Ein Stück Bavaria in Arabia

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Neumarkt-St. Veit – Das Kufsteiner Lied erklingt und schon haken sich die Zuhörer ein, schunkeln und jodeln im Takt. Oktoberfeststimmung pur - nicht aber in München, sondern tausende Kilometer weiter südöstlich davon.

Im Sultanat Oman ertönen Jahr für Jahr die bajuwarischen Klänge, bringen Musiker aus dem nördlichen Landkreis Mühldorf den Arabern ein Stück Bayern näher.

Stefan Weindl und Co. sind Wiederholungstäter. Nach dem grandiosen Erfolg der fünfköpfigen Blasmusikgruppe im vergangenen Jahr hatte der Trompeter der Neumarkter Stadtkapelle mit seinen vier Spezln - die Eibelsgruber-Musiker Werner Bondl (Posaune), Alois Grob (Tenorhorn), Josef Asanger (Trompete) und der österreichische Austausch-Musiker Josef Fröschl - auch heuer wieder eine Einladung erhalten, die arabische Welt mit bayerischer Blasmusik zu beglücken.

Über Josef Eder, Chefkoch im Grand Hyatt in Berlin und Bruder des Lohkirchener Gastwirtes Robert Eder, war der Kontakt zum Grand Hyatt Hotel in Muskat bereits 2009 zustande gekommen. Als "Die Z'sammg'würfelten" - ein spontan gegründetes Quintett - hatten sich Weindl und Co. dann mit ihren Instrumenten auf die Reise in den mittleren Osten gemacht. Besuch der Paläste, die Märkte mit all ihrer Gewürzvielfalt oder ein Trip zu den Delfinen durften da nicht fehlen. "Nur mit dem Ausflug nach Dubai hat es nicht geklappt", bedauert Weindl. Denn: Ein Flug in das knapp 500 Kilometer entfernte Emirat Dubai kostet nicht einmal 20 Euro. "Doch wir hatten nur ein einmaliges Einreisevisum für den Oman, hätten also nicht mehr zurückreisen dürfen."

Beim Gastspiel 2010 genossen die Musiker nun das Zuckerl, dass auch deren Familienmitglieder kostenlos im Hotel residieren durften, um in den spielfreien Zeiten Land und Leute kennen zu lernen. Schon die Anreise im vergangenen Jahr hatte für Aufsehen gesorgt - alle fünf waren in Lederhose in den Flieger gestiegen. "Das haben wir uns aber heuer erspart, nachdem wir nach unserer Ankunft am Flughafen im Hotel als Gayband angekündigt worden waren."

Das Gastspiel der fünf Bayern beim Oktoberfest in Oman lockte wie auch schon im vergangenen Jahr die örtliche Presse an, ein Magazin widmete den fünf Bayern eine ganze Seite. Und auch viele Deutsche, die im Oman leben und arbeiten, ließen sich das weißblaue Stelldichein der Musikanten auf der Dachterrasse des Nobelhotels nicht entgehen, um heimatliche Klänge zu hören. "25 bis 30 Leute einer österreichischen Baufirma waren unter anderem gekommen, um uns zu hören. Die waren so begeistert, dass uns die Frau des Chefs für den nächsten Tag einen Bus für einen Ausflug organisiert hat", berichtet Weindl.

Begeisterung pur, auch weil die Rahmenbedingungen zur Oktoberfeststimmung passten. Weindl: "Es gab Paulaner Bier vom Fass. Und obwohl Schweinefleisch in einem muslimischen Land eher eine Seltenheit ist, Weißwürste, Leberkäse, Fleischpflanzl mit Sauerkraut und Kartoffelsalat. Die Bedienungen trugen Dirndl und Lederhosen. Wia dahoam." Die "Z'sammg'würfelten" hatten nur noch für das musikalische Sahnehäubchen zu sorgen. Zunächst mit Tanzlmusi, später als Musiker, die von Tisch zu Tisch zogen und bei den Gästen für Begeisterung sorgten. Die Stimmung war am Brodeln, wenn Sepp Asanger Nachhilfe im Schuhplatteln erteilte.

Und doch sind die deutlichen Unterschiede zwischen Arabia und Bavaria nicht wegzudiskutieren. Denn auch wenn innerhalb des Hotels das Bier in Strömen fließt. "Alkohol kann sich ein Privatbürger im muslimisch geprägten Oman nur mit Berechtigungsscheinen kaufen, die er von der Polizei holen muss", erzählt Weindl.

Stark unterschiedlich auch die Preise für den Gerstensaft. Eine Halbe Bier kostet im Oman umgerechnet acht Euro, "während der Taxifahrer beim Tanken für 25 Liter Super weniger als sechs Euro hingelegt hat", eine Frage der vorhandenen Ressourcen also, berichtet Weindl weiter.

Immerhin: Das Sultanat verfügt wie Bayern über hohe Berge, bis zu 3000 Meter hoch. Die Hitze ist jedoch gewöhnungsbedürftig. "Am Tag kaum unter 30 Grad Celsius, das Meer zwischen 28 und 30 Grad Celsius und in der Nacht kühlt es selten unter 25 Grad Celsius ab."

Wohlgefühlt haben sich die Musiker aus dem nördlichen Landkreis Mühldorf bei den Arabern dennoch. "Wir sind als Fremde gekommen, wie Könige behandelt worden und sind als Freunde wieder abgereist", die gewonnenen Eindrücke lassen die Augen Weindls glänzen, wenn er von dem Gastspiel auf der arabischen Halbinsel erzählt. "So etwas vergisst man als Provinzmusikant nicht so schnell."

Die Hotelleitung wiederum vergisst die Musiker nicht: Das Vertragliche für 2011 haben die beiden Parteien noch während des Gastspiel im November geregelt, nächstes Jahr heißt es also wieder:s Auf in den Oman! Dann haben "Die Z'sammag'würfelten" aber Verstärkung mit dabei. Tubist Markus Mayer, über den der Kontakt im vergangenen Jahr überhaupt erst zustande gekommen ist, der berufsbedingt aber nie Gelegenheit hatte, davon zu profitieren, wird beim dritten Anlauf dann erstmals mit von der Partie sein.

je/Mühldorfer-Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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