Ab 22,80 eine elektronische Identität

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"Ein komisches Gefühl": Yvonne Kretschmars Fingerabdruck wird gescannt - beim Reisepass Pflicht, beim neuen Personalausweis noch freiwillig.

Waldkraiburg - Er ist klein, handlich und ein bisschen teurer: der neue elektronische Personalausweis. Seit dem 1. November 2010 ist er eingeführt.

Das Waldkraiburger Passamt hat bisher 567 ausgestellt. Rund die Hälfte der Antragsteller geben freiwillig einen Fingerabdruck mit ab.

Seit dem 1. November 2010 gibt es den neuen elektronischen Personalausweis. Wer noch keine 24 Jahre alt ist, zahlt dafür 22,80 Euro, Ältere 28,80 Euro. Ein bisschen teurer ist er also.

Sigi Hanesch an der "Änte": Der Chef des Passamtes zeigt den neuen Personalausweis und das Änderungsterminal.

Vielleicht lässt sich so auch der "Run" erklären, wie es Passamt-Chef Sigi Hanesch nennt, dass bis zum 31. Oktober 2010 auffallend viele noch den alten Personalausweis beantragten. Dessen Erstausstellung war kostenlos, dann kostete die Beantragung acht Euro. Die zu diesem Tag ausgestellten Persos sind noch bis zum 30. Oktober 2020 gültig, danach gibt es nur noch die elektronischen Ausweispapiere.

Was hat es mit dem neuen e-Perso auf sich?

Weil er in Scheckkartengröße ist, empfinden ihn viele Bürger als vorteilhaft, berichtet Hanesch. Auf der Karte ist ein biometrisches Foto zu sehen und es besteht die Möglichkeit, freiwillig Fingerabdrücke abzugeben, die auf dem Chip gespeichert werden. Rund die Hälfte der Antragsteller haben das bisher in Waldkraiburg gemacht. Dabei werden im Passamt zwei Fingerabdrücke gescannt.

"Nur bestimmte Behörden, wie etwa Zoll oder Polizei, können diese Daten lesen", erklärt Hanesch. Die biometrischen Merkmale dienten ausschließlich zur sicheren Feststellung der Identität. Bisher ist das beim neuen Personalausweis auf freiwilliger Basis, beim Reisepass ist es bereits Pflicht. Yvonne Kretschmar, die letzteren gerade beantragt, legt ihren rechten Zeigefinger auf den Scanner - und kommt sich gleich vor wie ein gläserner Mensch. "Es ist ein komisches Gefühl. Ist einfach neu für mich", sagt sie.

Mit dem neuen Personalausweis soll es möglich sein, sich im Internet oder an Automaten auszuweisen. Auf der Rückseite der Plastikkarte ist ein grün-blaues rundes Logo zu sehen. Das ist auch überall dort zu finden, wo der e-Perso eingesetzt werden kann, etwa bei Internetanwendungen. So können neben Shopping auch Behördengänge online erledigt werden. Die Online-Ausweisfunktion nennt man "elektronischer Identitätsnachweis", wie es in einer Broschüre des Innenministeriums heißt, die jeder Antragsteller mit nach Hause bekommt. Dazu gibt es PIN- und PUK-Nummern, wie man es von der Handykarte kennt.

Für das Online-Arbeiten braucht man ein spezielles Lesegerät. Hanesch glaubt, dass auch hier die hohen Anschaffungskosten von 150 bis 200 Euro für ein gutes Gerät, noch viele Bürger abschrecken wird, diese Funktion zu nutzen.

Bei der Abholung - die Bearbeitungszeit beträgt im Waldkraiburger Passamt gute zwei Wochen - kann der Bürger entscheiden, ob er die Online-Ausweisfunktion haben möchte. Ohne Extrakosten. Wenn die Funktion nachträglich aktiviert werden muss, kostet dies sechs Euro. Auch die Änderung der PIN- und PUK-Nummer bei Verlust schlägt nochmal mit sechs Euro zu Buche.

Eine weitere Neuerung ist die digitale Unterschrift. Diese elektronische Signatur ist genauso gültig wie eine eigenhändige Unterschrift und wird künftig bei elektronischem Schriftverkehr verwendet, etwa bei Verträgen oder Vollmachten.

Der e-Perso ist dafür vorbereitet, wer das nutzen möchte, kann ein sogenanntes Signaturzertifikat erwerben. Infos unter www.bundesnetzagentur.de.

Die Wartezeiten für den neuen elektronischen Personalausweis sind ein bisschen länger, als für den alten, was Passamt-Leiter Hanesch bedauert, eine personelle Aufstockung sei leider nicht möglich. Für die Verwaltungsangestellten bedeutet die Ausstellung auch einen höheren Aufwand, etwa in der Beratung. Allerdings seien auf die Stadt keine Extrakosten zugekommen, als der neue e-Perso eingeführt wurde. Es war zwar eine Softwareerweiterung nötig, aber der technische Standard sei vorher schon sehr hoch gewesen, so dass keine großen Umrüstungen erforderlich waren. Und die Änderungsterminals, kurz "Änte", werden den Behörden von der Bundesdruckerei zur Verfügung gestellt.

Was sich nicht geändert hat: Der Antrag im Passamt muss nach wie vor persönlich erfolgen.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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