Shoppingerlebnis für Bedürftige

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Ladenleiterin Christa Stühler (rechts) und Verkaufskraft Katharina Voskoboynikov steckten am Eröffnungstag gestern die Besucher mit ihrer guten Laune an.

Neumarkt-St. Veit - "Gut, dass wir den Laden haben, schlecht, dass wir ihn brauchen": Pfarrerin Anke Sänger sprach den Gästen gestern bei der offiziellen Einweihung des Neumarkter BRK-Shops aus dem Herzen.

Nach Mühldorf und Waldkraiburg ist gestern in Neumarkt der dritte BRK-Shop des Landkreises offiziell in Betrieb gegangen. Nach den Ansprachen der Ehrengäste gaben die beiden Geistlichen Anke Sänger und Franz Eisenmann dem Geschäft an der Bahnhofsstraße den kirchlichen Segen.

Bereits im April war der BRK-Shop in einen Probebetrieb gegangen. "Wir haben schon gemerkt, dass noch eine Hemmschwelle besteht", erklärte BRK-Bereichsleiterin Stefanie Stühler gestern Mittag. Dass sich die Scheu und zuweilen auch Scham der Kunden mit der Zeit lege, beweise allerdings der Erfolg der beiden anderen BRK-Shops.

Hell, freundlich, sauber und gepflegt: Im Innern des BRK-Shops sollen sich die Kunden wohlfühlen.

BRK-Kreisvorsitzende Susanne Engelmann aus Waldkraiburg sprach denn auch von einer "Erfolgsgeschichte" des Konzepts. Mehr als 1000 bezugsberechtigte Kunden hätten sich landkreisweit bereits eingeschrieben. Dank großzügigen Sponsoren, vielen Spendern und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern könnten die Läden denjenigen Menschen helfen, "die nicht auf der Sonnenseite stehen."

BRK-Kreisgeschäftsführer Marc Elsner hält das Konzept seiner Läden besser als das der sogenannten Tafeln. Während dort Hilfsbedürftige fertig zusammengestelltes und kontingentiertes Essen einfach ausgehändigt bekämen, würden sich die Kunden im BRK-Shop weniger als Bittsteller, sondern vielmehr als Kunden fühlen. Die Ladenatmosphäre und die Wahlfreiheit ermögliche den Kunden ein "würdiges Einkaufen".

Außerdem erlaube der Shop den Bezugsberechtigten nicht nur, Dinge des täglichen Bedarfs günstig zu erwerben, sondern helfe zudem, "Menschen zu integrieren, die länger nicht mehr im Arbeitsleben standen." So hätten bereits über 20 Menschen durch die Referenz, in einem BRK-Shop gearbeitet zu haben, eine Anstellung gefunden.

Das Neumarkter Perschinka-Haus hat eine lange Geschichte: 1851 erbaut, beherbergte es Jahrzehnte lang ein Fotogeschäft. Heute ist der BRK-Shop darin untergebracht.

Der Neumarkter Laden sei "total schick" geworden, fand Elsner und lobte die entstandene "Wohnzimmer- und Ladenatmosphäre. "Mit Bedürftigkeit hat das wenig zu tun." Während sich im vorderen Teil des Geschäfts der Second-Hand-Bereich befindet, bei dem jeder Bürger einkaufen kann, befindet sich im hinteren Teil der Lebensmittelbereich, in dem nur Bezugsberechtigte einkaufen können.

Im vorderen Teil finanziere sich das Geschäft, erklärte Engelmann. Die Waren, die im Euro-Bereich verkauft würden, garantierten einen ausreichend hohen Umsatz, mit dem Personal und Miete bezahlt werden könnten. Die Lebensmittel zeichneten sich eher durch symbolische Preise im Cent-Bereich aus.

Wichtig war es allen Anwesenden zu betonen, dass es keine Schande sei, im BRK-Shop einzukaufen. "Über 50 Prozent unserer Kunden sind Rentner. Außerdem gibt es viele Menschen, die arbeiten, aber nicht von ihrem Lohn leben können", so Elsner.

Neben großen Lebensmittelsponsoren wie Globus oder Aldi tragen auch heimische Einzelhändler wie die Bäckerei Stief oder die Metzgerei Korn zum Sortiment bei. Auch wenn die Mühldorfer Tafel Sponsoren abgeworben habe, ist die Versorgung der Auslagen laut Engelmann gesichert.

Bürgermeister Erwin Baumgartner fand es "schade, dass so ein Laden nötig ist". Dennoch sei er glücklich, dass die Versorgungslücke im nördlichen Landkreis nun geschlossen sei.

Der BRK-Shop an der Bahnhofstraße hat montags bis freitags von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet.

zip/Neumarkter Anzeiger

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