"Nash": Ein Oldtimer mit viel Geschichte

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Waldkraiburg - Gerhard Winkler fährt das älteste angemeldete Auto in Waldkraiburg. Aber nicht nur aus diesem Grund, ist der Wagen für ihn etwas ganz besonderes:

Auf einem Schwarz-weiß-Foto von 1929 ist der Vater von Gerhard Winkler mit einem „Nash“ zu sehen, den er aus den USA holte. Als Winkler vor zwei Jahren einen Nash, Baujahr 1929 sah, schlug er zu. Der grüne Oldtimer ist das älteste angemeldete Auto in Waldkraiburg.

Ein Nash aus dem Baujahr 1929

Zu seinem 50. Geburtstag vor zwei Jahren wollte sich Gerhard Winkler ein Ford T-Modell, Baujahr 1930, zulegen. Als er beim Händler aber einen grünen „Nash“ in der Ecke stehen sah, erinnerte er sich an ein altes Schwarz-weiß-Foto aus dem Familienalbum.

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Das Foto war aus dem Jahr 1929 und zeigte seinen Vater, der aus Amerika dieses Modell mitbrachte und in Deutschland damit fuhr. Das wollte Winkler auch. „Das war ein ,Nash Sedan 420‘ “, erzählt der 52-jährige Waldkraiburger. „Nash Motors“ wurde 1916 von einem ehemaligen leitenden Angestellten von General Motors, Charles W. Nash, gegründet.

Die Firma verkaufte jahrzehntelang erfolgreich Mittelklassewagen an Käufer der Mittelschicht und hatte den Slogan „Give the customer more than he has paid for“ (Englisch für „Gib dem Kunden mehr, als er bezahlt hat“; Anm. d. Red.). Spezialitäten der Marke waren die Doppelzündung oder auch neunfach gelagerte Kurbelwellen, wie der Bautechniker zu berichten weiß.

Laut Auskunft des „Nash Clubs USA“, dessen Mitglied er ist, gibt es dieses Modell derzeit in Deutschland nur einmal – in Waldkraiburg. Bis 2008 stand der rechtsgelenkte Oldtimer in Neuseeland, wo er auch liebevoll restauriert wurde. Ein bisschen Patina gehört natürlich dazu.

Ab 1938 war "Nash" die Automobilabteilung der "Nash-Kelvinator Corporation". Die Herstellung der Automobile wurde von 1954 bis 1957 nach der Gründung der American Motors Corporation weitergeführt und danach eingestellt.

Winklers Rarität hat 52 PS und 3000 Kubik. "Wieviel Sprit? 15 Liter und das ist gar nicht mal so viel", so der Waldkraiburger, der auch Mitglied bei den Oldtimerfreunden in Mühldorf ist. "Er würde gut 85 Sachen gehen, aber sowas tut man einem Wagen in dem Alter nicht an", so seine Überzeugung. Es handle sich um das älteste in Waldkraiburg angemeldete Auto.

Der "Nash" war beim Kauf in gutem Zustand, der Motor wurde abgedichtet sowie der Kühler ergänzt und ein paar andere Kleinigkeiten gemacht. Winkler kann selbst Hand anlegen, die Leidenschaft für alte Gefährte begleitet ihn schon lange - angefangen hat alles mit alten Motorrädern, die er zerlegte und wieder fit machte. Später waren es die Autos.

Über Strecken von rund 200 Kilometern fährt der grüne Schlitten mit den Weißwandreifen und den Holzspeichen ganz ruhig. Ausfahrten macht er mit seiner Frau und seiner Familie. Auch für Hochzeiten stelle er sich zur Verfügung, so Winkler. "Mein Auto ist manchmal öfter Fotomotiv als das Brautpaar", schmunzelt er. Neulich fuhr er frisch Vermählte zum Schloss Nymphenburg - der "Nash" wurde von den vielen japanischen Touristen sofort in ein Blitzlichtgewitter getaucht.

Der mit Leder ausgestattete Wagen bietet auf der Rückbank viel Platz für die Braut samt weitem Kleid und ihren Bräutigam. Er hat sogar eine "Air Condition": Die Vorderscheibe kann ausgeklappt werden, so bläst einem der Wind wie beim Motorradfahren ins Gesicht. Ein bisschen Abkühlung für den Fahrer, wenn er heiß Verliebte auf dem Rücksitz transportiert.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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