Ärztehäuser anstelle alter Wohnblöcke

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Steht vor dem Abriss: das WSGW-Gebäude Kirchenstraße 5/7, das wie die beiden anschließenden Häuser, Kirchenstraße 9/11 und Iglauer Straße 14/16, durch Ärztehäuser mit Wohnungen und Ladenflächen ersetzt werden soll.

Waldkraiburg - Um den Weg für die geplanten Ärztehäuser der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft frei zu machen, stellt die Stadt einen Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren auf.

Der Entwurf, der im Ferienausschuss gebilligt wurde, weicht in wesentlichen Punkten vom ursprünglichen städtebaulichen Konzept ab.

Hintergrund für die Aufstellung des Bebauungsplanes ist das Vorhaben der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW), drei Wohnblöcke in der Stadtmitte, Kirchenstraße 5/7 und 9/11 sowie Iglauer Straße 14/16, abzureißen und an ihrer Stelle zwei Ärztehäuser inklusive Wohnungen und einiger Ladenflächen im Erdgeschoss zu errichten. Mit dem Neun-Millionen-Projekt verfolgt die Genossenschaft das Ziel, die ärztliche Versorgung der Waldkraiburger Bevölkerung zu sichern beziehungsweise zu verbessern sowie hochwertigen Wohnraum in der Innenstadt zur Verfügung zu stellen.

Aus wirtschaftlichen Gründen deckt sich diese Planung nicht mit den Vorgaben des städtebaulichen Entwicklungskonzepts, das schon vor zwei Jahrzehnten im Zuge der Sanierung südlich der Stadtmitte mit der Regierung von Oberbayern festgelegt worden war. Was damals im Iserring begann, sollte auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Kirchenstraße und Iglauer Straße fortgesetzt werden. Das Konzept der Städtebauförderung sehe die Erhaltung der Wohnquartiere der 50er-Jahre in ihrer Gesamtheit vor, so Bürgermeister Siegfried Klika.

Von dieser Zielsetzung weicht die Planung der Genossenschaft in wesentlichen Punkten ab. So ist eine deutlich höhere Bebauung vorgesehen, vier- beziehungsweise fünfgeschossig sollen die beiden Baukörper werden. Ein weiterer Konfliktpunkt: Zwar wird die Genossenschaft eine neue Tiefgarage bauen, einen Teil der erforderlichen Stellplätze aber auf den Grünflächen in den Höfen errichten. Der ursprüngliche Plan sieht darüber hinaus ein Flachdach vor.

Der Bebauungsplanentwurf, der nach intensiven Diskussionen im Vorfeld und entsprechenden Änderungen jetzt im Ferienausschuss gebilligt wurde, schreibt dagegen Walmdächer vor und nimmt damit die Dachform der Umgebung auf. Während die WSGW die verkehrliche Erschließung über die Iglauer Straße favorisiert hatte, besteht die Stadt auf der Haupterschließung über die Egerländer Straße. Die Tiefgarage bekomme eine Zufahrt über die Egerländer Straße, so Angela Hartinger-Hirn, die Leiterin der Stadtentwicklungsabteilung, die die Grundzüge des Entwurfs in der Sitzung erläuterte. Der Bebauungsplan sieht demnach den Nachweis von Stellplätzen auf den Hofflächen und in der Tiefgarage vor und eröffnet die Möglichkeit einer viergeschossigen Bebauung nördlich der Egerländer Straße und einer fünfgeschossigen Bebauung südlich der Egerländer Straße. Im Bebauungsplanentwurf wird die nach der Bayerischen Bauordnung (BayBO) zulässige Grundflächen- und Geschossflächenzahl für ein Mischgebiet zwar überschritten, was aber gemäß BayBO zulässig ist. Der sehr lange Baukörper südlich der Egerländer Straße soll durch Glaszwischenbauten optisch gegliedert werden. Bestandteil der Vorgaben ist zudem ein Anschluss der neuen Häuser an die Geothermie.

Wie Hartinger-Hirn so begrüßten auch Bürgermeister Siegfried Klika und mehrere Stadträte in ihren Stellungnahmen die Ärztehäuser ausdrücklich wegen ihrer Bedeutung für die medizinische Versorgung der Stadt. Viele Praxen seien überaltert, hieß es.

Die Planung sei städtebaulich vertretbar und bringe Wohnqualität in die Innenstadt, begründete Bürgermeister Siegfried Klika die Position der Stadt. Die Blöcke in der Kirchenstraße seien im Grunde nicht mehr sanierungsfähig.

Von einer "sehr positiven Investition" im Rahmen der Gesundheitsvorsorge sprach Anton Sterr. Die Planung berücksichtige die Interessen des Investors und der künftigen Beleger ebenso wie die städtebaulichen Interessen der Stadt. Aber können sich die Mieter, gerade ältere Bürger, die höheren Mieten leisten? Diese Frage warf Richard Fischer auf. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müsse sich die Stadt damit auseinandersetzen.

Dazu Bürgermeister Klika: Es mache auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung "keinen Sinn, jedes Haus um jeden Preis zu halten, wenn damit nicht mehr Wohnqualität verbunden ist".

Im Ausschuss bestand Einvernehmen über die Notwendigkeit der Überarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts. Seit seiner Aufstellung haben sich laut Bürgermeister Klika wesentliche Rahmenbedingungen verändert.

Positiv nimmt die WSGW den Beschluss im Ferienausschuss auf. Dies sei ein "guter Schritt" für die Zukunft der ärztlichen Versorgung Waldkraiburgs, so Prokurist Uwe Krämer. Zu der Zahl der Praxen und gesundheitsnahen Dienstleister, die in den Komplex einziehen, konnte er noch keine Angaben machen. Die Entmietung der drei Wohnhäuser ist nach seinen Worten weit fortgeschritten. Wenn alles nach Plan läuft, könnte bereits Ende des Jahres der Abriss beginnen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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