Solarkocher für Namibia

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Mädchen bei einer Solarkocher-Präsentation in Döbra.

Niederbergkirchen (MA) - Ein Jahr verbrachte der Niederbergkirchener Klaus Stasser in Namibia, um seinen Ersatzdienst im Ausland abzuleisten.

Mit einer großen Aufgabe: Er war völlig auf sich alleine gestellt, um einem Solarkocher-Projekt auf die Beine zu helfen. Mit Erfolg: Das Projekt ist ein Selbstläufer geworden.

Ein Parabolspiegel aus Aluminium, im Zentrum ein Rost. Richtig nach der Sonne ausgerichtet bündelt der Spiegel die Sonnenwärme, reflektiert die Lichtenergie auf den schwarzen Topf. "Zehn Minuten dauert es, bis ein Liter Wasser kocht" erklärt Klaus Strasser. Ein simples Verfahren also, das sich hinter einem Solarkocher verbirgt.

So einfach sich dieses Methode aber anhört, um auch ohne Strom oder Brennholz zu kochen. Umso schwieriger ist es, diese umweltschonende und auf Dauerhaftigkeit ausgerichtete Technologie in einem Land wie Namibia an den Mann zu bringen. Denn nicht nur sprachliche Barrieren tun sich in der ehemaligen deutschen Kolonie auf. Strasser war auch damit konfrontiert, dass große Bevölkerungsteile in diesem westafrikanischen Land, wo Strom Mangelware ist, nicht genug Geld haben, um sich einen Solarkocher überhaupt zu leisten.

Buchstäbliche Entwicklungshilfe also, der der 20-Jährige gelernte Mechatroniker ausgesetzt war, als er im Januar 2009 den Flieger nach Namibia bestieg. "Ich wusste nicht, was mich erwartet", erzählt Klaus Strasser, zumal das Projekt in Namibia noch in den Kinderschuhen steckte, nachdem frühere Versuche gescheitert waren. Das Material sei vorhanden gewesen, doch niemand, der das Projekt in der Vergangenheit zum Laufen gebracht hatte.

In Döbra, einer Missionsstation mit einer Internatsschule, etwa 20 Kilometer von der namibischen Hauptstadt Windhoek entfernt, landete Strasser dann, um sich dieses Solarkocher-Projekts anzunehmen. Strasser war konfrontiert mit Gegensätzen: Auf der einen Seite, die sehr europäisch geprägte Stadt Windhoek, auf der anderen das Leben auf dem Land mit all seiner Armut. "Die Arbeitslosigkeit beträgt mindestens 40 Prozent, Dunkelziffer unbekannt." Und wenn sich jemand glücklich schätzen kann, Arbeit zu haben, dann verdiene er nur sehr wenig, berichtet Klaus Strasser.

Bisweilen zu wenig, um sich dann auch noch einen Solarkocher zu leisten. Zum Vergleich: Ein Solarkocher kostet umgerechnet 135 Euro, und das sei immer noch mehr als ein Hostelbetreuer, wie sie Klaus Strasser in Döbra kennengelernt hat, verdient. Wie also den Kocher an den Mann bringen? Dies war das erste Problem, das der Niederbergkirchener anfangs seines Engagements in Namibia lösen musste. Erst einmal galt es, Strukturen zu schaffen, damit das Projekt auf fruchtbarem Boden gedeihen kann "und damit auch nachhaltig wird".

Strasser startete also Umfragen über die Notwendigkeit eines Solarkochers und bekam positive Rückmeldungen. Es galt die vorhandene Werkstatt zu ordnen und das System des Solarkochers, dessen Funktionsweise also, zu vereinheitlichen. Weiters bemühte er sich, das Projekt populär zu machen, Umweltbildung und Bewusstseinsschärfung zu betreiben für alternative Energien. "Denn in so armen Teilen wie in Namibia wird verheizt, was sich gerade anbietet." Ob nun Holz, Kohle, Paraffin oder - in den ärmsten Gebieten - getrocknete Kuhfladen.

Zunächst präsentierte Strasser das Projekt an Schulen, später bekam er einen VW-Bus gestellt, mit dem er durch ganz Namibia fuhr, um sein Projekt zu bewerben. Von Swakopmund im Westen bis Outapi im Norden führte ihn seine Reise, täglich zwei Präsentationen. Bis Ende des Jahres hatte er rein für Projektfahrten 14000 Kilometer zurückgelegt, war dabei bei den Chiefs einzelner Stämme und sogar im Haus des Gouverners vorstellig geworden. "Eine Riesenerfahrung", sagt Strasser.

Die Angestellten des Döbra Solar Development Project bei ihrer Arbeit in der Werkstatt, in der Mitte Klaus Strasser.

Nicht nur, dass er Land und Leute besser kennengelernt habe: Nachdem er im April endlich seinen ersten Solarkocher verkauft hatte, begann das Geschäft nun anzulaufen. Schließlich sollten es 28 Solarkocher werden, die er mithilfe des von ihm mitgegründeten "Döbra Solar Development Project" an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht hatte. Zwei Solarkocher spendete Klaus Strasser mit finanzieller Unterstützung seiner Familie: Einen für eine bedürftige Familie im Hinterland von Namibias Norden, einen weiteren für "Charmaines Suppenküche", wo 150 Kinder zumindest zweimal in der Woche nun eine warme Mahlzeit erhalten.

Für ihn insgesamt eine gute Bilanz, die kurz vor Beendigung seines Engegament im Westen Afrikas durch weitere Bestellungen noch merklich aufgebessert worden ist. Im Rahmen einer Fortbildungsmaßnahme war er auf das Projekt "Nadeet" gestoßen. Eine Umweltbildungsorganisation, die sich mit der Koexistenz zur Wüste beschäftigt und ebenfalls auf regenerative Energien setzt. Strasser hat sein Netzwerk ausgebaut und verkaufte über die Umweltorganisation, die wiederum finanzielle Unterstützung durch die Weltbank erfährt, weitere 29 Solarkocher. Bis unmittelbar vor seiner Abreise sei er mit seinen Mitarbeitern - inzwischen drei an der Zahl - die das Projekt jetzt auch weiterführen, damit beschäftigt gewesen, zumindest die Rahmen für diese Solarkocher noch fertigzustellen. "der Rest geht bereits von alleine."

Eine Menge Arbeit also für den 20-Jährigen in den zurückliegenden Monaten, viel Zeit für Heimweh blieb nicht. Wenngleich er zugibt: "Die Freunde haben mir schon gefehlt." Nicht aber die bayerische Sprache: Schließlich hat er in Namibia zusammen mit weiteren bayerischen Landsmännern und -frauen im Rahmen eines Workcamps einen Sportplatz saniert - eine willkommene Abwechslung für den Niederbergkirchen.

Seine wichtigste Erfahrung nach dem Jahr im Ausland: "Ich konnte mich selbst verwirklichen, mir eigene Ziele setzen, diese verfolgen und war mein eigener Herr." Sicherlich eine wertvolle Erfahrung für den weiteren beruflichen Weg, den Strasser nun einschlagen wird, wenn es im Sommer auf die Hochschule geht. Bevorzugtes Berufsfeld - wen wundert's: Regenerative Energien und Elektrotechnik.

je/Mühldorfer Anzeiger

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