Doch kein schnelles Internet?

Neumarkt-St. Veit - Platzen in Neumarkt-St. Veit die Träume vom schnellen Internet? Noch im Juni gab es im Finanz- und Verwaltungsausschuss die gute Nachricht, dass sich eine Lösung abzeichnet.

Mit den Gemeinden Gangkofen, Massing und Egglkofen wollte sich die Stadt zusammenschließen, um den Breitbandausbau voranzutreiben und Kosten zu sparen. Doch wie es scheint, bleibt es bei diesem Wunschdenken.

Die Euphorie in der Stadt war groß, eine unkomplizierte Lösung mit dem Anbieter "Mvox" gefunden zu haben. Funklösungen beziehungsweise Verstärkeranlagen sollten endlich Schwung auf die Datenautobahn bringen. Meldungen aus Kumhausen zerschlagen diese Hoffnung: "Mvox" kann dort und in 15 umliegenden Gemeinden seine Zusagen nicht einhalten. Was bedeutet das für Neumarkt-St. Veit?

Es sieht nicht rosig aus: Denn "Mvox" bietet allen Gemeinden in Deutschland einen Rücktritt vom Vertrag an. Denn eingehalten werden könne nur die Grundversorgung - die erste von zwei Ausbaustufen. Im Klartext bedeutet dies, dass lediglich Bereiche im Radius von etwa neun Kilometern um einen Hauptverteiler ausgebaut oder bis zu einer Bandbreite von einem Megabit neu erschlossen werden können. Alle anderen Bereiche bleiben weiterhin weiße Flecken auf der Breitbandkarte.

Die zweite Ausbaustufe könne "Mvox" nach dem derzeitigen Stand nicht uneingeschränkt anbieten. Gebiete Neumarkt-St. Veits, die mittels einer Funklösung erschlossen werden sollten, sind nicht betroffen. Probleme gibt es nach Aussage von "Mvox" lediglich in den Bereichen, die über eine entsprechende Technik an den Schaltverteilern ausgebaut werden. In erster Linie betrifft dies das Gemeindegebiet mit den Vorwahlbereichen von Massing (08724) und Gangkofen (08722).

Zusagen sind nicht einzuhalten

Nach Aussagen von "Mvox" sind die Probleme auf die Zusammenarbeit mit der Telekom zurückzuführen. "Auf das Hauptkabel muss die Telekom Schaltverteiler setzen und die anschließenden Kabelverzweiger für uns öffnen. Das aber macht sie nicht ausreichend genug", erklärt Georg Haseneder, Leiter Vertragswesen Kommunikation. Das Unternehmen könne aus diesem Grund nicht alle Zusagen einhalten.

Die Telekom weist diese Vorwürfe von sich. "Die Telekom arbeitet seit vielen Jahren mit Wettbewerbern zusammen. Wir stellen Schaltverteiler termingerecht zur Verfügung. Dafür gibt es einen festgelegten Prozess, den die Bundesnetzagentur überprüft", sagt Sprecherin Cordelia Hiller. Das bestätigt das bayerische Wirtschaftsministerium. Es stellt in einem Schreiben Anfang August klar, dass die Verzögerungen zulasten von "Mvox" gehen. Als Grund wird die unzureichende Abklärung der regulatorischen Voraussetzungen genannt. Dem Wettbewerb will sich die Telekom jedenfalls nicht verschließen, sondern fordert, dass sich alle Anbieter an einem Ausbau des DSL-Netzes beteiligen.

Bürgermeister Erwin Baumgartner bringt das im Moment nicht weiter. Noch immer hofft er darauf, dass der Breitbandausbau wie geplant vonstatten geht. Um auf alles Mögliche vorbereitet zu sein, soll im September eine Umfrage den Breitbandbedarf in den Außenbereichen ermitteln. Diese erneute Abfrage ist aber auch deshalb nötig geworden, weil die bisher eingereichten Angebote nicht den Vorgaben der Breitbandrichtlinie entsprechen. Mit staatlichen Zuschüssen kann somit nicht gerechnet werden. "Bislang haben wir kein richtiges Angebot erhalten. Das Thema schwebt noch", erklärt Baumgartner.

Von einer erneuten Umfrage erhofft er sich, dass sich ein größerer Bedarf abzeichnet, in den die Telekom bereit ist zu investieren. Denn einen Ausbau wägt das Unternehmen nach finanziellen Aspekten ab. Für den Ortsteil Elsenbach hat die Telekom zum Beispiel eine konkrete Anfrage abgelehnt, parallel zu den Kanalarbeiten Leerrohre zu verlegen. Dort gebe es bislang keine konkreten Planungen und der Ausbau der Kanalisation liege im Fahrbahnbereich und in großer Tiefenlage.

Die kommunale Zusammenarbeit im Hinblick auf den Breitbandausbau liegt wohl die nächste Zeit auf Eis. "Das sind keine guten Nachrichten", sagt Massings Bürgermeister Josef Auer. Der gesamte Gemeindebereich bis nach Unterdietfurt und Gangkofen hätte über die alternative Technik ausgerüstet werden sollen. Wie es scheint, wird daraus nichts. Auch wenn die Kommune noch keinen Bescheid von "Mvox" erhalten hat. "Wir hängen in der Luft", sagt Josef Auer.

Die Gemeinde Gangkofen ist gelassener. Dort hatte man sich ohnehin noch nicht für einen alternativen Anbieter entschieden. Man will nach Aussage von Geschäftsführer Reiner Hermann die Angebote abwarten, um eine Lösung für die noch nicht erschlossenen Bereiche zu finden.

hi/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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