in der Amtszeit von Dr. Josef Kriegisch errichtet.

Die Umbenennung von Schulen nach Persönlichkeiten der Ortsgeschichte scheint auch für die staatliche Schulverwaltung kein unüberwindliches Problem zu sein, so der Altbürgermeister, der auf Beispiele in Aschau (Papst Benedikt) und Neumarkt-St. Veit (Herzog Heinrich) verwies. Wie Fischer mitteilt, ist das Schulamt informiert.

"Auch die Kosten einer Namensänderung dürften sich in Grenzen halten", so der Altbürgermeister

Bürgermeister Siegfried Klika teilte auf Anfrage mit, dass sich der Ehrenrat der Stadt und die Fraktionen mit dem Antrag beschäftigen werden. "Da ist noch einiges vorzubereiten." Auch die Schulen will Klika in die Beratungen mit einbeziehen.

Die Rektoren der beiden Mittelschulen sind von der Initiative überrascht. "Wir wurden bisher noch nicht offiziell angefragt", sagt Birgit Huber-Heinrich, Leiterin der Diesel-Mittelschule, die zu dem Antrag deshalb auch noch nicht Stellung nehmen will. Auch ihr Kollege Klaus Neßler wundert sich, dass die Schule nicht frühzeitig in die Überlegungen einbezogen wurde.

Der Diskussion um eine Namensänderung stehen die Rektoren offen gegenüber. Es gebe sicher Argumente dafür, nicht zwingend am Namen "Franz-List-Schule" festzuhalten, sagt Neßler, der das Thema mit seinem Lehrerkolegium besprechen will. "Aber wir müssten uns das sehr gut überlegen." Von der Wertschätzung für die Persönlichkeiten abgesehen, stelle sich auch die Frage, wem die Politiker heute noch ein Begriff sind. "Ich fürchte, ein Großteil der Waldkraiburger Bevölkerung kann damit nichts mehr anfangen."

hg/Mühldorfer-Anzeiger

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