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Neuer Name für Galgenberg? Das sagen die Leser

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Anfangs wurden die in Neumarkt Verurteilten am "Taubenberg" (Mitte), also in Sichtweite des Klosters St. Veit hingerichtet. Später wechselte man auf den gegenüberliegenden Hügel, den "Galgenberg" (Südwesten). Beide Orte sind in diesem Katasterplan aus dem Jahr 1854 erwähnt. (Zum Vergrößern hier klicken.)
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Neumarkt-St. Veit - Sollte der Name des Bebauungsgebiets "Am Galgenberg" geändert werden oder nicht? Die Meinung der innsalzach24-Leser im Voting ist eindeutig.

Im Neumarkt-St. Veiter Stadtrat herrscht Uneinigkeit über den Namen des Bebauungsgebiets "Am Galgenberg". Einige Male hatte es bereits Kritik an dem Namen gegeben, nun hat die SPD-Fraktion für die kommende Stadtratssitzung (Donnerstag, 11. Dezember, 17 Uhr) einen Antrag eingereicht, den Namen nochmals zu diskutieren. SPD-Stadtrat Ulrich Geltinger sprach gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger von einem "dubiosen Namen", sagte sogar, die Bezeichnung "Am Galgenberg" klinge "schon sehr nekrophil".

Gut 75 Prozent der Leser gegen Namensänderung

Das Ergebnis des Votings (zum Vergrößern Bild anklicken)

Am Wochenende haben die innsalzach24-Leser in einem nicht repräsentativen Voting ihre Meinung geäußert, ob sie den Namen des Bebauungsgebiets für unangemessen halten. Nur gut jeder Fünfte (20,4 Prozent) sprach sich dabei für eine Namensänderung aus. "Nein, der Name 'Am Galgenberg' ist schließlich historisch begründet", meinte dagegen eine überwältigende Mehrheit von 75,7 Prozent. 3,9 Prozent der Leser meinten, ihnen sei der Name des Bebauungsgebiets egal.

Mehrere - nicht ganz ernst gemeinte - Namensvorschläge machten die Leser ebenfalls. Weynstein plädierte für den Namen "Leerrohrhügel", Leser Leicester Mowl schlug "Am Rübenacker" vor und Seppi1965 brachte den Namen "Platz des himmlischen Friedens" ins Spiel - offenbar eine Anspielung auf die Frage des Umgangs mit der Geschichte eines Ortes.

Stadtbrand brachte Neumarkt das Landgericht

Dem Namen "Am Galgenberg" liegt eine Jahrhunderte alte Geschichte zugrunde. Der in Bayern relativ weit verbreitete Flurname "Galgenberg" bezeichnet Plätze, an denen früher zum Tode Verurteilte hingerichtet wurden. Allerdings durften nur bestimmte Gerichte überhaupt die Todesstrafe verhängen. Dieses Recht war Hochgerichten vorbehalten, die von bayerischen Herzögen in den wichtigen Orten des Landes eingerichtet wurden.

Nach dem verheerenden Stadtbrand von Vilsbiburg im Jahr 1366 zog das herzogliche Landgericht nach Neumarkt - inklusive Halsgerichtsbarkeit. Die Urteile des Landrichters konnten also bis zur Todesstrafe führen. Schon 1595 wird die "alte Köpfstatt am Taubenberg" in Sichtweite des Klosters St. Veit erwähnt, wo die Verurteilten mit dem Schwert hingerichtet wurden.  Auf Betreiben des Klosters wurde die Köpfstatt schließlich verlegt und die Delinquenten wurden am Galgen hingerichtet. Neuer Standort für die Hinrichtungen war der Hügel gegenüber - der spätere "Galgenberg".

Die Gehängten überließ man den Raben zum Fraß

So sieht das Bebauungsgebiet "Am Galgenberg" heute aus (zum Vergrößern Bild anklicken)

Einer Erhebung des Historikers Professor Dr. Benno Hubensteiner zufolge fanden in Neumarkt alleine 1683 sechs Hinrichtungen statt. "Die Hinrichtungen selber waren öffentlich und an Zuschauer mangelte es kaum. Die Gehenkten ließ man am Galgen hängen, den Raben zum Fraß", schreibt Hubensteiner in einem wissenschaftlichen Aufsatz. Erst 1774 verlangte eine bayerische Verordnung, alle Gehenkten sofort zu beerdigen. Letzte Ruhestätte der Verstorbenen war ein Areal beim Lorenzikirchlein an der heutigen Hörberinger Straße.

Der martialisch anmutenden Name "Am Galgenberg" erzählt also viel von der Geschichte Neumarkt-St. Veits. Immerhin leitete die Ansiedlung des herzoglichen Landgerichts den Aufstieg des Ortes zu einem bedeutenden Gerichts- und Verwaltungsstandort ein. Viele Flurnamen wie "Galgenberg" oder "Siechenacker" (dort befand sich einst das Leprosen- und Siechenhaus) wurden schließlich im 19. Jahrhundert kartografisch aufgezeichnet, als das Land genau vermessen und erfasst wurde. Ob derartige Namen in der heutigen Zeit aber vielleicht doch zu martialisch anmuten, diskutieren am Donnerstag die Stadträte.

bla/redis24; Informationen zur Herkunft des Namens "Am Galgenberg": Stadtarchiv Neumarkt-St. Veit

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