Akuter Platzmangel

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Die Kinderzahlen mögen rückläufig sein, der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen mit Mittagsverpflegung und Hausaufgabenhilfe steigt steil an. Auch in Waldkraiburg ist dieses Phänomen zu beobachten.

Waldkraiburg - "Wo tun wir nur die vielen Kinder hin?" Diese Frage einer Erzieherin bringt die Situation in Waldkraiburg auf den Punkt:

Zwar weisen alle Statistiken einen Rückgang der Kinderzahlen aus, gleichzeitig steigt der Betreuungsbedarf steil an. Die Kindertagesstätten sind vor allem bei den Raumkapazitäten an ihrer Grenze und zum Teil schon darüber hinaus, wie sie im Sozialgespräch mit der CSU-Fraktion deutlich machten.

"Der Bedarf explodiert regelrecht", meinte Fraktionsvorsitzender Anton Sterr. Und Bürgermeister Siegfried Klika sprach gar von einem "kleinen Tsunami", nachdem er die Klagen mehrerer Einrichtungen gehört hatte. Er will "schleunigst" einen runden Tisch mit den Kinderbetreuungseinrichtungen und den Grundschulen einrichten. Denn akute Probleme tun sich vor allem im Bereich der Mittagsbetreuung von Grundschülern auf.

Zum Beispiel im Hort der Kindertagesstätte St. Christophorus. Leiterin Kerstin Haider berichtete, dass die Stadt heuer bereits einen Container aufgestellt hat, weil die Räume für den Hort nicht reichten. Aber: "Es kommen immer noch Anmeldungen."

Weil es an keiner Grundschule in Waldkraiburg eine Ganztagesklasse gibt, glaubt Haider nicht, dass die Zahlen bald wieder sinken. "Ich sehe nicht, dass sie zurückgehen."

Im größten Kinderhort in der Stadt, in der Goetheschule, sind alle Plätze ausgebucht, es gibt eine Warteliste. Die wenigen Plätze, die im nächsten Schuljahr frei werden, sind im Grunde bereits jetzt ausgebucht, berichtete die Leiterin Karin Bressel.

Immer mehr Kinder werden immer länger angemeldet, immer mehr nehmen die Mittagsverpflegung wahr, beobachtet Charlotte Konrad vom Kindergarten Maria Schutz.

Große Raumprobleme tun sich bei der Mittagsbetreuung des Familien- und Müttertreffs für die drei Grundschulen an der Beethovenstraße, an der Dieselstraße und an der Gralitzer Straße auf, die derzeit von insgesamt 120 Kindern besucht wird. Die Mittagsbetreuung für die Beethovenschule findet im Jugendrotkreuz-Zimmer in der Mozartstraße statt. Es gibt keinen Spielplatz in der Nähe. Und die Mittagsbetreuung für die Diesel-Grundschule und die Eichendorff-Schule "platzt aus allen Nähten", wie der Leiter des Familienzentrums, Franz Maier, und Erzieherin Nadine Herdin berichteten. 40 Kinder werden derzeit betreut. Nachdem einige Kinder in andere Angebote vermittelt werden konnten, steht noch immer über ein Dutzend auf der Warteliste. "Die Kinder treten sich auf de Füße." Auch dort ist bereits ein kleiner Container aufgestellt, einen zweiten hatte das Familienzentrum von der Stadt beantragt. Auch die Küche, in der die Mahlzeiten gekocht werden, muss als Betreuungsraum genutzt werden.

Diese Situation in der Mittagsbetreuung sei "nicht mehr kindgerecht", sagt Kerstin Haider, die wie Maria Klopsch-Wesel, Leiterin des Eichendorff-Förderzentrums, den Betreuerinnen um Herdin ihre Hochachtung für das große Engagement ausspricht. Die Kinder aus dem Förderzentrum seien besonders auf die Betreuung angewiesen, weil ihre Eltern nicht in der Lage seien, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen, betont Klopsch-Wesel.

Eine Reduzierung der Kinderzahl wäre für das Familienzentrum ein großes finanzielles Problem. Weil es für die Mittagsbetreuung weniger Fördermittel gibt, müssen möglichst viele Kinder genommen werden, um das Personal bezahlen zu können. Auf dieses Problem machte Georg Milly, der Leiter des Jugendzentrums, aufmerksam.

Charlotte Konrad warf die Frage auf, warum am Nachmittag nicht Schulräume benutzt werden können. In der Goetheschule funktioniert die Benutzung von Schulräumen problemlos, bestätigte Hortleiterin Bressel.

Eine Gesamtlösung für alle Grundschulen forderte Maier. Bürgermeister Klika nahm diese Forderung auf und will "schleunigst" einen runden Tisch mit den Einrichtungen und den Rektorinnen zusammenrufen. Mehrere Varianten stehen zur Diskussion. Die Einrichtung einer Ganztagesklasse an einer Grundschule bleibe ein Thema, so Klika. Für die Kita St. Christophorus zeichnet sich nach seinen Worten eine konkrete Lösung ab: Sie könnte das benachbarte ehemalige Schwesternhaus übernehmen, in dem derzeit noch die Caritas untergebracht ist. Deren Umzug ins Pfarrhaus Maria Schutz werde derzeit geprüft. Im Kindertageszentrum Kitz an der Graslitzer Straße, in dem zur bestehenden Kindergarten- und Krippengruppe zwei weitere Krippengruppen eingerichtet werden sollen, ist laut Klika auch die Einrichtung eines Horts denkbar. Für die Mittagsbetreuung in der Dieselschule regte er an, nicht mehr selber zu kochen, sondern sich aufs Catering zu verlegen. Eine Lösung ist das aus Sicht des Familienzentrums aber auch nicht.

Eine Lösung aller Probleme wird schon aus finanziellen Gründen nicht in kurzer zeit möglich sein, meinte Zweiter Bürgermeister Harald Jungbauer. Er frage sich, wie viele Kinder überhaupt noch zu Hause betreut werden. Nicht immer seien die Eltern berufstätig, sagte Bürgermeister Klika. Er habe "manchmal den Eindruck, das ist die einfachere und billigere Lösung für die Eltern". Es könne aber nicht sein, "dass die Eltern bei der Betreuung anz aussetzen".

hg/Mühldorfer Anzeiger

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