Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

4,2 Millionen Euro für Fotovoltaikstrom in Schönberg

Kein Bürger-Interesse an Solarpark: Investor will Projekt in Fuchshub alleine stemmen

Über sechs Hektar umfasst der Geltungsbereich des Solarparks in Fuchshub. Die jährliche Leistung, die die Freiflächenfotovoltaikanlage erzeugen soll ,liegt bei rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom.
+
Über sechs Hektar umfasst der Geltungsbereich des Solarparks in Fuchshub. Die jährliche Leistung, die die Freiflächenfotovoltaikanlage erzeugen soll ,liegt bei rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom.

Es ist ein gigantisches Projekt: Der Winhöringer Unternehmer Robert Mittermeier plant eine Freiflächenphotovoltaikanlage bei Fuchshub, Gemeinde Schönberg. Auf dem Gelände der ehemaligen Bauschuttgrube soll jährlich eine Leistung von rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

Schönberg – Mit dieser Strommenge könnten rund 2200 Haushalte versorgt und 4200 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Der Gemeinderat von Schönberg stimmte der Bauleitplamung bereits im Juni 2020 zu, allerdings unter der Voraussetzung, dass der Betreiber der PV-Anlage Bürgern die Möglichkeit eröffnet, sich mit bis zu 30 Prozent an der PV-Fläche in Form einer Gemeinschaftsbeteiligung zu beteiligen.

Investor schlägt verschiedene Finanzierungsmodelle vor

Der Investor des Solarparks nutzte nun die Schönberger Bürgerversammlung, um das Projekt in Fuchshub vorzustellen. Der Vertrag der Gemeinde Schönberg mit dem Investor sieht eine Überlassung von zwei Hektar Fläche im nördlichen Bereich der Anlage zur von der Gemeinde Schönberg autorisierten GbR oder GmbH mit einer Laufzeit von 20 Jahren vor.

Auch interesant: Planungen für Solarparks in Kraiburg kommen voran: Strom für fast 3500 Haushalte

Eine weitere Möglichkeit der Bürgerbeteiligung wäre laut Mittermeier die Kapitalbeteiligung beim Investor mit einer Dividende von 1,5 Prozent bei einer Laufzeit von 20 Jahren.

Areal soll mit Hecke eingegrünt werden

Wie der Investor in der Versammlung ausführte, plant er die Anlage mit einer Aufständerung der Module im 15-Grad-Winkel. Es sollen drei verschiedene Modul-Typen verbaut werden. Das gesamte Areal soll mit einer Hecke eingegrünt werden, welche kleintierdurchlässig gepflanzt wird.

Lesen Sie dazu auch: Forscher schlagen Solardach auf Deutschlands Autobahnen vor - für immer verfügbare Energie

Beweidung durch Schafe denkbar

Zweiter Bürgermeister Reinhard Winterer erkundigte sich, wie die Pflege der Anlage gehandhabt werden soll. „Denkbar wäre eine Beweidung durch Schafe, doch das Ausmähen der Fläche in bestimmten Abständen ist unerlässlich“, so der Investor. Sägewerksbesitzer Christian Schnablinger zeigte Interesse, fragte in der Versammlung nach der Preisfindung für den Erlös aus der Anlage. Laut Wirtschaftlichkeitsberechnung ging man zum Zeitpunkt der Versammlung von Entstehungskosten in Höhe von 1,44 Millionen Euro für die zwei Hektar große Fläche aus.

Jährlicher Ertrag von knapp 90.000 Euro

Bei einer jährlichen Leistung von zwei Millionen Kilowattstunden geht man bei 1800 kWp-Leistung von einem Ertrag in Höhe von 90.000 Euro aus. Zur Erklärung: Das „p“ steht für das englische peak (Spitze) und bedeutet Spitzenleistung unter genormten Testbedingungen. Dadurch kann die maximale Leistung von verschiedenen Modultypen verglichen werden.

Auch interessant: Windkraft-Flaute lässt Stromproduktion mit Kohle steigen

Einspeisevergütung von 4,5 Cent pro Kilowattstunde als Grundlage

Als Kalkulationsgrundlage diente für die sogenannte PPA-Fläche eine Einspeisevergütung in Höhe von 4,5 Cent pro Kilowattstunde Strom. Abzüglich aller Kosten bliebe laut Berechnung ein Gewinn in Höhe 4500 Euro, die Renditen des eingesetzten Kapitals wurden mit 0,3 Prozent angegeben.

Stromabnahmeverträge jenseits des EEG

Diese „PPAs“, Power Purchase Agreements, gewinnen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen allmählich an Bedeutung. Es handelt sich dabei um Stromabnahmeverträge zwischen dem Betreiber der Photovoltaik-Anlage und einem Stromabnehmer. Mit PPAs wird die Finanzierung und Betrieb von Solarparks ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetzte möglich.

Lesen Sie dazu auch: Generelle Solarpflicht auf den Dächern Trostbergs?

Bürger haben nicht angebissen

In der Versammlung selbst schienen die Bürger nicht überzeugt, niemand zeigte Interesse an einer Bürgerbeteiligung bei diesem Projekt. Erst im Nachgang der Sitzung signalisierte Christian Schnablinger Kooperationsbereitschaft. Man habe sich am vergangenen Samstag unterhalten, Investitions- und Umsetzungsmöglichkeiten erörtert. Letztlich aber hat auch Schnablinger nun einen Rückzieher gemacht. „Die Zeit für die Planung wäre zu knapp gewesen“, erklärt er am Montag auf Nachfrage, denn die Gründung einer Kapitalgesellschaft hätte bis Ende Oktober 2021 über die Bühne gehen müssen.

Investor will alleine die rund 4,2 Millionen investieren

Bürgermeister Alfred Lantenhammer (CSU) hatte ebenfalls Interesse bekundet, mit dem Gedanken gespielt, dass die Thematik und eine mögliche Beteiligung der Gemeinde im Gemeinderat erörtert werden sollte. Dies verband er mit der Hoffnung auf eine höhere Einspeisevergütung, die gerade in den vergangenen Tagen nach oben geschnellt war. Mit der Absage Schnablingers ist aber auch das Interesse der Gemeinde verflogen, wie am Montag Lantenhammer auf Nachfrage bestätigte.

Investor Mittermaier wird das Projekt, das ursprünglich mit einer Investitionssumme in Höhe von 4,2 Millionen Euro kalkuliert worden war, jetzt nach eigenen Angaben alleine umsetzen.

Lieferengpässe verteuern die Module

Der Investor verhehlt nicht, dass die Rahmenbedingungen schwierig geworden seien. Die Module aus China seien wegen coronabedingter Lieferengpässen deutlich teurer geworden, Mittermaier spricht von knapp 30 Prozent. Nach Angaben von Bürgermeister Lantenhammer soll der Spatenstich Anfang November erfolgen. Und Mittermaier ergänzt, dass die Anlage im Mai 2022 ans Netz gehen soll.

Kommentare