Er war der 10.000. Waldkraiburger

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Er war der 10000. Einwohner Waldkraiburgs: Gisbert Bergmann vor 50 Jahren kurz nach der Geburt und heute bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung, dem Fischen. Waldkraiburg und der Liebigstraße, wo er schon damals wohnte, ist er bis heute treu geblieben.

Waldkraiburg - Als er vor 50 Jahren auf die Welt kam, wurde er schon freudig erwartet. Nicht nur von seinen Eltern, nein, von einer ganzen Stadt.

Gisbert Bergmann war der 10000. Einwohner Waldkraiburgs. Im Dezember 1962 wurde der Jungbürger von Bürgermeister Hubert Rösler in der Bürgerversammlung geehrt.

Er ist Waldkraiburg treu geblieben, ein halbes Jahrhundert lang. Heute wie damals wohnt Gisbert Bergmann in der Liebigstraße, wo die Eltern ein Anwesen erworben hatten. Was damals nicht die Regel war: Beide waren keine Vertriebenen, sondern stammten aus Dörfern im Landkreis, sie aus Pürten, er aus Kirchdorf. Das Wohnhaus, das auf einem Bunker, einem ehemaligen Pulverpresswerk steht, wurde in den Jahren darauf erweitert und ausgebaut. Auch Gisbert half schon als Bub dabei mit.

Von seinem großen Tag im Dezember 1962 hat er damals natürlich nichts mitbekommen. Er war nicht mal selbst dabei. Der Jungbürger, der wenige Tage zuvor, am 23. November, geboren wurde, sei "noch nicht versammlungsfähig", schrieb Klaus Ertelt, freier Mitarbeiter der Heimatzeitung, in seinem Bericht über die Bürgerversammlung. Stellvertretend für den jungen Mann nahmen seine Eltern die 10.000 Pfennige in Empfang, die der Bürgermeister symbolisch überreichte und danach durch einen Scheck ersetzte. Die Kreissparkasse legte noch einmal 100 Mark drauf. Und natürlich wurde ein Foto vom 10.000. Einwohner, mit Schnuller friedlich in der Wiege liegend, veröffentlicht. "Die Platten is mir bliebn", lacht der 50-Jährige und spielt auf sein schütteres Haar an.

Der Vater zweier erwachsener Kinder hätte sicher darauf vergessen, dass er vor genau 50 Jahren der 10000. Waldkraiburger war, wäre er nicht von der Zeitung angerufen worden. Damals hat man freilich großes Aufhebens davon gemacht. Immer wieder war 1962 in Zeitungsberichten die Rede gewesen, dass die Stadt bald die 10000er-Marke erreichen würde. In der jungen Kommune, die selbst erst zwölf Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt hatte, sah man die fünfstellige Einwohnerzahl als ein Symbol für die dynamische Entwicklung Waldkraiburgs. Bürgermeister Rösler machte in der Bürgerversammlung deutlich, dass mit dieser Einwohnerzahl erst die "Halbzeit" erreicht sei, und zeigte Millionen teure Infrastrukturprojekte auf, die in den nächsten Jahren anstanden.

Aufbruchstimmung: Der 10000. Waldkraiburger und seine Mitbürger wurden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Zeugen eines raschen Wachstums. "Waldkraiburg ist eine richtige Industriestadt geworden", sagt Bergmann, der als Schichtschlosser bei der Firma Renolit arbeitet. Die Stadt habe sich extrem verändert. Ein Baugebiet nach dem anderen wurde ausgewiesen, große Wohngebäude entstanden.

Bäume und Wäldchen, die zuvor noch zwischen vereinzelten Häusern standen, mussten dafür weichen. Auch die Bergmanns mussten große Bäume in ihrem Garten entfernen, weil sie bei Stürmen zum Risiko wurden.

"Seine" Straße, in der Gisbert und sein zwei Jahre jüngerer Bruder aufwuchs, war in den ersten Jahren noch nicht einmal geteert. Und vor dem Haus befand sich ein großer Grünstreifen mit Bäumen. "Mein Opa ist dort immer mit der Sense zum Mähen gegangen." Eine "relativ ruhige Straße" sei die Liebigstraße immer noch.

Was Gisbert Bergmann an der Entwicklung der Stadt weniger gefallen hat: "Waldkraiburg hat es versäumt, seine Ureinwohner in der Stadt zu binden." Sehr viele, zu viele, auch einige seiner Bekannten, seien weggezogen.

Um sich wohlzufühlen, braucht Gisbert Bergmann vor allem eins: ein Fischwasser in der Nähe. Und das hat er mit dem benachbarten Inn. Seit er richtig laufen kann, treibt es den Waldkraiburger zum Fischen. "Sicher 300 Tage im Jahr bin ich am Wasser." Meistens in der nächsten Umgebung, manchmal aber auch beim Hochseefischen in Afrika. Viele Jahre hatte er zusammen mit seiner Frau ein Anglergeschäft in der Siemensstraße, organisierte damals Angelreisen in ganz Europa. In mehreren Fischereivereinen der Umgebung hat er Jugendarbeit gemacht. Und schon öfter haben kapitale Fische bei ihm angebissen. Stolz ist er zum Beispiel auf einen 48 Pfund schweren und 1,36 Meter langen Huchen, der größte, der in den letzten 50 Jahren im Mühldorfer Bereich gefangen wurde.

Mit seinen Fischerfreunden und vielen anderen Gästen feierte er vor Kurzem den 50. Geburtstag in der Gaststätte des Eisstadions, eine von so vielen öffentlichen Waldkraiburger Einrichtungen, an die 1962 wohl nur die wenigsten dachten. So wenig sie für möglich hielten, dass keine 13 Jahre nach dem 10.000. Waldkraiburger bereits der 20.000. Einwohner begrüßt wurde: Bernd Kaufmann, der, so wollte es der Zufall, ein Nachbar von Gisbert Bergmann ist.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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