Seit 60 Jahren Berichterstatter

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Zuverlässiger Zeitungsschreiber seit 60 Jahren. Helmut Rasch berichtet auch mit 84 immer noch regelmäßig über seine Heimatgemeinde Schönberg.

Schönberg - Der Computer fährt hoch, allmählich hellt sich der Bildschirm auf und Helmut Rasch nimmt eine bequeme Sitzposition ein.

Er steckt die Speicherkarte in den Kartenleser, spielt die Bilder ein und schreibt seinen Artikel. Jetzt nur noch die Anhänge via E-Mail verschicken, und schon ist sein Beitrag beim Mühldorfer Anzeiger. Alltag im Leben eines Berichterstatters. Oder doch nicht? Zumindest im Falle von Helmut Rasch eine radikale Umstellung, die er als zuverlässiger freier Mitarbeiter vor sechs Jahren aber gerne in Kauf genommen hat. Denn als der Schönberger Gemeindeschreiber begann, für die Heimazzeitung zu schreiben, war das Prozedere bei Weitem schwieriger.

Lange muss man das Rad der Zeit zurückdrehen, wenn es um die Anfänge von Helmut Rasch geht. Denn der Schönberger schreibt bereits seit 60 Jahren. "Mit der Gottesdienstordnung für Allerheiligen hat alles angefangen", erinnert sich der 84-Jährige zurück an das Jahr 1951. Als Lehrer war er an die Grundschule gekommen, hatte nicht nur die Schulleitung übernommen, sondern auch das Amt des Gemeindeschreibers, "weil das Bürgermeister Andreas Bondl so haben wollte", erzählt Rasch. Damals hieß die Tageszeitung noch Mühldorfer Nachrichten, die in Konkurrenz zum Neumarkter Anzeiger stand. Erst 1969 übernahm das Oberbayerische Volksblatt, zu dem die Mühldorfer Nachrichten gehörten, den Neumarkter Anzeiger, seitdem schreibt Rasch für den Mühldorfer Anzeiger. "Damals gab es in Schönberg immerhin schon 30 Abonnenten", weiß Rasch, der die Tageszeitung im Ort populär machte, indem er über die örtlichen Vereine und die lokale Politik berichtete. Auch Anzeigen nahm er entgegen.

Den Aufwand, den er damals in Kauf nehmen musste, um das Schönberger Tagesgeschehen für jedermann publik zu machen, beschreibt er als enorm. Freilich schaffte er sich gleich an Weihnachten 1951 eine Schreibmaschine an, nachdem er zunächst seine Berichte handschriftlich abgefasst hatte. Das Entwickeln der Bilder erforderte aber viel Zeit. Nach Neumarkt-St. Veit führte ihn dann sein Weg. Dort, wo sich jetzt das Fotostudio Küppers befindet, gab es die Drogerie Hörl, die auch Fotoarbeiten erledigte. "Da wurden die drei, vier Bilder vom Negativ abgeschnitten und entwickelt. Ich musste also nicht immer den ganzen Film entwickeln lassen", schildert Rasch. Doch bis es so weit war, legte Rasch zweimal den Weg nach Neumarkt zurück, "alles mit dem Fahrrad. Im Sommer wie im Winter, weil ich kein Auto besaß, das kam erst 1954." Nach dem Erhalt der Bilder folgte die Fahrt zur Tageszeitung nach Mühldorf, wenn er die Berichte nicht mit der Post verschickte.

In den 60 Jahren hat sich Rasch nie gegen neue Techniken gewehrt. Erst kam die elektrische Schreibmaschine, 1991 dann erhielt er seinen ersten Computer, "was auch daran lag, dass meine zwei Söhne Informatiker sind. Sie haben mich immer unterstützt." Seit er 2005 auch die Fotografie auf digital umgestellt hat, schickt er seine Berichte via E-Mail nach Mühldorf an die Zeitung.

Als Berichterstatter war er natürlich in den Vereinen gefragt. Rasch war stets bereit Ehrenämter zu übernehmen, schrieb Presseberichte für den Bayerischen Lehrerverband, für den Alpenverein oder den Kreisgartenbauverein. Als Gemeinderat wusste er aus den Gemeinderatssitzungen zu berichten und engagierte sich auch in der KSK oder im Imkerverein. Hochgerechnet schrieb er in all den Jahren bis zu 10000 Zeilen pro Jahr. "Das ist weniger geworden, weil mir inzwischen eine ehemalige Schülerin beim Schreiben einiges abnimmt", sagt Rasch. Fasst man die 60 Jahre seines Daseins als Berichterstatter zusammen, kommt der 84-Jährige auf etwa 6000 Artikel, unter denen sein Kürzel "raa" stand. Müde scheint Rasch nicht zu werden - alleine in diesem Jahr zählt er 100 Artikel, die er im Mühldorfer Anzeiger veröffentlicht hat. Worauf Rasch dabei besonders stolz ist: "Ich habe mich nie berichtigen müssen."

Was hat sich in 60 Jahren Zeitung geändert? "Es sind im Vergleich zu den Anfangsjahren einige neue Vereine hinzugekommen, damit ist auch die Arbeit mehr geworden." Außerdem: "In den Anfangsjahren gab es vielleicht ein bis zwei 80. Geburtstage, über die es zu berichten galt, und höchstens eine goldene Hochzeit." Die Leute würden eben heute viel älter.

Lokalität als Eckpfeiler für die Tageszeitung

Auch er werde älter, sagt er. "Bis zu meinem 85. schreibe ich noch." Dann will er sich zurückziehen. Dass die Zeitung aber weiterhin Bestand haben wird, auch in der schnelllebigen Zeit, dessen ist sich Rasch sicher. Denn trotz Internets und Nachrichtenüberflusses in der iPhone-Ära: "Die lokale Berichterstattung bleibt der Zeitung vorbehalten, die Kommentierung zu verschiedenen Themen und auch der Lokalsport" - Eckpfeiler, die seiner Meinung nach auch im Internetzeitalter weiterhin die Bindung der Leser zum Blatt gewährleisten wird.

je/Neumarkter Anzeiger

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